Christian Rebernik, Gründer und Geschäftsführer von "Vivy", zeigt bei der Vorstellung einer neuen digitalen Gesundheitsakte mit dem Namen "Vivy"
Christian Rebernik, Geschäftsführer von "Vivy", bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte. Bildrechte: dpa

Gesundheitspolitik Start von Patientenakte "Vivy" auf Smartphone

Die Krankenkassen machen ernst mit der digitalen Patientenakte: Millionen Versicherte können ihre Gesundheitsdaten jetzt über eine neue Handy-App verwalten. "Vivy" speichert Befunde, Laborwerte oder Röntgenbilder und soll einen sicheren Datenaustausch zwischen Patient, Arzt und Krankenkasse ermöglichen. 16 Krankenkassen machen bei "Vivy" mit.

Christian Rebernik, Gründer und Geschäftsführer von "Vivy", zeigt bei der Vorstellung einer neuen digitalen Gesundheitsakte mit dem Namen "Vivy"
Christian Rebernik, Geschäftsführer von "Vivy", bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte. Bildrechte: dpa

Kunden vieler Krankenversicherungen können ab sofort ihre Patientenakte und Gesundheitsdaten zentral über eine neue Handy-App verwalten. Die digitale Akte "Vivy" sammelt etwa Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder, die dann der behandelnde Arzt nutzen kann. Hinter dem Angebot stehen 14 gesetzliche und zwei private Krankenversicherungen mit insgesamt 13,5 Millionen Versicherten. Die App ist kostenlos.

Viele Vorteile

"Vivy" speichert nicht nur Patientendaten, sondern erinnert auch an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen. Ein Medikamentencheck soll mögliche Wechselwirkungen anzeigen. Dazu muss der Code auf der Packung oder dem Medikationsplan eingescannt werden. Auch Überweisungen, U-Hefte oder der Mutterpass können in der App gebündelt sowie Fitnesstracker mit ihr gekoppelt werden.

Der Vorstandschef der beteiligten Kasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, wirbt: "Vivy wird im Praxisalltag vieles einfacher machen, Doppeluntersuchungen vermeiden helfen und mehr Transparenz für Mediziner und Patienten schaffen." Die App sei das erste entsprechende Angebot in Deutschland für Millionen Menschen. Die beteiligten Versicherungen informieren ihre Kunden ab 17. September.

Welche Krankenkassen machen mit?

  • Gesetzliche: DAK Gesundheit, IKK classic, Pronova BKK, IKK Südwest, mhplus, IKK Nord, Heimat Krankenkasse, BKK Gildemeister/Seidensticker, BKK Augsburg, BKK Melitta Plus, Bertelsmann BKK, BKK Diakonie, BKK Dürrkopp Adler, BKK HMR
  • Private: Allianz, Barmenia, Gothaer (ab Februar 2019)

Auch Patienten anderer Krankenkassen können sich für die App anmelden und sollen dann "Vivy" nutzen können.

TÜV garantiert Datensicherheit

 Ein Handyschirm zeigt ein Röntgenbild eine Fußes, aufgenommen bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte mit dem Namen «Vivy»
Auch das kann "Vivy": Röntgenbild auf dem Smartphone. Bildrechte: dpa

Die Daten der Nutzer sind den Kassen zufolge sicher. Nur die Nutzer würden über deren Verwendung entscheiden, betonen die Verantwortlichen. Versicherer, der beteiligte IT-Dienstleister Bitmarck oder die Vivy GmbH hätten keinen Zugriff darauf.

Bei jeder Datenübertragung gebe es mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine Verschlüsselung, für die nur der Versicherte den Schlüssel habe. "Vivy" ist demnach als sichere Plattform vom TÜV sowie anderen Spezialisten für Datensicherheit zertifiziert und als Medizinprodukt zugelassen. Die App kann in den Stores von Android und IOS heruntergeladen werden.

Bedarf ermittelt

Umfragen zeigen, dass es einen Bedarf für die App gibt. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (69 Prozent) wissen laut einer Forsa-Erhebung nicht, wann ihr nächster Impftermin ist. 43 Prozent kennen die für sie empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen nicht.

Jeder vierte Befragte hat bereits Mehrfachuntersuchungen erlebt, weil Ergebnisse aus anderen Praxen und Kliniken nicht vorlagen. Ein Fünftel der Deutschen wurde deshalb sogar mehrfach geröntgt. Jeder Dritte geht zwischen drei und zehn Mal im Jahr zum Facharzt, 44 Prozent gehen ebenso oft zum Hausarzt.

AOK und TK testen eigene E-Akten

Mit "Vivy" bieten nun erstmals mehrere Kassen zusammen eine Patientenakte an. Gesundheitsminister Jens Spahn will, dass gesetzlich Versicherte spätestens ab 2021 generell auch per Handy und Tablet ihre Patientendaten einsehen können.

Eigene Angebote für elektronische Gesundheitsakten hatten bereits die AOK und die Techniker Krankenkasse vorgestellt. TK-Chef Jens Baas zufolge nutzen inzwischen mehr als 30.000 Versicherte die digitale Akte. Doch man sei noch im Testbetrieb. Die AOK will ihr Gesundheitsnetzwerk nach Pilotprojekten in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bis Anfang 2019 in den anderen Ländern starten.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 09:22 Uhr

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