Tatort Dresden "Nemesis"
Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato

Der MDR JUMP Tatort-Check: Tatort Dresden "Nemesis"

16.08.2019 | 09:00 Uhr

Tatort Dresden "Nemesis"
Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato

Was bedeutet „Nemesis“?

Laut Duden bedeutet Nemesis „ausgleichende, vergeltende, strafende Gerechtigkeit“. Der Begriff stammt aus dem Griechischen, wo Némesis die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit ist, personifiziert aus dem Wort némesis, dem gerechten Zuteilen.

In Bezug auf den neuen Tatort aus Dresden mit dem gleichnamigen Titel ist aber eher eine Bedeutung treffend, die sich laut Wikipedia im späten 20. Jahrhundert durch den Einfluss der Popkultur gebildet hat. Hier bedeutet Nemesis „ewiger Gegenspieler, Erzrivale, persönlicher Todesengel, Todfeind, Todbringer, tödliche Bedrohung“.

Die Aussage „Ich bin deine Nemesis“ bedeutet hier also nicht: „Ich bin deine Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit“, sondern eher: „Ich bin dein Untergang!“

Worum geht´s?

Jojo Bender, ein beliebter Dresdner Szene-Gastronom, wird erschossen in seinem Büro gefunden. Einige Umstände sowie erste Eindrücke am Tatort deuten auf einen Mord durch die Organisierte Kriminalität, sprich: Mafia, hin. Die beiden Kommissarinnen Leonie Winkler und Karin Gorniak erwägen, dass Schutzgelderpressung im Spiel sein könnte; auch Benders Frau berichtet von Vorfällen aus der jüngsten Vergangenheit, die diese Hypothese stützten.

Aber?

Aber so einfach ist die Sache nicht. Ein Informant berichtet zum Beispiel, dass die klassische Erpressung von Schutzgeld heutzutage in Deutschland kaum noch eine Rolle spielt, dass die Mafia heute eher ein Interesse daran hat, schmutziges Geld zu waschen, als noch mehr schmutziges Geld zu erpressen. Diese Art von Geschäft läuft so, dass Gelder, die aus illegalen Geschäften wie Drogenhandel oder Prostitution stammen, in legale Geschäfte wie Restaurants oder Immobilien investiert werden, deren Gewinne dann „sauber“ sind.

Das heißt?

Das heißt, dass Winkler und Gorniak hin- und hergerissen sind, in welche Richtung sie nun ermitteln sollen. Keine große Hilfe ist den beiden dabei ihr Chef, Dezernatsleiter Peter-Michael Schnabel. Der nämlich war nicht nur mit dem Toten befreundet, sondern auch mit dessen Frau, welche sich nun bei ihm über die Ermittlungsmethoden von Winkler und Gorniak beschwert. Mehr als einmal heißt es für die beiden Kommissarinnen im neuen Dresdner Tatort deshalb – mal ruhig, mal lautstark: „In mein Büro!“

Bildergalerie

Tatort Dresden "Nemesis"
Grausiger Fund Barkeeperin Lissy (Dena Abay) findet ihren Chef Joachim Benda (Komparse) erschossen in seinem Büro. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Grausiger Fund Barkeeperin Lissy (Dena Abay) findet ihren Chef Joachim Benda (Komparse) erschossen in seinem Büro. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Merkwürdiger Besuch Kurz zuvor war ein ominöser Mann (Raiko Küster) im Restaurant aufgetaucht, der eine Kreditkarte abholen wollte, die am Abend zuvor angeblich im Restaurant vergessen worden war. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Trauernde Familie Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) befragen Viktor (Juri Sam Winkler) und Valentin Benda (Caspar Hoffmann), die sich den beiden Kommissarinnen gegenüber jedoch sehr eigenartig verhalten. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Stochern im Nebel Kriminalkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) versucht herauszufinden, was ihr Vater Otto Winkler (Uwe Preuss) über mögliche Mafia-Kontakte des Toten weiß. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Aufschlussreiches Treffen Kriminalkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) erfährt von ihrem Informanten Spiro (Atheer Adel) pikante Details zur Tatwaffe, die den ganzen Fall in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Ernüchterndes Telefonat Katharina Benda (Britta Hammelstein) erfährt, dass ihr Mann weitaus weniger vermögend war als angenommen. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Gefährliche Freundschaft Wusste Dezernatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) von Verbindungen des Toten zur Mafia? Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Vergeblicher Versuch Valentin Benda (Juri Sam Winkler) möchte nach dem Tod seines Vaters bei seiner Mutter Katharina (Britta Hammelstein) schlafen, wird von ihr aber harsch wieder weggeschickt. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Geheime Botschaft Viktor Benda (Juri Sam Winkler) spricht zwar nicht mit Karin Gorniak (Karin Hanczewski), findet aber einen anderen Weg, um ihr einen entscheidenden Hinweis zu geben. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Tatort Dresden "Nemesis"
Brenzlige Situation Kriminalkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und ihr Chef Peter Schnabel (Martin Brambach) koordinieren die Einsatzkräfte am Einsatzort. Schnabel ist mit den Nerven am Ende. Bildrechte: MDR/W&B Television/Daniela Incoronato
Alle (10) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 18. August 2019 | 13:10 Uhr

Und sonst noch?

Bemerkenswert ist die Verwandlung, die die neue Kommissarin Leonie Winkler in sehr kurzer Zeit durchgemacht zu haben scheint. War sie in ihrem ersten Fall noch eine unsichere Anfängerin, die unter dem übermächtigen Schatten ihres berühmten Vaters litt, der eine Koryphäe bei der Dresdner KriPo war, marschiert sie nun mit einer derartig überheblichen Selbstverständlichkeit durch Polizei-Absperrungen am Tatort, dass sie etwas an Sympathie einbüßt.

Auch die Art und Weise, wie Dezernatsleiter Schnabel die Witwe seines Freundes mit Samthandschuhen anfassen lässt, geht auf die Nerven und lässt ein wenig an der professionellen Distanz des Herrn Dezernatsleiters zweifeln. Zumal man so viel Empathie und Einfühlungsvermögen sonst nicht gerade von ihm gewohnt ist.

Fazit?

Trotz dieser beiden Abzüge im Sympathie-Bonusprogramm und einer relativ sinnlosen Verfolgungsjagd in einem Parkhaus ist der neue Tatort aus Dresden ein sehr spannender Psycho-Grusel- Fall. Unser Tipp: einschalten, lohnt sich!

Bewertung mit Blaulichtern: Tatort Köln "Kaputt"
Bildrechte: MDR JUMP

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 18. August 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 09:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP