Ein Blick auf ein Handy mit den verschiedenen Social Media Apps, wie Facebook, Instagram, Twitter.
Wer viel über soziale Medien kommuniziert, wird dadurch nicht unbedingt unzufriedener, so eine neue Studie. Bildrechte: dpa

Studie Macht Social-Media-Nutzung wirklich unzufrieden?

Zu viel Facebook, Instagram oder Whatsapp macht unglücklich, so die weit verbreitete Annahme. Auch aus der Wissenschaft wurde diese These bislang gestützt. Doch nun gibt es eine neue, umfassende Langzeitstudie zu den Wirkungen von Social Media auf Jugendliche. Und die kommt zu anderen Ergebnissen.

Ein Blick auf ein Handy mit den verschiedenen Social Media Apps, wie Facebook, Instagram, Twitter.
Wer viel über soziale Medien kommuniziert, wird dadurch nicht unbedingt unzufriedener, so eine neue Studie. Bildrechte: dpa

Die Nutzung von Social Media bei Jugendlichen hat kaum Einfluss auf ihre Lebenszufriedenheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die britische und deutsche Wissenschaftler in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht haben. Tobias Dienlin, Psychologe von der Universität Hohenheim und einer der Autoren der Studie, sagte MDR KULTUR, ob Jugendliche mehr oder weniger Social Media nutzten, habe "so gut wie gar keinen Einfluss darauf", wie zufrieden sie seien.

Dienlin zufolge handelt es sich um die erste Studie zum Thema in dieser Größenordnung, die kausale Effekte misst. Analysiert wurden Einflüsse über einen vergleichsweise langen Zeitraum von einem Jahr. Ausgewertet wurden die Daten von rund 5.500 britischen Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren.

Erste Längsschnittstudie zum Thema

"Wir haben sie gefragt, wie häufig sie Social Media benutzen, um mit ihren Freunden zu kommunizieren. Und wir haben sie gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind – ganz allgemein, aber auch beispielsweise in der Schule, in der Familie, mit ihrem Aussehen", so Dienlin.

Man kann tatsächlich Entwarnung geben. Es sind wirklich ganz kleine bis nahezu triviale Effekte, die wir gefunden haben.

Tobias Dienlin, Psychologe von der Universität Hohenheim
Tobias Dienlin
Der Psychologe Tobias Dienlin war an der britisch-deutschen Studie zur Wirkung von Social Media beteiligt. Bildrechte: Philipp Masur

Der Studie zufolge waren Unterschiede der Social-Media-Nutzung durchschnittlich für weniger als ein Prozent der Veränderungen bei der Lebenszufriedenheit verantwortlich, wie Dienlin bei Twitter erklärte.

Demnach gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Mädchen ist der Einfluss etwas größer als bei Jungen. Die Wissenschaftler stellten auch einen umgekehrten Effekt fest: Wenn Jugendliche weniger zufrieden mit ihrem Leben sind, nutzen sie etwas mehr Social Media.

Allerdings bezieht sich die Studie nur auf eine bestimmte Anwendung von Social Media, nämlich zur aktiven Kommunikation mit Freunden. Nicht untersucht wurde, wie es sich auswirkt, wenn Jugendliche Social Media passiv nutzen, also zum Beispiel häufig die Nachrichten von Freunden lesen. "Da ist es tatsächlich so, dass andere Studien zeigen, dass man hier etwas größere Effekte finden kann. Von daher ist es wichtig, da zu unterscheiden", erklärte Dienlin.

Kurzfassung aller Studienergebnisse von Tobias Dienlin bei Twitter

Dieses Thema im Programm MDR KULTUR - Das Radio | 14. Mai 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 20:07 Uhr

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