Der Busbahnhof in Gera. Bildrechte: Lily Meyer

Mobilität Tramp-Busse für Thüringen?

Wer auf dem Land lebt, hat es nicht einfach. Zumindest was die Verkehrsanbindung angeht. Dort fahren die Busse nicht nur seltener als in der Stadt, sie legen auch längere Strecken zwischen den Haltestellen zurück. Ärgerlich ist das dann, wenn die Strecke fast am eigenen Zuhause vorbeiführt, man dort aber nicht aus- oder einsteigen kann. Aus Thüringen kommt deshalb der Vorschlag, sogenannte Tramp-Busse einzuführen.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin für Thüringen

Der Busbahnhof in Gera. Bildrechte: Lily Meyer

Von der Haltestelle bis nach Hause braucht Angela Weikert eine halbe Stunde. Von Gera aus fährt sie bis Silbitz. Dann muss sie noch nach Tauchlitz laufen. Würde der Bus auf der Strecke anhalten, wären es nur 15 Minuten.

Und da wär das schon eine gute Variante.

Angela Weikert aus Tauchlitz

Findet auch Volkmar Vogel aus Ostthüringen, der für die CDU im Bundestag sitzt. Deshalb fordert er sogenannte Tramp-Busse für den ländlichen Raum. Die gebe es bereits in den Nachtstunden, allerdings nur zum Ausstieg. Vogel will das Angebot auf die gesamte Tageszeit und das Einsteigen ausdehnen.

Schwierig mit straffen Fahrzeiten

Ganz so einfach ist das allerdings nicht, gibt Stefan Meißner zu bedenken. Er ist der Geschäftsführer der PRG und der RVG, zwei kommunale Verkehrsunternehmen im Landkreis Greiz. Im abendlichen Verkehr, wo nicht mehr so viele Fahrgäste unterwegs sind, gebe es häufiger auch mal Fahrzeitreserven und etwas mehr Luft. Im Tagesverkehr dagegen seien die Fahrzeiten relativ straff, sodass jeder zusätzliche Aufenthalt auch zu einer Fahrzeitverlängerung führe.

Sicherheit der Fahrgäste geht vor

Auch das Thema Sicherheit spiele natürlich eine Rolle, ergänzt Meißner. Selbst bei den vielen Niederflurbussen im Einsatz, verbleibe an den Stellen, wo kein Bordstein ist, eine Einstiegshöhe von 25 Zentimetern.

Das ist sehr hoch, gerade auch für ältere Menschen oder Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Das muss man dann immer genau abwägen, dass hier keine zu große Gefahrensituation für die Fahrgäste entsteht.

Stefan Meißner, Geschäftsführer PRG und RVG

Trotz dieser Bedenken ist Meißner offen für die Idee. Derzeit werde geprüft, ob sich Tramp-Busse im Landkreis Greiz umsetzen ließen.

Entscheidung trifft Landesverwaltungsamt

Das letzte Wort in der Sache hat aber das Landesverwaltungsamt, dem die kommunalen Busunternehmen unterstellt sind. Man habe im Einzelfall schon mal die Möglichkeit eingeräumt, Fahrgäste auch außerhalb der Bushaltestellen aussteigen zu lassen, teilt das Landesverwaltungsamt schriftlich mit.

Einem Anhalten des Busses durch Handzeichen von Personen außerhalb von Haltestellen steht das Gericht hingegen nicht unkritisch gegenüber. Ein Grund dafür ist: Ein ungeplanter Zustieg könnte zu einer Verzögerung im vorgesehenen Busfahrplantakt führen. Der Busunternehmer ist aber verpflichtet den Fahrplan einzuhalten. Das könne zu einem unnötigen Zeitdruck und damit verbunden zu einer möglichen Gefährdung der Fahrgäste führen.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 08. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 05:00 Uhr

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