Tim Bendzko über Corona-Studie: Wir brauchen Fakten, ansonsten wird es Insolvenzen geben

Tim Bendzko wird sich mit seiner Band an einer großen Corona-Studie beteiligen. Ziel ist es zu zeigen, wie Großveranstaltungen wieder möglich sein könnten. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Der Musiker Tim Bendzko.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am 22. August wird Popstar Tim Bendzko Teil einer bisher weltweit einzigartigen Konzertstudie. Unter dem Titel RESTART-19 möchte die Uniklinik Halle die Verbreitungswege des Coronavirus beobachten, um sie für spätere Kulturveranstaltungen berechnen zu können. Bendzko spielt drei Konzerte in verschiedenen Sicherheitsszenarien für 4000 Probanden. Im MDR JUMP-Interview erklärte er, warum er dieses Experiment so wichtig findet.

Alle Maßnahmen, die bis jetzt ergriffen wurden, auch gerade in Bezug auf Konzerte und Großveranstaltungen, beruhen auf Annahmen und Vermutungen. Und was könnte mehr helfen als Fakten und entsprechende Daten?

Bendzko musste Tour wegen Corona verschieben

Er selbst habe seine Tour auf Januar 2021 schieben müssen. Eine nochmalige Verschiebung wäre laut Bendzko eine Katastrophe, da man dann kaum noch Crewmitglieder für die Konzertproduktion finden würde.

An dem Tag, an dem es dann weiter geht, wird es dann ein Hauen und Stechen geben, weil sich dann wahrscheinlich viele umorientiert haben und einfach anderen Berufen nachgehen, weil alle Familien haben und ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Und dann aus der Sicherheit wieder in die Unsicherheit zurückzugehen, stelle ich mir persönlich ein bisschen schwierig vor.

Das gelte für alle, die im Hintergrund bei den Konzerten arbeiten, aber auch für Managements und Veranstalter.

"In schweren Zeiten ist Kultur umso wichtiger"

Dass es an einem effektiven Förderprogramm für die Kulturbranche mangelt, ist für Bendzko unverständlich. „Frei nach dem Motto: Kultur ist nicht systemrelevant! Was abwegiger gar nicht sein könnte, weil die Geschichte gezeigt hat, dass in schweren Zeiten Kultur umso wichtiger wird für die Leute. Und ich hoffe, dass das Erwachen schnellstmöglich passiert. Sonst wird es da sehr viele Insolvenzen geben.“

Auch die bisherigen Modelle für um die 1.000 Konzertbesucher seien nicht praktikabel. „Eine Helene Fischer, ein Peter Maffay oder ein Udo Lindenberg – wenn die jetzt Konzerte für tausend Leute spielen sollten, dann könnten die das in der Theorie tun… mit einem Instrument. Aber wenn die da mit der ganzen Band auftauchen und mit der ganzen Bühne, ist das einfach nicht wirtschaftlich. Und ,nicht wirtschaftlich‘ heißt nicht, dass die sich dann nicht bereichern, sondern, dass sie draufzahlen!“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 24. Juli 2020 | 22:00 Uhr

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