Eine US-Lehrerin schafft für ein Jahr probeweise die Hausaufgaben ab - und das Netz feiert. Tatsächlich ist der Sinn von Hausaufgaben nicht bewiesen.
Bildrechte: imago images / Westend61

Sollten Hausaufgaben abgeschafft werden?

11.09.2019 | 11:23 Uhr

Nach der Schule nach Hause und endlich die Freizeit genießen - das wärs! Wenn da nicht die Hausaufgaben wären. Sie dauern oft lange, sorgen für Streit und Frustration in der Familie. Deshalb will die Vorsitzende des Leipziger Elternrats Petra Elias Hausaufgaben am liebsten abschaffen. Ist das eine gute Idee?

Eine US-Lehrerin schafft für ein Jahr probeweise die Hausaufgaben ab - und das Netz feiert. Tatsächlich ist der Sinn von Hausaufgaben nicht bewiesen.
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Vokabeln pauken, Dreisatz rechnen und Aufsätze schreiben: Nach der Schule sind die meisten Schüler keineswegs mit ihren Aufgaben fertig, dann warten erst noch die Hausaufgaben. Gehen die Kinder nach der Schule in einen Hort, verschieben sich die Hausaufgaben sogar bis auf den Abend. Das sorgt in vielen Familien für Stress und Streit. Petra Elias, die Vorsitzende des Leipziger Elternrats, findet dafür harte Worte:

Hausaufgaben bringen schon was: Anspannung, Streit und geraubte Familienzeit. Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch.

Das schreibt sie laut Bildzeitung auf ihrer privaten Facebookseite.

Ich möchte mit meinen Kindern in der Schulzeit auch mal schöne Sachen machen. Sich z.B. gegenseitig Geschichten vorlesen.

Die Hausaufgaben abzuschaffen, würde für mehr Harmonie in der Familie sorgen, glaubt Elias.

Lerneffekt umstritten

Ein Junge nimmt bei den Hausaufgaben im Fach Mathematik seine Finger zur Hilfe um besser zu zählen
Ob Hausaufgaben wirklich bessere Noten bringen, ist umstritten. Bildrechte: dpa

Dabei ist es sogar umstritten, ob Hausaufgaben überhaupt sinnvoll sind. Eine Studie der Universität Dresden von 2008 zeigt, dass Hausaufgaben keinen nachweisbaren Einfluss auf die Schulnoten haben. Das Problem: Zu Hause werde oft nur wiederholt. Das helfe schlechten Schülern aber nicht dabei, den Stoff wirklich zu verstehen. Und auch die Lehrer gaben zu, dass sie gar nicht wissen, ob Hausaufgaben überhaupt eine Auswirkung auf die Noten der Schüler haben.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht Hausaufgaben ebenfalls kritisch. Die sächsische Landesvorsitzende, Ursula Kruse, sagte im MDR JUMP-Interview:

Es gibt auch Hausaufgaben, wo ich sage, dass die in stärkerem Maße in der Schule gemacht werden sollten.

Zu diesem Ergebnis kommt auch Professor Hans Gängler, Erziehungswissenschaftler an der TU Dresden: Entscheidend ist nicht die Hausaufgabe, sondern die qualifizierte pädagogische Betreuung. Viel wichtiger als die Aufgaben an sich ist also die Zusammenarbeit mit einer Lehrkraft.

Aber da sind die Bedingungen momentan nicht da.

Zu wenig Lehrer, zu wenig Förderangebote, zu große Klassen: Für Ursula Kruse fehlen die Rahmenbedingungen, um Hausaufgaben nicht abzuschaffen, aber zumindest in die Schule zu verlegen. Dann müsse die Schule nämlich nicht nur bis mittags gehen, sondern eine Ganztagsschule sein. Mit ausreichendem Personal könne dann auch besser auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden.

Mehr Fairness

Nachhilfelehrer mit Mädchen
Private Nachhilfe können sich nicht alle Familien leisten. Bildrechte: dpa

Von Ganztagsschulen und mehr Betreuung in der Schule würden vor allem Familien mit geringeren Einkommen profitieren. Die können ihren Kindern meist keine private Nachhilfe bezahlen. Ein entsprechendes Angebot in der Schule wäre für alle kostenlos. Einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge bekamen im Schuljahr 2014/15 immerhin fast 15 Prozent der Schüler Nachhilfe, vor allem auf den weiterführenden Schulen. Die Eltern geben dafür jährlich fast eine Milliarde Euro aus.

Unvermeidbare Hausaufgaben

Ein Ende der Hausaufgaben würden aber auch Ganztagsschulen und bessere Betreuung nicht bedeuten. Die Schüler müssten sich nach wie vor auf den Unterricht vorbereiten, sagt Ursula Kruse.

Zu den Hausaufgaben, die man sicherlich nicht ganz abschaffen kann, gehören das Lesen eines Buches, das man später im Deutschunterricht behandelt oder das Lernen von Vokabeln.

Das entspräche dann auch dem Wunsch von Petra Elias.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 10. September 2019 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 11:23 Uhr

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