Tatort Dortmund "Inferno"
Bildrechte: WDR/Thomas Kost

Der MDR JUMP Tatort-Check: Tatort Dortmund "Inferno"

12.04.2019 | 09:00 Uhr

Tatort Dortmund "Inferno"
Bildrechte: WDR/Thomas Kost

Worum geht´s?

Im Ruheraum eines Krankenhauses wird die Leiche einer Ärztin gefunden. Ihr wurde, oder sie hat sich selbst, eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. Da die Gerichtsmedizin an der Leiche keine Spuren eines Abwehrkampfes finden konnte, scheinen beide Varianten im Bereich des Möglichen zu liegen. Merkwürdig aber sind zwei Dinge. Erstens, dass die Tote weder ihre Dienstkleidung noch private Kleidung trug. Merkwürdig ist auch, dass der Ruheraum von außen verschlossen war. Das ist ungewöhnlich, weil der Raum in der Regel gar nicht abgeschlossen wird. Aber: So gut wie jeder der MitarbeiterInnen hat einen Schlüssel für den Ruheraum, das Schloss war zudem unversehrt, ohne Spuren eines Einbruchs oder einer gewaltsamen Öffnung.

Bildergalerie

Tatort Dortmund "Inferno"
Am Tatort im Tatort: Im Ruheraum der Notfallambulanz eines Krankenhauses wird die Leiche der Internistin Dr. Gisela Monheim (Ivonne Reifenrath) gefunden. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
Tatort Dortmund "Inferno"
Am Tatort im Tatort: Im Ruheraum der Notfallambulanz eines Krankenhauses wird die Leiche der Internistin Dr. Gisela Monheim (Ivonne Reifenrath) gefunden. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
Tatort Dortmund "Inferno"
Schlecht geschlafen, schlecht geträumt Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) muss sich erst an die Ermittlungen in einer Klinik gewöhnen. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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In aller Freundschaft Dr. Dr. Andreas Norstädter (Alex Brendemühl) führt Faber und Bönisch in die Arbeitsabläufe einer Notfallambulanz ein. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Pflegepersonal mit Herz: Pflegerin Lexi Wolter (Lisa Jopt) kümmert sich nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um verletzte Tiere. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
Tatort Dortmund "Inferno"
Selbstversuch 1 Das Mordopfer starb mit einer Plastiktüte über dem Kopf – Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) will herausfinden, ob es sich selbst auf diese Art das Leben genommen haben könnte. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Pawlack greift ein Hätte sich die Tote mit einem Plastikbeutel selbst töten können? Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) macht den Selbstversuch. Als die Situation außer Kontrolle gerät, muss sie von ihrem Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon) gerettet werden. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Unter Schock Nora Dalay hat Schwierigkeiten, zu verarbeiten, was sie bei ihrem Plastiktüten-Selbstversuch erlebt hat. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Selbstversuch 2 Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) stellen im Ruheraum der Klinik nach, was dort passiert sein könnte. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Bier ab vier Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, rechts) versucht zur Ruhe zu kommen. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Allein auf weiter Krankenhausflur Kriminalhauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) hinterfragt die aktuellen Ermittlungsergebnisse. Bildrechte: WDR/Thomas Kost
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 14. April 2019 | 13:10 Uhr

Was ist das Besondere an diesem Tatort?

Dass es im Dortmunder Tatort-Team ordentlich zur Sache geht, dass keiner der Vierer-Truppe ein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um interne Meinungsverschiedenheiten geht, und dass man für gewöhnlich auch wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten und Gefühle der KollegInnen nimmt – das ist nichts Besonderes. Auch nicht, dass der Chef der Truppe, Kriminalhauptkommissar Peter Faber, immer noch am Mord an seiner Frau und seiner Tochter zu knabbern hat, und daran, dass er sich selbst die Schuld daran gibt, dass ihr Mörder wieder auf freiem Fuß ist. Das Besondere an diesem Tatort ist, dass diese Problematik in diesem Fall wieder einmal besonders viel Raum einnimmt. Auch das ist zwar nichts Neues – bereits in vergangenen Fällen war Fabers Vergangenheit Thema, teilweise sogar das bestimmende Thema eines Falles. Aber dieses Mal holt Faber seine Vergangenheit besonders heftig ein. Ohne zu viel zu verraten: Er hat Halluzinationen, lässt sich auf verhängnisvolle Drogenspielchen mit Tatverdächtigen ein, ist teilweise so patzig und arrogant, dass man Schwierigkeiten hat, ihn noch sympathisch zu finden, und befindet sich am Ende auf einer Art Selbstmord-Trip, der dem Tatort den Titel „Inferno“ gab.

Hintergrund-Infos

Neben Kriminalhauptkommissar Alexander „Sascha“ Bukow aus dem Rostocker Polizeiruf ist Peter Faber sicherlich der Kommissar, dem man alle Rüpelhaftigkeit am ehesten verzeiht, nach dem Motto: Raubein mit Herz, harte Schale, weicher Kern. Zudem hat man Verständnis für die Tragik seiner persönlichen Geschichte. Der Verlust seiner Familie ist als Grund für sein Verhalten stets präsent. Man hat Mitleid mit diesem Peter Faber, der einfach nicht über sein Schicksal hinwegzukommen vermag und deshalb eine Art von Leidenschaftslosigkeit bis hin zur Lebensmüdigkeit an den Tag legt, die man, wenn nicht nachvollziehen, so doch verstehen kann. Im neuen Tatort bekommt die Figur Peter Faber jedoch stellenweise recht unsympathische Züge. Mit überheblicher Lässigkeit zückt er seinen Dienstausweis, um das Krankenhauspersonal, das sich darüber wundert, dass er Belegschaftspläne vom Schwarzen Brett reißt, in die Schranken zu weisen, die Arroganz, mit der er sich am Kaffee eines Arztes selbst bedient, um sich hinterher zu bedanken, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, und der Zynismus, mit dem er sich entschuldigt, nachdem er höchst unpassende Witzchen über die Tote gemacht hat – nur drei Beispiele für das dünne Eis, auf dem sich Peter Faber bewegt, wenn ihm Akzeptanz und Verständnis von KollegInnen und ZuschauerInnen noch irgendetwas wert sein sollten.

Bewertung mit Blaulichtern: Tatort Dortmund "Inferno"
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 14. April 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 09:00 Uhr

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