Stechen uns in diesem Jahr mehr Mücken als sonst?

Obwohl das Wetter in den letzten Tage schön war, konnte man nicht wirklich gemütlich im Freien sitzen. Überall wo man hinschaut sind Mücken, das Kratzen hört gar nicht mehr auf. Ist es in diesem Jahr schlimmer?

einen Mann umschwirren viele Mücken
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Die Mücke hat wohl so viel Macht über unseren Alltag, wie sonst kein anderes Insekt. Vor lauter Kratzen kommt man überhaupt nicht in den Schlaf und das Beisammensitzen mit Freunden wird zum wahrgewordenen Albtraum. In diesem Jahr ist es ganz besonders schlimm.

Warum gibt es in diesem Jahr so viele Mücken?

Im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren gibt es wesentlich mehr Mücken, sagt Mückenexpertin Dr. Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum (ZALF):

Das ist dem Umstand geschuldet, dass die beiden letzten Jahresverläufe sehr trocken waren. Mücken mögen es feucht und warm. Das heißt dort, wo viele Regengüsse niedergehen und wo die Temperaturen relativ hoch sind, entwickeln sich Stechmücken sehr gut. Wir haben in diesem Jahr Regen-, Starkregen- und auch Hochwasserereignisse.

Im Jahr 2021 haben Mücken also besonders gute Lebensbedingungen. Dabei wird in der Mückenforschung grob zwischen drei großen Gruppen unterschieden: die Wald- und Wiesenmücken, die Hausmücken und die Überschwemmungsmücken. Insgesamt haben wir es in Deutschland mit 52 verschiedenen Stechmückenarten zu tun. Die Überschwemmungsmücken empfinden wir als die nervigsten. Sie attackieren ihre Opfer und lassen sich durch den Menschen nicht so schnell wegwedeln wie zum Beispiel die Hausmücken.

An den Proteincocktail der Hausmücken sind wir gewöhnt, weil wir ihm jedes Jahr begegnen. Auf den der Überschwemmungsmücke reagiert der Körper stärker, weil er ihn kaum kennt.

Gibt es bei uns besonders gefährliche Mücken?

Mücken übertragen zwar nicht die Krankheit, sondern nur den Erreger. Trotzdem kann ein Mückenstich gefährlich werden, sagt Dr. Doreen Werner:

Eine Mücke sticht
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Dazu bedarf es eines komplexen Schlüssel-Schloss-Prinzips und nicht jede Mücke kann jeden Erreger übertragen. Aber natürlich gibt es in Mitteldeutschland Mücken, die in dieser Hinsicht gefährlich werden können. Über unsere einheimischen Mücken ist zwar noch nicht so viel bekannt, wir wissen aber, dass sie in der Lage sind Krankheitserreger zu übertragen.

Zum Beispiel das West-Nil-Virus. Eine bestimmte Mückenart ist aber nicht von Anfang an mit Erregern belastet. Viel mehr wird sie zum Beispiel durch einen infizierten Tropenrückkehrer damit konfrontiert.

Wo ist es in Mitteldeutschland am schlimmsten?

In Halle klagen Einwohner bereits seit Ende Juli über eine "Mückenplage". Vielerorts ist es so schlimm, dass Anti-Mückensprays und ähnliche Schutzmittel ausverkauft sind. Auch aus Leipzig und Dresden werden Attacken gemeldet.

Es gibt Bereiche wie die Oranienbaumer Heide mit fünf bis 15 Anflügen pro Minute, in den frühen Abendstunden; am Mulderand bei Dessau dagegen maximal nur ein bis drei. Bei Massenvermehrungen hatten wir in der Vergangenheit aber zum Teil Anflüge von mehr als 100 Stechmücken pro Minute.

sagt Timm Karisch vom Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau. Von einer Mückenplage ist aus biologischer Sicht in Mitteldeutschland also momentan noch keine Rede. Da geht es bei 20 Mückenstichen pro Minute los.

Mit Material von MDR Wissen, MDR Sachsen-Anhalt, MDR Sachsen

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. September 2021 | 11:15 Uhr

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