Jupiter und Saturn als "Weihnachtsstern": Das passiert erst in vielen Jahrhunderten wieder

Am Abendhimmel verschmelzen gerade Jupiter und Saturn zu einer Art Doppelstern: Das sorgt vor Weihnachten für einen besonders spektakulären Anblick. Der könnte auch eine Erklärung für die Weihnachtsgeschichte liefern.

So nah wie jetzt stehen Jupiter und Saturn am Abendhimmel selten. Hier über Amsterdam in den Niederlanden am 18. Dezember 2020.
Am Abendhimmel über Amsterdam am 18. Dezember 2020 erscheinen Jupiter und Saturn noch ein kleines Stück voneinander entfernt. Bildrechte: imago images / Richard Wareham

Treffen sich zwei Planeten… Was anfängt wie ein Witz, passiert aktuell gerade am Himmel und sorgt bei Astro-Fans für viel Freude. Am 21. Dezember kommen sich nämlich die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn von der Erde aus gesehen so nahe, als seien sie ein einziger, massiver Himmelskörper. Sabine Frank vom Sternenpark Rhön sagte MDR JUMP:

Wir haben eine sogenannte 'große Konjunktion'. Dann sieht das von der Erde so aus, als würden der Jupiter und der Saturn am Himmel verschmelzen. Weil der Jupiter den Saturn auf der Innenbahn überholt. Deshalb ist das unser wahrer Weihnachtsstern und ich hoffe, es bleibt klar.

Laut dem Deutschen Wetterdienst gibt es zumindest im Osten guten Chancen, den "Weihnachtsstern" zu sehen. Den Anblick sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

Das ist etwas, was wir nur alle 20 Jahre zu Gesicht bekommen und so nah, wie die sich dieses Jahr scheinbar von der Erde aus nahe kommen, das werden wir alle nicht mehr erleben. Das passiert erst in vielen Jahrhunderten wieder.

Im Jahr 1623 standen die beiden Riesenplaneten ähnlich dicht beieinander. Aber damals was das Ganze nicht gut zu sehen, weil die himmlische Begegnung zu nahe bei der Sonne stattfand.

Monde als Zugabe beim Blick durch das Teleskop

Spektakulär: Leuchtturm und Milchstraße in der Nacht
Bildrechte: imago images / Imaginechina-Tuchong

Um es aber noch mal klar zu sagen: Der Effekt tritt nur beim Blick von der Erde an den Himmel auf. In Wirklichkeit sind sich die Planeten natürlich alles andere als nahe. Saturn ist etwa doppelt so weit von uns entfernt wie Jupiter. Aber am Himmel stehen sie eben nahe beieinander.

Am 21. Dezember sind die beiden Himmelskörper im Sternbild Steinbock nur noch in einem Abstand von 0,1 Grad voneinander zu sehen. Das entspricht etwa einem Fünftel des Vollmond-Durchmessers. Mit bloßem Auge kann man das de facto nicht auseinanderhalten. Lediglich mit Fernglas und Teleskop ist der geringe Abstand noch gut auszumachen. Und wer mit dem Teleskop schaut, der sollte auch noch mehrere Monde der Planeten zu sehen bekommen. Als Zugabe, sozusagen.

Im Südwesten am Horizont

Auf dem Land klappt die Planetenbeobachtung natürlich besser als in der Stadt. Wenn ihr einen einigermaßen freien Blick auf den Horizont habt, könnt ihr am besten jetzt schon mal einen Blick an den Abendhimmel werfen: Jupiter und Saturn sind zur Dämmerung tief im Südwesten zu sehen. Der hellere Lichtpunkt von beiden, Jupiter, steht etwas tiefer. Saturn, deutlich weniger lichtstark, steht links schräg darüber. Bis kurz vor Weihnachten kommen sie sich immer näher. Das liegt daran, dass der Jupiter schneller auf seiner Bahn unterwegs ist. Mitte November waren Jupiter und Saturn am Himmel noch etwa drei Grad voneinander entfernt. Bis zum 21. Dezember legt Jupiter dann eine Strecke von sechs Grad am Himmel zurück, während der langsamere Saturn in der gleichen Zeit nur drei Grad schafft. So kommt es schließlich zur großen Konjunktion. Dirk Schlesier, der Leiter des Planetariums in Halle sagte:

Für eine Beobachtung des Himmelsereignisses am 21.  Dezember ist es sehr wichtig, einen Ort mit freier Sicht zum Horizont zu suchen. Denn im Verlauf des Dezembers gehen Jupiter und Saturn immer zeitiger unter. Bereits um 18.30 Uhr werden die beiden Planeten untergegangen sein. Eine günstige Beobachtungszeit ist demnach zwischen 16.30 und 18 Uhr.

Der Stern von Bethlehem

Schwibbogen auf dem Striezelmarkt in Dresden mit Weihnachtsstern
Schwibbogen auf dem Striezelmarkt in Dresden mit Weihnachtsstern Bildrechte: imago images / Sylvio Dittrich

Ach ja, eine Sache noch. Wer von uns eine Weihnachtskrippe, Pyramide oder einen Schwibbogen zu Hause stehen hat, sieht da normalerweise auch den Weihnachtsstern. Zur Geburt von Jesus, so berichtet es das Matthäus-Evangelium, soll es am Himmel ja ein besonders helles Licht am Himmel gegeben haben. Kandidaten dafür sind immer wieder diskutiert worden: War es ein Komet? Oder gar eine Supernova-Explosion? Andere Experten sagten: Nein, was da am Himmel zu sehen war, das war gar nicht ein Himmelskörper – sondern zwei.

Na, kommt euch das bekannt vor? Im Jahr sechs vor unserer Zeit gab es nämlich tatsächlich auch eine große Konjunktion am Himmel zu bewundern. Sie gilt manchen als der wahre Weihnachtsstern. Doch womöglich ist die Beschreibung im Matthäus-Evangelium auch nur rein symbolisch – und hat gar keinen astronomischen Hintergrund.

Dieses Thema im Programm DIE MDR JUMP MORNINGSHOW | 21. Dezember 2020 | 08:20 Uhr

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