Hitze-Tipps auf dem Prüfstand - Die größten Sommermythen

Die Sommerhitze ein erträglicher machen – das ist eine gute Idee. Man muss nur wissen, wie man es richtig macht. Nicht, dass man da alten Irrglauben aufsitzt. Wir haben die besten Tipps für Sie zusammengestellt.

Ein Ventilator macht die Hitze etwas erträglicher
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1. Wenn’s draußen heiß ist: Fenster zu, damit die Kälte drin bleibt!

Draußen hat sich die Anzeige des Thermometers wie öfter in den vergangenen Tagen die 30-Grad-Marke hinter sich gelassen. Drinnen sind es, wenn’s gut läuft, nur ein bisschen über 20. Da ist es doch logisch, dass man die Fenster zulässt, damit die kühle Luft drinbleibt. Spät abends und früh morgens lüften, dann für den Rest des Tages Finger weg vom Fenstergriff.

Könnte man denken. Ist aber nicht so!

Der Meteorologe Jörg Kachelmann zum Beispiel wettert immer wieder gegen diesen Irrglauben. Er rät: Fenster auf! Wir selbst nämlich versauen sonst unsere eigene Raumluft, sagt er. „Sie produzieren drin so viel Feuchtigkeit und Kohlendioxid bei stehender Luft, dass alles besser ist als das Elend, das Sie mit geschlossenen Fenstern produzieren“, so Kachelmanns Botschaft.

offenes Fenster
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Fenster auf - am besten geht das, wenn diese in der Wohnung in verschiedene Himmelsrichtungen zeigen. Den Einwand, dass es bei offenen Fenstern ja Durchzug gäbe - und dass der gefährlich wäre, den lässt Kachelmann nicht gelten. Erkältung, steifer Nacken und andere Leiden würden dann drohen? Von wegen! Kachelmann sagt: Alles Quatsch, Durchzug ist nicht gefährlich. Alles andere sei Aberglaube.

2. Schön was Kaltes trinken, um sich abzukühlen. Besser geht nicht.

Vorab: Der Mensch besteht zu 60 Prozent aus Wasser. Wenn wir nun im Sommer mehr Wasser in Form von Schweiß verlieren, ist es logisch, dass wir auch mehr nachfüllen müssen. Zu den 1,5 bis 2 Litern Flüssigkeit, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gesunden Erwachsenen empfiehlt, kann also in der aktuellen Wetterlage gern ein bisschen dazukommen.

Keine kalten Getränke Der hohe Temperaturunterschied zwischen Körper und Getränk führt zu Schwitzen und damit zu Flüssigkeitsverlust. Besser: warmer Kräutertee.
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Aber die Temperatur ist wichtig bei der Frage, wie gut uns das tut. Und – im Gegensatz zu dem, was man glauben könnte – ist es da eben nicht zwingend sinnvoll, dass das Getränk zu kalt ist. „Kaltes führt dazu, dass der Körper Wärme produziert“, so Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. „Ich glaube, es wäre daher günstiger, eher die warmen Getränke zu konsumieren.“ Also vielleicht lieber lauwarmer Kaffee als kalte Cola. 

Noch ein Tipp zum Thema trinken: "Wenn die Sonne brennt, wirkt Alkohol im Körper schneller und intensiver", warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Also Achtung bei Bier, Wein und Co.

3. Im Schatten droht kein Sonnenbrand

Wer unterm Sonnenschirm sitzt, muss sich nicht eincremen. Ist doch klar. Spart Geld, man hat nicht immer so klebrige Finger – und man riskiert einen Sonnenbrand. Denn: Auch im Schatten erreicht UV-Strahlung von der Sonne unseren Körper - allerdings immerhin etwas langsamer und schonender. Der Dermatologe Reinhard Mrotzek aus dem nordrhein-westfälischen Datteln rechnet vor, dass wir dann immer noch 50 Prozent der UV-Dosis abbekommen. "Ob Sie dabei unter einem Zeltdach oder einem Baum sitzen, ist egal". Und Sonnenbrand gibt es eben auch im Schatten oder unter bewölktem Himmel.

Eine Variante dieses Sommermythos ist übrigens, dass man im Wasser angeblich keinen Sonnenbrand bekommt. Das ist nicht nur Unsinn, sogar das Gegenteil ist richtig. Das Wasser wirkt wie eine Lupe und kann die Strahlung sogar verstärken.

4. Nach Eis und Kirschen sollte man nichts trinken

Wer will sich schon an einem Sommertag wie aus dem Bilderbuch mit Bauchschmerzen auf der Wiese krümmen? Keiner! Also: Obacht bei der Speisenaufnahme. Alles durcheinander – keine gute Idee. Und erst Eis und dann Wasser, das ist doch auch nicht gut. Wusste doch schon Oma.

Nun, nichts gegen Oma, die wusste ja viel – aber dieser Tipp ist Unsinn.

"Es spricht nichts dagegen, danach etwas zu trinken", sagt Ernährungswissenschaftler Watzl. Er sagt, der Ratschlag hänge vielleicht „mit der Hygiene in früheren Zeiten zusammen, lässt sich heute aber nicht wirklich begründen". Womöglich geht der Satz auf Zeiten zurück, als das Trinkwasser hygienisch nicht immer einwandfrei war. Das ist aber heute nicht mehr der Fall, Wasser aus dem Hahn kann gefahrlos getrunken werden. Auch nach Kirschen, Eis, Butterbrot, Wiener Schnitzel – Sie haben das Prinzip verstanden, oder?

5. Scherben im Wald können einen Waldbrand auslösen

von der Trockenheit bedrohte Pflanzen auf dem Waldboden
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Leute, die ihren Müll im Wald entsorgen – die sind das Letzte. Sorry, das musste mal gesagt sein. Und noch etwas vorab: Waldbrände sind natürlich eine Gefahr für die Natur und die Menschen in der betroffenen Gegend. Aktuell ist die Waldbrandgefahr in vielen Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen immer wieder einmal eher hoch.

Aber dass Glasscherben, zum Beispiel aus zersprungenen Flaschen einen Waldbrand auslösen können, das ist inzwischen als ziemlicher Mythos entlarvt. "Es ist nicht ausgeschlossen, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering", so Heinz Rudolph, Landesbranddirektor und Leiter der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Eine Scherbe müsse "so geformt sein, dass sie Brennglaswirkung hat“. Das sei aber bei Flaschenböden und Flachglas „nicht der Fall".  Der Meteorologe Kachelmann formuliert es etwas drastischer, er nennt die Sache einen „lustigen deutschen Aberglauben“.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 16. August 2020 | 17:10 Uhr

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