Studie Pendeln belastet die Psyche

Pedeln zerrt an den Nerven. Und je weiter weg der Arbeitsplatz ist, desto schlimmer. Eine neue Studie untermauert das jetzt auch wissenschaftlich.

Wer nahe an seinem Arbeitsort wohnt, der hat's gut. Der kann morgens (meistens) etwas länger schlafen und hat - logischerweise - auch keinen so langen und anstrengenden Weg zur Arbeit. Dass sich der lange Arbeitsweg auf die Gesundheit niederschlägt, haben zahlreiche Studien bereits nachgewiesen. Auch die psychische Belastung ist bei Pendlern höher. Die Krankenkasse AOK hat jetzt nachgelegt.

Die AOK hat Fehltage der letzten Jahre untersucht und festgestellt: Fernpendeln belastet die Psyche. Bei AOK-Versicherten, die 10 Kilometer oder weniger zur Arbeit hatten, ergaben sich 11 Krankschreibungen wegen psychischer Belastung, pro 100 Versicherte.

Bei einer Entfernung von bis zu 30 Kilometern steigt die Zahl schon auf 11,5. Bei den Fernpendlern mit über 500 km Wegstrecke sind es sogar 12,6 Krankschreibungen pro 100 Versicherte. Wer weiter weg wohnt, fehlt also öfter.

Wer weiter weg wohnt, fehlt länger

Auch die Zahl der Krankschreibungstage steigt mit der Entfernung zum Arbeitsort. Fernpendler mit über 500 km Wegstrecke fehlen im Schnitt 3,4 Tage.

Wer 10 km oder weniger zur Arbeit hat, fehlt im Schnitt 2,9 Tage aufgrund psychischer Erkrankungen. Häufigste Diagnose sei dabei "Reaktion auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen". Darunter fielen depressive Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht mehr zurechtzukommen.

Umziehen lohnt sich

Auch bei Umzügen könne man eine Veränderung feststellen. Eine Verlängerung des Arbeitsweges erhöht die psychisch bedingten Fehlzeiten überdurchschnittlich, heißt es. Helmut Schröder, der stellvertretende Geschäftsführer des wissenschaftlichen Instituts der AOK, zieht als Schluss aus der Untersuchung:

Es lohnt sich also, wenn Beschäftigte ihren Arbeitsweg verkürzen oder Arbeitgeber ihre Mitarbeiter beispielsweise bei der Wohnungssuche vor Ort unterstützen.

Nebenbei kam die Untersuchung auch zu einem positiven Ergebnis: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Krankentage gleich geblieben. In den zehn Jahren zuvor war die Zahl kontinuierlich gestiegen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 27. März 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2018, 11:28 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP