Tabuthema: Sucht in der Familie

Wenn Eltern trinken oder Drogen nehmen, leiden vor allem die Kinder. Oft dringt von den Problemen nur wenig nach draußen. Um auf das Schicksal solcher Familien aufmerksam zu machen, gibt es Mitte Februar eine bundesweite Aktionswoche.

Mädchen im Hintergrund, Schnapsflasche mit Glas im Vordergrund
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Schätzungsweise drei Millionen Kinder leben in Deutschland mit süchtigen Eltern unter einem Dach. Insgesamt kommt fast jedes sechste Kind aus einer Suchtfamilie, berichtet die Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien Nacoa. Diese Kinder haben oft ein großes Risiko, später selbst eine Suchtkrankheit zu entwickeln. Etwa ein Drittel von ihnen wird im Erwachsenenalter alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängig. Viele entwickeln auch psychische oder soziale Störungen.

Kinder werden ihrer Kindheit beraubt

Charlotte Mehling von den Radebeuler Sozialprojekten Rasop aus Dresden kümmert sich um das Wohl solcher Kinder und weiß um ihre Probleme. Vor allem ältere Geschwisterkinder würden in diesen Familien sehr viel Verantwortung übernehmen, beispielsweise indem sie sich um die jüngeren Geschwister kümmern und den Haushalt schmeißen:

Sie übernehmen für ihr Alter zu viel Verantwortung und haben deshalb gar keine Zeit mehr, selbst Kind zu sein. Zudem gibt es wenig emotionale Verlässlichkeit der Eltern und weil die Sucht meist nicht offen thematisiert wird, also ein Tabuthema ist, denken die Kinder häufig, sie wären Schuld, wenn es den Eltern gerade nicht so gut geht.

Aktionswoche für Kinder von Suchtkranken

Aufgabe der Sozialpädagogen ist es, die Kinder zu stärken, ihnen zu helfen über das Familiengeheimnis Sucht zu sprechen. Dafür ist diese Aktionswoche gedacht. Seit zwölf Jahren gibt es die, um auf das Schicksal der "vergessenen Kinder" aufmerksam zu machen. In Dresden hat die Rasop mit betroffenen Kindern Plakate gemalt, die während der Aktionswoche vom 14. bis 20. Februar an prominenten Plätzen der Stadt zu sehen sein werden.

Junge malt Plakat zur Aktionswoche Kinder aus Suchtfamilien
Bildrechte: MDR JUMP

Es gab bei der Gestaltung keine Vorgabe. Wir haben uns aber vorher mit den Kindern zum Thema "Was macht uns stark" auseinandergesetzt, haben mit den Kindern über "seelische Tankstellen" gesprochen. Ein Junge hat dann sein Haustier gemalt, ein Kind hat auch seine Familie tatsächlich gemalt, viele Kinder haben eher abstrakt gemalt. Ein interessantes Paradox ist, dass ein Kind ein Computerspiel gemalt hat, das er gerne spielt.

Viele Aktionen, auch in Mitteldeutschland

Plakat zur Aktionswoche Kinder aus Suchtfamilien
Plakat zur Aktionswoche Kinder aus Suchtfamilien Bildrechte: MDR JUMP

Ob ein digitaler Parcours in Halle oder eine digitale Schnitzeljagd in Pößneck – in etlichen weiteren Städten gibt es Aktionen, aufgrund von Corona etwas anders als sonst. Die Interessenvertretung Nacoa hat alle Aktionen auf einer Internetseite zusammengefasst. Doch auch außerhalb der Aktionswoche gibt es Hilfsangebote von Kinderschutzorganisationen, Kommunen oder Sozialdiensten.

  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Feierabendshow | 11. Februar 2021 | 18:10 Uhr

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