Kinder rutschen in einem Freibad
Bildrechte: IMAGO/ Westend61

Eltern sollten mit Kindern vor Badesaison richtig Schwimmen lernen

09.04.2019 | 15:33 Uhr

Mit den Eltern ins Schwimmbad an den See oder ans Meer: Das gehört zur Kindheit. Damit die Schwimmtage in schöner Erinnerung bleiben, sollten die Erwachsenen ein paar Regeln beachten.

Kinder rutschen in einem Freibad
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Immer wieder ertrinken Kinder. Laut Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) starben in Deutschland im Jahr 2017 17 Kinder. Mit ein paar Regeln können Eltern das Risiko für so einen Ernstfall so klein wie möglich halten und trotzdem Spaß mit der Familie haben.

Schwimmflügel allein reichen nicht

Erwachsene sollten vor allem kleine Kinder beim Baden keinen Augenblick aus den Augen lassen und immer auch in Griffnähe bleiben. Mädchen und Jungen bis drei Jahre können sich noch nicht selbst wieder aufrichten, wenn sie mit dem Kopf unter Wasser geraten. Achim Wiese vom Bundesverband der DLRG und selbst jahrelang Rettungsschwimmer sagt:

Achim Wiese, Sprecher des DLRG-Bundesverbandes
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Der Kopf ist natürlich ein sehr schwerer Körperteil. Wenn Kleinkinder ins Wasser geraten, müssen sie erstmal damit umgehen, dass sie unter Wasser nicht einfach atmen können. Dann besteht die Gefahr, dass sie bewusstlos werden.

Die Kleinen bleiben dann oft auf dem Bauch im Wasser liegen. Die DLRG warnt zudem davor, zu sehr auf Hilfen wie Schwimmringe oder –flügel zu vertrauen. Die könnten Luft verlieren oder von den Kindern abgestreift werden. Bei Schwimmringen können Kinder zudem nach vorn kippen und ertrinken. Beim Baden im See oder im Meer könnten zudem Kinder auf Luftmatratzen oder in Schwimmringen von der Strömung abgetrieben werden.

Mamas Hinweise sind wirklich sinnvoll

Kinder essen Melone beim Baden am See
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„Nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen!“ Fast jeder kennt noch die Verhaltensregel, die einem die Eltern mitgegeben haben. Diese Regeln ist vor allem für Kinder wirklich wichtig, sagen die Experten von der DLRG. Zwar zeigen aktuelle Studien aus den USA, dass ein voller Magen keinen lebensgefährlichen Einfluss hat. Allerdings fallen Schwimmbewegungen nach dem Essen tatsächlich schwerer, sagen die DLRG-Experten. Zudem würden sich Kinder beim Schwimmen auch schon mal übernehmen. Wird ihnen dann übel, könnten sie sich erbrechen oder sogar Wasser schlucken. Etwas Wartezeit nach dem Essen senkt also das Risiko für einen Badeunfall. Ein leerer Magen kann allerdings auch gefährlich sein: Zum Schwimmen braucht der Körper Energie: Für zehn Minuten werden etwa so viele Kalorien verbraucht, wie ein Apfel liefert.

Vorher richtig abkühlen!

Auch diese Regel kennen wir noch von unseren Eltern: „Im Wasser erst abkühlen und dann losschwimmen!“. Das ist aus Sicht unserer Experten tatsächlich sinnvoll. Beim Sprung ins kalte Wasser oder beim Eintauchen ziehen sich die Blutgefäße zusammen und pumpen das Blut sehr schnell zum Herz. Das könne auch Kinder mit unerkannten Herzproblemen überlasten, warnen Mediziner. Sie weisen zudem darauf hin, dass durch kaltes Wasser im Gesicht ein Reflex ausgelöst wird: Der Körper senkt dann Herzfrequenz und Blutdruck schnell ab. Das kann zu Orientierungslosigkeit oder sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen. Achim Wiese von der DLRG sagt:

Das kann man auch mit kleinen Kindern schon in der Badewanne üben: Man spritzt ihnen etwas kaltes Wasser ins Gesicht und bringt ihnen bei, dann nicht die Luft anzuhalten, sondern auszupusten!

Ertrinken geschieht unauffällig

Strampeln, husten, schreien: So werden Ertrinkende in Spielfilmen gezeigt. In der Realität läuft der Ernstfall in den meisten Fällen leise und unauffällig. Das macht es für Eltern und Kinder so gefährlich. Der Körper eines Ertrinkenden gibt alles, um lebenserhaltende Funktionen sicherzustellen. Für alles andere wie etwa Schreien bleibt dann keine Kraft. Auch deshalb sollten Eltern und Rettungsschwimmer Kinder immer besonders im Auge behalten. Für den Ernstfall am See oder am Meer rät unser Experte, immer zuerst den Notruf 112 zu wählen und dann erst aktiv zu werden:

Mit dem Notruf ist die größte Hilfe getan. Dann muss ich überlegen: Bin ich in der Lage, dem Mensch zu helfen?

Wer sich selbst dabei in Gefahr bringe, sei keine Hilfe. Dann sollte man besser versuchen, ein Paddel oder einen Rettungsring ins Wasser zu werfen.

Richtig sicher schwimmen lernen!

Die DLRG und andere Rettungsschwimmer-Verbände nutzen den Beginn der Badesaison regelmäßig für einen Appell: Lasst Eure Kinder richtig schwimmen lernen! Das Babyschwimmen diene vor allem dazu, die Kinder früh ans Wasser zu gewöhnen. Spätestens mit fünf Jahren sollten die Kinder Schwimmkurse besuchen. Achim Wiese sagt:

Dann sind Kinder auch in der Lage, drei Dinge gleichzeitig zu koordinieren: Die Armbewegung, die Beinbewegung und die Atmung. Das ist das Schwierigste.

Der Retter bittet Eltern, auf Alleingänge zu verzichten und Schwimmkurse in Frei- oder Hallenbädern zu nutzen. Beim Trainer sei die Aufmerksamkeit einfach höher. Beim Schwimmenlernen mit Papa oder Mama wollten Kinder lieber spielen statt lernen. Erst mit dem „Jugendschwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer)“ können Kinder übrigens sicher schwimmen. Die Kurse vorher sind eher dafür gedacht, die Kleinen an den Umgang mit Wasser zu gewöhnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 09. April 2019 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 12:56 Uhr

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