Der Osten wird der grüne Vorreiter in Deutschland

Sauberer Strom aus Wind und Sonne, Wasserstoff-Forschung – in unserer Region tut sich viel beim Thema grüne Technologien. Forscher sehen großes Potenzial.

Windkraft, Photovoltaik und Biomasse auf einem Feld
Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Nicht mehr und nicht weniger als 2874 Windkraftanlagen gibt es in Sachsen-Anhalt. So jedenfalls steht es in der aktuellsten verfügbaren Statistik zum Thema. Und das wiederum führt zu einem ziemlich beeindruckenden Wert: Mehr als 68 Prozent des Stromverbrauchs im Land werden aus erneuerbaren Quellen gedeckt, vor allem eben aus Windkraft. Aber auch beim Zubau von Solaranlagen war Sachsen-Anhalt zuletzt spitze. Rechnet man die Zahl der neuinstallierten Anlagen auf die Bevölkerung um, liegt das Land laut einer Statistik sogar bundesweit ganz vorn.

Deutschlandweit liegt der Stromverbrauch aus erneuerbaren Quellen noch nicht einmal halb so hoch wie in Sachsen-Anhalt. In Sachsen (rund 20 Prozent) und Thüringen (rund 34 Prozent) sind die Quoten noch nicht ganz so hoch. Aber auch hier tut sich viel beim Thema saubere Energie.

So liegt Thüringen beim Energiewende-Ranking der Agentur für Erneuerbare Energien, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg bundesweit auf dem vierten Platz.

Synthetische Kraftstoffe dank Ökostrom

„Die ostdeutschen Länder können vor allem bei der Nutzung erneuerbarer Energien und beim wirtschaftlichen und technologischen Wandel größere Erfolge aufweisen“, heißt es in dem Bericht. Thüringen wird unter anderem für seine Vorbildfunktion gelobt. So würden landeseigene Gebäude mit Solaranlagen ausstattet und bei der Wärmeversorgung dieser Gebäude auf hohe Anteile erneuerbarer Energien gesetzt. Bei den Studiengängen im Bereich erneuerbarer Energien ist der Freistaat sogar führend. Lob gibt es auch für die Förderung der Elektromobilität.

Sachsen-Anhalt landet in dem Länderranking auf einem achtbaren achten Platz, Sachsen muss sich dagegen mit Platz 14 begnügen. Aber auch hier tut sich einiges beim Thema Greentech. So arbeitet das Unternehmen Sunfire in Dresden an synthetische Kraftstoffe für Industrie und Mobilität. „Die Menschen verstehen langsam, dass wir von einer reinen Stromwende hin zu einer wirklichen Energiewende kommen müssen“, so Mitgründer Nils Aldag. Seine Firma stellt daher mit Hilfe von Ökostrom aus dem Klimagas CO2 und Wasser zunächst sogenanntes Synthesegas her. Daraus werden dann Produkte, für die man sonst Erdöl oder Erdgas braucht. Die können stattdessen im Boden bleiben.

Pragmatischer Ansatz

„In Ostdeutschland ist die Energiewende schon deutlich weiter fortgeschritten als in den alten Bundesländern“, sagt Christian Growitsch, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle. Im Westen Deutschlands werde die Energiewende-Debatte teils sehr ideologisch geführt. „Meinem Eindruck nach gehen die Ostdeutschen pragmatischer mit Fragen der Energie- und Klimapolitik um.“

Gasdruckmess- und Regelstrecke Bad Lauchstädt
Die Verbundnetz Gas AG will zukünftig mehr mit Wasserstoff arbeiten. Bildrechte: VNG Gasspeicher GmbH

Sachsen hat sich sogar vorgenommen, eine eigene Wasserstoffstrategie vorzulegen. Nach aktuellem Stand soll sie im ersten Halbjahr 2021 im Kabinett beraten werden. Ein mitteldeutsches Wasserstoff-Bündnis aus Landkreis Leipzig, dem Verein Hypos und Fraunhofer-Institut wird bereits vom Bund gefördert. Bei Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt wiederum kann sich die Verbundnetz Gas AG einen riesigen Wasserstoffspeicher vorstellen, der von den Chemieunternehmen der Region genutzt werden könnte.

An Strategien wird auch für den wirtschaftlichen Umbau der mitteldeutschen Braunkohleregionen gefeilt – weil dort nach dem beschlossenen Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 neue Jobs gebraucht werden. Auch hier sollen umweltfreundliche Technologien eine wichtige Rolle spielen, etwa bei der Einrichtung eines Eisenbahn-Testzentrums in Niesky im Landkreis Görlitz. In Zittau – und im brandenburgischen Cottbus – soll das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein Institut für CO2-arme Industrieprozesse an den Start bringen.

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