Eine Dogge sitz auf einem Korb und hat eine Weihnachtsmütze auf dem Kopf
Bildrechte: Colourbox.de

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke!

Zuletzt aktualisiert 05.12.2019 | 11:33 Uhr

Viele Kinder wünschen sich zu Weihnachten ein Haustier. Doch ob man ein Tier verschenkt, sollte gut überlegt sein. Tierheime verhängen zum Schutz der Tiere oft Vermittlungssperren.

Eine Dogge sitz auf einem Korb und hat eine Weihnachtsmütze auf dem Kopf
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„Ich will einen Hund!“ Nicht selten hören Mamas und Papas vor allem in der Weihnachtszeit diesen Satz von ihren Kindern. Und tatsächlich kommen einige Eltern den Wünschen ihrer Sprösslinge nach ohne vorher genau nachzudenken, was alles daran hängt, wenn man sich ein Haustier anschafft. Das merken auch die Pfleger in den Tierheimen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Wenn wir mitkriegen, dass das Tier ein Weihnachtsgeschenk sein soll, dann geben wir das natürlich nicht raus. Wenn sich ein vierjähriges Kind ein Kaninchen wünscht, dann kann es sich nicht richtig darum kümmern, die sehen nur etwas, das sie streicheln können und nicht die Verantwortung der Pflege dahinter“, meint Rüdiger Hundt. Er leitet seit sechs Jahren das Tierheim im thüringischen Gehofen.

Ein Tier ist kein Kühlschrank. Tiere sind Lebewesen, die man nicht verschenkt. Man muss sich immer im Klaren sein: Tiere kosten Zeit und Geld. Tiere werden krank, Tiere brauchen Futter.

Maik Hasert, Leiter Tierheim Delitzsch

Maik Hasert vom Tierheim in Delitzsch in Sachsen sagt, dass immer wieder Menschen ins Tierheim kommen, die gerne ein Haustier wollen: „Allerdings geben wir nur den Interessenten Tiere mit, die schon längere Zeit mit dem Tier zu tun haben.“ Alle, die ab zwei Wochen vor Weihnachten zum Tierheim in Delitzsch kommen, gehen auch ohne Tier wieder nach Hause. Das liegt an den Vermittlungsstopps.

Vermittlungsstopps in vielen Tierheimen

Viele Tierschutzvereine wollen mit sogenannten Vermittlungsstopps oder Adoptionssperren verhindern, dass Tiere verschenkt werden. Denn wenn sich ein Kind eine Katze wünscht und es sich nicht im Klaren ist welche Verantwortung es trägt oder die Katze nicht so zahm wie erhofft ist, landet die Katze oft wieder im Tierheim.

Menschen, die den Wunsch haben sich ein Tier anzuschaffen, sollen sich über die Feiertage überlegen, ob sie ein Geschenk wollen, oder ob sie sich wirklich um das Tier kümmern wollen. Wenn sie sich nach ein paar Wochen wieder melden, merkt man, dass sie wirklich Interesse haben. Deswegen gibt es zu Weihnachten einen Vermittlungsstopp.

Grit Bürger, Leiterin Tierheim Bitterfeld

Bei den meisten Tierheimen beginnt der Vermittlungsstopp ein bis zwei Wochen vor Weihnachten und endet in den ersten Januarwochen.

Spontane Tierhaarallergie

Trotzdem kommt es nach den Feiertagen oft noch zu Abgaben von Hunden, Katzen oder Kaninchen.

Wenn ein Tier nach Weihnachten abgegeben wird, sagen die Leute einem sowieso nicht die Wahrheit, aber man hört es raus. Es war dann halt ein Weihnachtsgeschenk und muss weg, weil keine Zeit da ist. Die beste Ausrede ist immer: Ich hab eine Tierhaarallergie – jeder zweite, der ein Tier abgeben will, hat eine Tierhaarallergie. Das ist einfach lächerlich.

Rüdiger Hundt, Leiter Tierheim Gehofen
Kater Georg
Bildrechte: Annett Wölk vom Tierheim Zeitz

Die hilflosen Tiere werden dennoch aufgenommen, weil sie sonst in den meisten Fällen ausgesetzt werden würden. Die Tierheime in Mitteldeutschland sind bestrebt, alle Tiere aufzunehmen, auch wenn es für viele eine Herausforderung ist, wie Grit Bürger vom Tierheim in Bitterfeld erklärt: „In erster Linie sind Tierheime für Fundtiere da, also Tiere, die ausgesetzt wurden und kein Zuhause haben. Wenn privat Tiere abgegeben werden, müssen die sich erstmal hinten anstellen, weil nicht immer warme Plätze da sind. Dann ist es natürlich schwer, allen gleichzeitig zu helfen.“

Tipps für das neue Familienmitglied

Warum muss es denn ein kleiner Hund zu Weihnachten sein? Wer ein Haustier haben möchte, der sollte sich im Klaren sein, dass der Hund oder die Katze ein neues Familienmitglied ist. Ein Tier sollte auf keinen Fall spontan gekauft werden. Wenn man sich dazu entschieden hat, ein Haustier in der Familie aufzunehmen, ist es gut, sich mit einem Tier anzufreunden, sagt Maik Hasert vom Tierheim Delitzsch: „Normalerweise gehen Interessenten drei, vier Mal mit dem Hund spazieren, um zu sehen, ob die Chemie zwischen beiden stimmt. Wenn alles schick ist, gibt es eine medizinische Vorkontrolle und wenn der Tierarzt die abnickt, kann‘s ins neue Zuhause gehen.“ Und Grit Bürger vom Tierheim Bitterfeld fügt an, dass sich jeder bewusst sein muss, dass man das Tier bis zu seinem Tod hat. Es sollte also eine feste und innige Bindung aufgebaut werden.

Spenden und Ehrenamt

Ein Punkt über den sich Tierheime zur Zeit gar nicht beklagen können, ist die Spendenbereitschaft. Vor allem zur Weihnachtszeit ist das Spendenaufkommen für die Tierheime überragend, sagt Grit Bürger:

Es ist erfreulich, dass zu den Feiertagen gespendet wird. Es gibt dann auch kleine Geschenke für alle Tiere im Tierheim.

Für Maik Hasert aus Delitzsch ist Weihnachten in dieser Hinsicht ein Highlight: Die ehrenamtliche Hilfe ist immer da, auch wenn sie mit den Jahren immer weniger wird. Aber zum Ende des Jahres steigt die Spendenbereitschaft. Sachspenden, Futterspenden, Geldspenden sind dann für uns nochmal das i-Tüpfelchen.“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 18. Dezember 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 12:44 Uhr

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