Mobbing am Arbeitsplatz (Symbolfoto)
Bildrechte: IMAGO

Studie zu Mobbing: Jeder dritte Erwachsene wurde schon am Arbeitsplatz schikaniert

21.09.2018 | 15:40 Uhr

Die Zahl der Mobbingfälle unter Erwachsenen ist zuletzt deutlich gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Danach gibt jeder Dritte an, schon einmal gemobbt worden zu sein. Mehr als die Hälfte der Vorfälle geschehen am Arbeitsplatz. Betroffene können sich nur schwer wehren, weil entsprechende Gesetze fehlen und Mobbing viel zu selten verfolgt wird.

Mobbing am Arbeitsplatz (Symbolfoto)
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Andere beleidigen und hänseln, sie einfach ignorieren, hinter ihrem Rücken lästern: Das wird doch vor allem unter Kindern und Jugendlichen gemacht. Den Eindruck konnte man haben, weil in den letzten Monaten sehr viel über massives Mobbing an Schulen berichtet wurde. Eine repräsentative Studie zeigt aber, dass auch viele Erwachsene betroffen sind. Dafür hat das Bündnis gegen Cybermobbing e.V. aus Berlin mehr als 4.000 Erwachsene befragt. 30 Prozent der Befragten erzählten, sie seien schon einmal gemobbt worden. Damit ist deren Zahl um sechs Prozent gegenüber der letzten Studie 2014 gestiegen.

Am Arbeitsplatz fertig gemacht und übergangen

Von Mobbing betroffen sind laut der Studie vor allem Frauen und junge Menschen zwischen 20 und 25. Für viele ist ihr Arbeitsplatz ein Ort der Qual. Laut den aktuellen Zahlen fanden mehr als die Hälfte der Vorfälle am Arbeitsplatz statt. Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing sagte MDR JUMP:

Das kann ganz einfach losgehen, dass man eine E-Mail nicht bekommt, in der auf ein Treffen am Arbeitsplatz vorbereitet wird. Oder dass da ein falsches Thema drinsteht. Oder dass bei einer anstehenden Beförderung vorher Lügen über einen Kollegen verbreitet werden. Fake News also.

Dabei geht es laut den Studienmachern nicht um einzelne Streitereien während der Arbeitszeit sondern um systematische Schikanen oder Drohungen durch Kollegen oder Vorgesetzte über Wochen oder Monate. Laut der Studie werden dafür zunehmend häufiger E-Mails oder Handynachrichten genutzt. Cybermobbing hat vor allem unter jungen Arbeitnehmern stark zugenommen.

Das sind die ersten Vertreter der "Generation Smartphone" in der Arbeitswelt. Wenn wir nichts dagegen tun, wird sich diese Welle weiter vergrößern.

Täter hätten das Verhalten aus ihrer Jugend übernommen, weil sie damals keine Folgen befürchten mussten.

Unternehmen machen zu wenig dagegen

Der Psychostress hat für die Betroffenen und auch für deren Arbeitgeber ernste Folgen: Gemobbte Mitarbeiter haben pro Jahr im Schnitt vier Krankheitstage mehr als andere und suchen mehr als doppelt so oft wie Nichtbetroffene einen neuen Arbeitsplatz. Ihr Selbstwertgefühl und damit auch die Qualität ihrer Arbeit leiden. Dauerhaftes Mobbing kann auch zu Angststörungen und Depressionen führen. Pro Jahr kommen damit um die fünf Milliarden Euro an Krankheitskosten wegen Mobbing zusammen. Trotzdem würden nur die wenigsten Arbeitgeber vorbeugend etwas gegen Schikanen unter Kollegen machen, kritisieren die Studienmacher. Ein möglicher Weg sei, das Betriebsklima zu stärken. Etwa indem alle eine Vereinbarung unterschreiben, respektvoll miteinander umzugehen. Zudem sollte es in Deutschland mehr Mobbingberatungsstellen und anonyme Hotlines für Betroffene geben.

Wie können sich Betroffene wehren?

Das ist in Deutschland schwierig. Hier gibt es anders als in Schweden oder Frankreich kein Gesetz, dass Mobbing am Arbeitsplatz eindeutig regelt. Uwe Leest sagt:

In so einem Gesetz müsste eigentlich nichts neues drinstehen. Wir haben Paragrafen gegen Diffamierung, gegen verletzte Persönlichkeitsrechte. Das Problem ist nur, dass man die bündeln müsste. Und viel wichtiger ist: Die Dinge müssten geahndet werden. Daran scheitert es momentan in Deutschland.

Arbeitnehmer können zwar im Ernstfall ihr Unternehmen auf Schadenersatz verklagen, wenn Vorgesetzte nicht gut genug ihrer Fürsorgepflicht (§ 241 BGB) nachgekommen sind. Dafür müssten Betroffene aber vor Gericht ziehen und dort auch konkret nachweisen, wie Kollegen oder Vorgesetzte sie schikaniert haben. Der bloße Hinweis auf Mobbing-Aktionen genügt dabei aber nicht. Arbeitsrechtler raten daher zu einem Mobbingtagebuch. Darin listen Betroffene genau auf, wann und von wem sie schikaniert wurden und wer noch dabei war. Wer gemobbt wird, sollte sich zudem an den Betriebsrat wenden. Einige Arbeitgeber und Gewerkschaften haben auch Schlichtungsangebote, mit denen Betroffene unterstützt werden sollen. Online bieten zahlreiche Initiativen konkrete Hilfe an.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 21. September 2018 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 16:38 Uhr

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