Eine Familie kuschelt gemeinsam im Bett
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Für perfekten Schlaf: Gemeinsam kuscheln oder allein im Bett?

09.01.2019 11:33

Im Bett aneinander kuscheln, eine große Decke teilen und morgens glücklich und erholt aufwachen: Das sieht bei Paaren in Hollywood-Filmen immer sehr perfekt aus. In unserem Alltag dagegen klaut der andere dauernd die gemeinsame Decke, hat kalte Füße und schnarcht störend vor sich hin.

Eine Familie kuschelt gemeinsam im Bett
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In der dunklen Jahreszeit ist erholsamer und langer Schlaf besonders wichtig: Unser Immunsystem braucht die Pause, um möglichst effektiv gegen alle Krankheitserreger vorgehen zu können. "Schlaf ist unser wichtigstes Regenerations- und Reparaturprogramm", sagt der Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß . Zudem ist unser Schlafbedürfnis höher, weil der Körper bei Dunkelheit mehr vom Schlafhormon Melatonin ausschüttet.

"Jeder sollte es beim Schlafen sehr komfortabel haben"

Der Rat unseres Schlafforschers wirkt besonders jetzt im Winter besonders einleuchtend. Auch wenn die gemeinsame Decke vergleichsweise romantisch und kuschelig wirkt, sollte im Bett jeder eine eigene Zudecke haben:

Schlafforscher und Buchautor Hans-Günter Weeß
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Wir brauchen in der Nacht so leicht gymnastische Übungen, um uns nicht zu verlegen und keine Schmerzen zu bekommen. Immerhin bewegen wir uns so 20 Mal pro Nacht.

Bei diesen Bewegungen und Drehungen ziehe dann der eine Partner dem anderen oft die gemeinsame Decke weg und stört ihn oder deckt ihn sogar auf. Für zwei Decken spricht aus Sicht des Experten auch ein zweites Argument: Manche Menschen schlafen lieber etwas kälter mit einer leichten Bettdecke, andere brauchen die schön warme und dicke Variante.

Geborgenheitsgefühl

Die in vielen Filmen gezeigten, riesigen und schweren gemeinsamen Bettdecken sind aus Sicht des Schlafforschers eher eine typische US-Vorliebe. Hans-Günter Weeß kann sich nicht vorstellen, dass Paare darunter besser schlafen.

Es gibt in der Forschung aber tatsächlich gerade den Ansatz, dass man bei bestimmten Schlafproblemen eine große schwere Bettdecke empfiehlt. Das sind Menschen, die sich nachts ängstlich und weniger geborgen fühlen.

Durch die schwere Decke hätten dann Betroffene das Gefühl, gut eingepackt und geborgen zu schlafen.

Frauen schlafen allein besser, Männer schlechter

Es klingt nicht sehr romantisch, aber aus Sicht des Forschers sorgen getrennte Betten oft für erholsameren Schlaf. Zumindest bei Frauen:

Das hat nichts damit zu tun, dass der jeweilige Partner schnarcht. Frauen schlafen grundsätzlich besser, wenn sie allein im Bett liegen. Das ist möglicherweise genetisch bedingt: Frauen waren schon immer dafür zuständig, dass alle gut schlafen und gesund sind.

Ein Paar im Bett
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Vereinfacht gesagt seien Frauen angespannter, wenn Mann oder auch Kinder neben ihnen im Bett liegen. Männer dagegen schlafen laut Studien besser, wenn der jeweilige Partner mit im Bett liegt.

Unser Experte Dr. Hans-Günther Weeß ist Deutschlands bekanntester Experte der Schlafforschung. Er untersucht seit mehr als 20 Jahren alles zur Ruhepause und durch welche Faktoren die gestört werden kann. Hans-Günter Weeß leitet das Interdisziplinäre Schlafzentrum am Pfalzklinikum Klingenmünster und ist Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Zudem schreibt er regelmäßig Bücher über sein Lieblingsforschungsthema. Im November ist sein Buch "Schlaf wirkt Wunder – Alles über das wichtigste Drittel des Lebens" erschienen.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 09. Januar 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 11:33 Uhr

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