Tempo 30 in der Stadt: Leipzig will Modellprojekt starten

Leipzig will als eine von sieben deutschen Großstädten in einem Pilotprojekt großflächig Tempo 30 testen. Kann das funktionieren?

Blitzer in Leipzig Tempo 30
Bildrechte: imago images/ Christian Grube

30 ist das neue 50: Die übliche Geschwindigkeit von 50 km/h in der Stadt soll in Leipzig zukünftig nur auf wenigen Hauptverkehrsstraßen zulässig sein. Lärm- und Emissionsreduzierung und Verkehrssicherheit seien wichtige Gründe, die für diese Veränderung sprechen. Franziska Riekewald, stellvertretende Stadtratsfraktionsvorsitzende und Sprecherin für Mobilität betont gegenüber MDR SACHSEN:

Es geht um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Gerade unsere Kinder sind die Schwächsten und müssen auch auf den Hauptstraßen geschützt werden.

Unter dem Lärm leiden vor allem Menschen mit niedrigeren Einkommen. Diese leben häufiger an Hauptstraßen, da sie es sich nicht leisten können, an einen ruhigeren Ort zu ziehen, so Riekewald weiter. Nun wollen sieben Städte bei einem Pilotprojekt den Tempolimit-Test wagen.

Tempo 30 für mehr Lebensqualität

69 Prozent der Leipziger fühlen sich im Straßenverkehr gefährdet. Das haben laut Grünen-Stadträtin Kristina Weyh Befragungen gezeigt:

Es ist an der Zeit, dass wir im Verkehr das Wohl und die Gesundheit der Menschen an die oberste Stelle setzen.

Der Deutsche Städtetag in Berlin unterstützt die "Städteinitiative Tempo 30 für mehr Lebensqualität in Städten und Gemeinden". Gemeinsam mit Leipzig wollen Aachen, Augsburg, Freiburg im Breisgau, Hannover, Münster und Ulm eine Änderung der Straßenverkehrsordnung erreichen:

Tempo 30
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Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht.

heißt es in einer Erklärung der Städte. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung beharrt darauf, dass Städte mehr Entscheidungsspielraum bräuchten als bisher:

Die Kommunen können am besten entscheiden, welche Geschwindigkeiten in welchen Straßen angemessen sind.

Doch nicht alle sind begeistert von dem Projekt. Sabine Heymann von der CDU sagte MDR SACHSEN, dass eine Reduzierung des Tempos nur dann Sinn machen würde, wenn der Verkehr flüssig fließen kann. Dafür seien die Straßen momentan zu schlecht - Reifenabrieb sei das Ergebnis. Und wenn der Individualverkehr ausgebremst würde, dann würden auf gemeinsam genutzten Straßen Bus und Bahn leiden. Die sieben Städte betonen, dass es sich nicht um eine Initiative gegen Autofahrer handele. Es sei vielmehr ein Projekt für die Bewohner der Kommunen. Wann es genau losgeht, ist noch nicht bekannt. Die Städte hoffen, dass es nach der Bundestagswahl schnell zu der Gesetzesänderung kommt.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 05. Juli 2021 | 20:00 Uhr

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