Mit Sprengstoff gegen Borkenkäfer

Borkenkäfer machen es uns schwer, Wälder zu erhalten, denn sie zerstören Bäume millionenfach. Tschechien hat ihnen jetzt den Kampf mit Sprengstoff angesagt.

Drohnenaufnahme toter Fichten im Wald
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Wenn Bäume vom Borkenkäfer befallen wurden, müssen sie raus aus dem Wald. Tschechien hat dafür in der Böhmischen Schweiz Sprengstoff genutzt. Die Detonationen waren sogar bis nach Sachsen zu hören. Danko Handrick, ARD-Korrespondent in Prag war vor Ort dabei und erklärt im Interview mit MDR JUMP:

MDR-Korrespondent Danko Handrick.
Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Die Bäume sind vertrocknet, die sind kaputt, die müssen irgendwie raus aus dem Nationalpark. Und da kann man natürlich nicht mit schwerer Technik überall anrücken, weil es ja enge Wege sind, die sich da durch den Nationalpark schlingen.

Keine Gefahr für andere Tiere

Im Vorfeld wurden verschiedene Sprengstoff-Sorten ausprobiert. Am Ende hat man sich für den tschechischen Plastiksprengstoff Semtex entschieden. Die Bäume werden aber nicht nur aufgrund der engen Wege gesprengt.

In der Endphase des Zerfalls, da kann man nicht mehr ganz sicher mit der Kettensäge am Baum arbeiten, erklärte uns Thomas Salo vom Nationalpark. Denn das würde dazu führen, dass während der Arbeiten die Spitze des Baums möglicherweise abbricht und auf die Arbeiter fällt.

Auch bei Wanderern aus Sachsen extrem beliebt: Die Böhmische Schweiz, hier bei Tissa.
Auch bei Wanderern aus Sachsen extrem beliebt: Die Böhmische Schweiz, hier bei Tissa. Bildrechte: imago images / Volker Preußer

Wenn Bäume im Nationalpark zur Explosion gebracht werden, dann soll das so natürlich wie möglich aussehen. Es soll ein hoher Stumpf stehen bleiben, der keine glatte Schnittfläche hat. So kann sich der Wald selbst renaturieren. Für andere Tiere soll die Sprengung aber keine Gefahr darstellen.

Es ist ein Knall bei einem Baum. Das ist so, als ob ein Jäger schießt und dann ist wieder Ruhe. Da machen Waldarbeiter im Wald viel mehr Lärm. Und wenn die Sprengstoffexperten unterwegs sind, dann ist auch kein Reh da, was unter dem Baum steht und von ihm erschlagen werden könnte.

Die Rede ist von Sprengstoffexperten, deshalb:

Und mit einem Lächeln im Gesicht meinte man dann zu uns: Im heimischen Garten sollte man diese Techniken nicht anwenden. Da sollte man weiter lieber nur den Rasen sprengen.

Auch Thüringen sprengt Bäume

Thüringen setzte bereits im Jahr 2019 auf diese ungewöhnliche Methode. Im Landkreis Hildburghausen musste die Bundeswehr anrücken, um die abgestorbenen Bäume zu sprengen. Das Forstamt Thüringen hatte es erst selbst versucht. Doch man stieß relativ schnell an die Grenzen der technischen Möglichkeiten, erklärte Sprecher Horst Sproßmann Deutschlandfunk Nova:

Die Gefahr ist sehr groß, dass aus den abgestorbenen Baumkronen einzelne Äste herausbrechen und unsere Waldarbeiter treffen.

In der Forstwirtschaft sei diese Vorgehensweise nicht unbekannt. Das Holz kann man nach der Sprengung allerdings höchstens als Brennholz nutzen, denn es wird zerstört - anders als bei der Fällung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 01. Dezember 2021 | 19:40 Uhr

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