DNA Test
Die Ermittler hoffen, durch eine DNA-Spur an der Babyleiche die Mutter finden zu können. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Toter Säugling von Weißenfels Rund 2.200 Frauen sollen zum Gentest

Bei der Suche nach der Mutter des toten Babys von Weißenfels wird es einen zweiten Reihen-Gentest geben. Eine erste Testreihe mit rund 200 Speichelproben hatte keine Treffer erbracht. Bei der zweiten Runde nun sollen rund 2.200 Frauen getestet werden.

DNA Test
Die Ermittler hoffen, durch eine DNA-Spur an der Babyleiche die Mutter finden zu können. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Es hatte sich mehrfach angedeutet, jetzt ist es beschlossene Sache: Gut ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines Neugeborenen in Weißenfels wird es einen zweiten Massen-Gentest geben. Die Ermittler erhoffen sich dadurch, bei der Suche nach der Mutter des Säuglings voranzukommen.

Erster Test ergebnislos

Wie eine Sprecherin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte, liegt der gerichtliche Beschluss für den erneuten Massen-Gentest vor. Rund 2.200 Frauen sollen sich demnach dem sogenannten Reihen-Gentest unterziehen. Eine erste Testreihe mit rund 200 Frauen war 2017 erfolglos geblieben. Auch spätere konkrete Hinweise auf eine Tatverdächtige nach einem Beitrag in der MDR-Sendung "Die Spur der Täter" hatten sich nicht bestätigt.

Der Säugling war im April 2017 auf einem Grundstück in Weißenfels tot entdeckt worden. Am Körper fanden die Ermittler Spuren massiver Gewalteinwirkung. Von der Mutter des Babys fehlt bislang jede Spur. Die Ermittler gehen bisher jedoch davon aus, dass sie aus Weißenfels stammt, da der Fundort der Leiche auf eine Ortskenntnis schließen lässt.

Zweiter Test deutlich großflächiger

Die zweite Testreihe wird nun deutlich großflächiger angelegt: Während im vergangenen Jahr Frauen im Umkreis von 250 Metern um den Leichenfundort zur Untersuchung geladen waren, soll der Radius jetzt auf zweieinhalb Kilometer erweitert werden, erklärte der zuständige Staatsanwalt Jürgen Neufang.

Warum man beim ersten Mal einen so kleinen Radius gewählt hatte, erklärt Neufang folgendermaßen: "Die Auffindesituation hat damals den Schluss nahegelegt, dass der Säugling nicht weit transportiert worden sein kann. Wir sind damals von der Annahme ausgegangen, das müsste so um 250 Meter rum liegen." Nachdem diese Reihenuntersuchung nicht erfolgreich war, habe man geprüft, welche Stellschrauben man drehen könne. "Und da die Annahme des Transportweges der weichste Faktor ist, haben wir natürlich an dem Faktor angesetzt und haben gesagt, wir müssen erstmal den Umkreis größer bilden. Aber eben nicht mehr als zweieinhalb Kilometer, wobei wir da einen Großteil der Stadt Weißenfels abgedeckt haben von der Fläche her." Die Frau habe das Kind auch mit einem Auto transportiert haben können.

Am Alter der gesuchten Frau sei nichts geändert worden. Bestimmte Marker hätten nahegelegt, dass die Kindsmutter zur Tatzeit zwischen 16 und 33 Jahren alt gewesen sein muss. Darüber hinaus sei klar, dass sie mitteleuropäischer Herkunft sei. Viel mehr könne man nicht über die Tatverdächtige sagen.

Test ist freiwillig

Durchgeführt wird der Test von der Polizei. Wie die Sprecherin sagte, laufen momentan die Vorbereitungen für die Untersuchung. So würden derzeit die Briefe an die betroffenen Frauen verschickt. Wie viel Zeit die Reihenuntersuchung in Anspruch nehmen wird, sei noch nicht abzuschätzen. Zum einen wegen der Größe des zu untersuchenden Personenkreises, zum anderen sei der Test freiwillig. Die Frauen könnten sich untersuchen lassen, wenn sie die Zeit dazu hätten.

Wenn eine Frau nicht zu dem Gentest komme, mache sie sich nicht automatisch verdächtig, sagte Neufang. Aber: "Natürlich wird die Polizei dann nachschauen, ob sie als Täterin in Betracht kommt. Das heißt also, man macht sich nicht direkt verdächtig, aber die Polizei prüft natürlich nach, warum man der Einladung nicht folgt. Denn im Zweifel wird es die Täterin ja auch nicht tun." Gebe es einen begründeten Verdacht, kann es zu einer richterlichen Vorladung zum Gentest kommen.

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Quelle: MDR,dpa/cw

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Mai 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 17:05 Uhr

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