Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde
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Tiangong 1 Chinesischer Weltraumschrott im Sturzflug

29.03.2018 | 19:00

8,5 Tonnen wiegt der chinesische Himmelspalast, die Raumstation "Tiangong 1". Seit 2016 trudelt die Station unkontrolliert um die Erde und verliert dabei immer mehr an Höhe. Über Ostern soll sie nun endgültig abstürzen. Doch wo genau, weiß niemand. Ein riesiges Gebiet kommt für den Einschlag in Frage – auch in Europa.

Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde
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Weltraumexperten rechnen damit, dass die chinesische Raumstation "Tiangong 1" irgendwann zwischen Karsamstag und Ostersonntag in die Erdatmosphäre eintreten wird. Das Gebiet, in dem die Trümmerteile auf die Erde aufschlagen könnten, ist enorm groß. Auch Teile von Europa gehören dazu. Entwarnung gibt es aber für Deutschland: Wir sollen auf jeden Fall verschont bleiben.

Astronaut und Physiker
Prof. Walter Ulrich von der TU München Bildrechte: IMAGO

Dafür wird es hier aber auch nicht möglich sein, den Absturz mit eigenen Augen zu sehen, erklärt der ehemalige Astronaut Prof. Walter Ulrich von der TU München: "Die Raumstation flog nie und wird nie über Deutschland fliegen. Ihr Flugbereich ist eher über dem Äquator – etwa 43 Grad nördlich und 43 Grad südlich.“ Das heißt, irgendwo im Bereich zwischen Rom und dem südafrikanischen Kapstadt soll der Weltraumschrott eine unsanfte Landung hinlegen.

Raumstation außer Kontrolle

Kontrollieren können das die Weltraumforscher schon lange nicht mehr. Die kleine Raumstation ist nicht steuerbar, denn es gibt keinen Strom. Also können die Wissenschaftler den Absturz nur beobachten, weiß Dr. Tim Flohrer von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA: "Bis zu einem gewissen Grad ist der Absturz sich selbst überlassen. Aber wir sind in Kontakt mit den Mitgliedstaaten der ESA und wir geben unsere Vorhersagen an sie weiter.“

Je näher das errechnete Absturzdatum rückt, desto genauer können die Weltraumforscher auch vorhersagen, wann und wo in etwa die Trümmer einschlagen werden, meint Prof. Ulrich: "Ein paar Stunden vorher kann man es einkreisen und sagen, dass sich auf diesem Überflug eine Streuspur bilden wird. Die ganze Raumstation zerbricht, es entstehen viele tausend Bruchstücke, die einzeln verglühen. Die ziehen eine Spur von vielleicht 2.000 bis 3.000 Kilometer. Die kann man ungefähr eingrenzen."

"Auch diesmal wird kein Mensch getroffen werden"

Satellit
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Trotz der Warnungen, die die Weltraumbehörde an ihre Mitgliedsstaaten senden will, gibt es laut Flohrer keinen Grund zu Panik: "Das Risiko von einem Bruchstück getroffen zu werden, ist genau 10 Millionen Mal kleiner als innerhalb eines Jahres vom Blitz getroffen zu werden. In der Geschichte der Raumfahrt wurde bisher noch niemand von einem Stück Raumfahrtschrott getroffen."

Auch Prof. Ulrich gibt Entwarnung: "Pro Jahr stürzen 20 bis 30 tote Satelliten auf die Erde. Das ist kein großer Unterschied. Es ist bisher nichts passiert. Glauben Sie mir, auch diesmal wird kein Mensch getroffen werden."

Satelliten für die Zukunft

Doch es bleibt ein Risiko - auch für die Zukunft. Darum forschen Wissenschaftler bereits, wie sie Weltraumschrott von Satelliten und Raumstationen verringern können, erklärt Flohrer: "Wir arbeiten an verschiedenen Dingen und bauen die Satelliten in Zukunft hoffentlich so, dass sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre komplett verglühen können. Allerdings bei den Objekten, die sich schon im Orbit befinden, kann man leider nicht mehr viel machen. Man kann nur Technologien entwickeln, um die zu greifen und kontrolliert zum Absturz zu bringen. Auch da ist man dran. Aber es ist noch einiges zu tun."

Dieses Thema im Programm MDR am Abend - Die Themen des Tages | 29. März 2018 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2018, 18:46 Uhr

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