Sharing-Economy Leihen statt Kaufen: Tchibo vermietet Kinderkleidung

Kaufen Sie noch oder mieten Sie schon? Nach dem Versandhaus Otto und dem Elektronikhändler Conrad bietet mit Tchibo bald ein weiterer Einzelhändler seine Produkte zum Leihen statt Kaufen an. Demnächst kann man beim bundesweiten Filialnetz Babykleidung von Tchibo mieten. Damit der neue Geschäftszweig möglichst gut läuft, hat sich der Konzern ein Magdeburger StartUp ins Boot geholt. Dieses hat mit dem Mietmarkt seit ein paar Jahren gute Erfahrungen gemacht.

von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL

Musik, Bücher oder Filme leihen viele seit Jahren über das Internet oder rufen sie über Streaming-Plattformen ab. Die eigene CD- und Video-Sammlung stagniert. Was für den Markt dieser immateriellen Güter längst normal ist, verbreitet sich nun auch auf dem Markt der materiellen Güter. Ende 2016 startete der Versandhändler Otto einen Verleih für elektronische Geräte – gegen eine monatliche Miete. Das kam bei den Kunden gut an.

Magdeburger StartUp soll Tchibo helfen

Nun möchte auch Tchibo mit seinem Angebot an Kinderkleidung in den Mietmarkt einsteigen. Damit sind sie nicht die ersten. Die Magdeburger Relenda GmbH bietet seinen Kunden seit vier Jahren unter "kilenda.de" mit Erfolg genau das an. Rund 3.000 Kunden leihen bei den Magdeburgern monatlich Kindersachen, Umstandsmode oder Kinderwagen.

Mietkleidung für den Massenmarkt?

Tchibo möchte von diesen Erfahrungen für sein eigenes Projekt profitieren und überzeugte die Geschäftsführer der Relenda GmbH von einer Zusammenarbeit. Einer von Relenda-Chefs ist Hendrik Scheuschner. Für ihn sei es spannend zu sehen, ob das Geschäftsmodell auch auf dem Massenmarkt funktionieren könne. Böte Tchibo Kinderkleidung zum Mieten an, hofft Scheuschner, dann führe dass zu einer gewissen Nachfrage.

Tchibo ist nicht das erste Unternehmen, das sich beim Einstieg in den neuen Mietmarkt von einem erfahrenen Startup unterstützen lässt. Der Elektronikfachhandel Conrad hat sich von dem Berliner StartUp Grove begleiten lassen.

Online aussuchen und ausleihen

Das Prinzip ist einfach. Scheuschner erklärt wie es bei Tchibo funktionieren wird. Die Produkte lassen sich nicht in den Filialen aussuchen, sondern ausschließlich über tschibishare.de. Auf dieser Seite könnten sich die Kunden die Kindersachen und Umstandsmode aussuchen, auf die sie Lust hätten, und für eine monatliche Gebühr ausleihen. Es ist, als teile man sich einen großen gemeinsamen Kleiderschrank.

Eine Winterjacke für Kinder kostet bei Kilenda zum Beispiel zehn Euro im Monat, eine Matschhose drei. Tchibo hat seine Preise noch nicht bekannt gegeben.

Sharing-Economy wird wichtiger

Am Gottlieb-Duttweiler-Institut forschen Wissenschaftler zum Wandel des Konsums. Die so genannte Sharing Economy, also Wirtschaft des Teilens, werde immer populärer und sei gar nicht so neu wie der Begriff zunächst vermuten lässt, erklärt Marta Kwiatkowski.

Teilen war eigentlich schon immer Teil unserer Kultur.

Marta Kwiatkowski, Gottlieb-Duttweiler-Institut

Menschen hätten schon geteilt, bevor sie überhaupt gelernt hätten, zu handeln. Schon als Kind würde man das Teilen lernen.

Sharing: Wie funktioniert das eigentlich?
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Mo 27.01.2014 03:00Uhr 03:31 min

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Besitz wird an Bedeutung verlieren

Das kommerzielle Vermieten, wie Tchibo es nun vorhat, zählt zur Sharing Economy. Kwiatkowski findet das zeitgemäß, denn längst löst sich das Luxusverständnis von materiellen Dingen. Viele dieser Güter wie Autos, teure Kleider oder Uhren hätten ihr Prestige verloren. Besitz werde generell an Bedeutung verlieren, sagt die Forscherin voraus.

Im Gegensatz zur wertvollen Uhr, die man vielleicht ein Leben lang in Ehren hält, ist es im Fall von Kinderkleidung schlicht klug zu leihen. Oft passen die Sachen nur ein paar Monate. Das Mietangebot spart Geld, Platz im Kleiderschrank und schont noch dazu die Umwelt.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2018 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 16:36 Uhr

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