Hasi, Mausi, Schatzi: Warum vergeben wir Spitznamen?

Schatz, Hasi, Maus - viele Eltern sprechen ihre Kinder mit Verniedlichungen an. Doch wie suchen wir sie aus und warum verwenden wir Spitznamen überhaupt? Wir haben den Namensexperten Prof. Dr. Udolph gefragt.

Familie mit Kind beim Essen
Tiernamen wie Hasi, Mausi und Äffchen sind besonders beliebt Bildrechte: imago images/ Westend61

Ob im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder im Supermarkt - überall hört man sie: Spitznamen! Doch warum sprechen wir uns gegenseitig so "ungern" mit unseren richtigen Vornamen an? Und was sind die häufigsten Spitznamen? Professor Doktor Jürgen Udolph ist Namenforscher und hat uns genau diese Fragen beantwortet.

MDR JUMP: Herr Prof. Dr. Udolph, warum geben wir unseren Kindern Spitznamen?

Prof. Dr. Udolph: Weil das eine Nähe ausdrückt. Eine Nähe, die entsteht durch Familie, eine persönliche Beziehung zum Namenträger. Es ist ganz klar: Wenn Sie eine Tochter haben und die heißt Susanne, dann werden Sie sie wahrscheinlich Susi nennen oder Sanne. Aber wenn es ernst wird und das Kind vielleicht irgendwo Mist gebaut hat, dann sagen Sie: „Susanne, das haben wir dir schon immer gesagt!” Und nicht „Susi,..“. Da nimmt man also sehr häufig den ganzen Vornamen. Und wenn es in einem zärtlichen Bereich ist, dann nutzt man Kosenamen.

MDR JUMP: Welche Spitznamen sind für Kinder besonders gebräuchlich und warum?

Professor Doktor Jürgen Udolph
Prof. Dr. Jürgen Udolph Bildrechte: Prof. Udolph – Zentrum für Namenforschung

Prof. Dr. Udolph: Vor allem Schatz oder Schatzi, die gibt es ganz häufig. Und dann kommen die Tiernamen. Und erstaunlicherweise kommen Bezeichnungen von Tieren, die man sonst eigentlich gar nicht so gerne hat. Bär - ich weiß ja nicht, ob man einem Bären wirklich begegnen möchte. Mausi - vor denen haben oft sowohl Männer, als Frauen Angst und es ist trotzdem ein beliebter Kosename. Wobei ich bei Maus relativ sicher bin, dass es etwas mit der Größe zu tun hat.

Mein Spitzname in der Schule war "Mäuschen". Ich war unscheinbar, hatte immer graue Kleidung, war klein und spielte keine große Rolle - ich war ein Mäuschen. Bei Liebenden oder als Kosename ist Mausi natürlich etwas Anderes. Das drückt vor allem die Zärtlichkeit, die Kleinheit aus und klein ist niedlich. Wir wissen alle, wenn wir kleine Tiere sehen, da hat jeder das Gefühl: Die musst du streicheln! Und auch bei Babys, das ist wahrscheinlich von der Natur auch so gewollt. Auch Engel, Süße oder Liebling sind ganz übliche Kosenamen.

MDR JUMP: Es gibt ja auch Spitznamen, die nicht so positiv sind, wie zum Beispiel Stinkie oder Pups. Warum benutzen wir die?

Prof. Dr. Udolph: Das kenne ich von meiner Frau. Die ist in Lübeck aufgewachsen und ihre Eltern haben sie Schieta genannt. Das ist plattdeutsch für "scheiße". Hier geht es ganz klar darum, dass man monatelang und jahrelang Windeln wechselt und das kann durchaus zu so etwas führen. Ist in der Tat eben nicht schlimm gemeint, sondern verschönert unangenehme Sachen. Das machen wir auch sonst, wir versuchen Sachen kleinzureden. Wenn man einen Kollegen im Büro nicht mag oder Konkurrenten in der Firma hat, dann sagt man durchaus: "Dann werde ich mit dem Schatzi mal reden". Da nimmt man ein wenig die Angst vor dem Gegner.

MDR JUMP: Also ist das nicht weiter schlimm oder sind wir doch besser dran, wenn wir versuchen diese Spitznamen nicht zu verwenden - auch wenn wir es lieb meinen?

Prof. Dr. Udolph: Ich glaube, das kann man nicht zwingen oder steuern. Kosenamen entstehen aus der Situation heraus und können natürlich auch wechseln. Alles verändert sich, alles lebt und auch Beziehungen jeder Art. Und das drückt sich auch im Kosenamen aus. Die können mit der Zeit und dem Alter also auch verschwinden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 05. Februar 2021 | 15:10 Uhr

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