Während eines Konzerts der schwedischen Melodic-Death-Metal-Band ''Amon Amarth'' wird in Wacken (Schleswig-Holstein) auf dem Festivalgelände des Wacken Open Air ein Fan beim Crowd-Surfing auf Händen getragen.
Bildrechte: dpa

Otto, Bierpipeline und Blasmusik - Wacken ist mehr als nur Metal

200 Bands, seit knapp einem Jahr ausverkauft. Wacken, das weltweit größte Metalfestival, feiert 2019 sein 30-jähriges Bestehen. Wir schauen auf drei Jahrzehnte kuriose Bands, Massen an Bier, verrückte Fans und eine eingeschworene Gemeinschaft mit viel Charme und Spaß.

Während eines Konzerts der schwedischen Melodic-Death-Metal-Band ''Amon Amarth'' wird in Wacken (Schleswig-Holstein) auf dem Festivalgelände des Wacken Open Air ein Fan beim Crowd-Surfing auf Händen getragen.
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Die Wacken Story

Die knapp 800 Besucher, welche sich 1990 zum ersten Wacken Open Air, kurz W:O:A, ins beschauliche Dorf Wacken in Schleswig-Holstein verirrten, berappten damals gerade mal 12 Mark Eintritt. Dafür sahen sie sechs heimische Bands - die allerdings keiner wirklich kannte.

Mittlerweile ist aus diesem ambitionierten ersten Treffen das weltweit größte Metalfestival geworden. Einige werfen den Begründern eine gewisse Kommerzialisierung vor, andere haben einfach Spaß auf diesem ganz speziellen Event.

Zum 30-jährigen Jubiläum spielen nicht nur über 200 Bands, unter ihnen Slayer, Anthrax, Body Count feat. Ice-T und sogar The Boss Hoss, es gibt auch Lesungen, Filmvorführungen und erstmals die „Wacken Future Factory“. Dort diskutieren Fans, Musiker, Sponsoren und Experten über die Zukunft des Wacken Open Airs sowie die Verbesserung von z. B. Nachhaltigkeit und Inklusion beim W:O:A.

Das Wacken Open Air 2019 - es ist angerichtet

Festivalbesucher kommen in Wacken an. Ein Mann sitzt im Bollerwagen, ein anderer fährt das Dreirad, dass den Bollerwagen zieht, Rechts im Bild ein Rollstuhlfarer
Nichts hält den geneigten Metalfan vom Wacken ab. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Festivalbesucher kommen in Wacken an. Ein Mann sitzt im Bollerwagen, ein anderer fährt das Dreirad, dass den Bollerwagen zieht, Rechts im Bild ein Rollstuhlfarer
Nichts hält den geneigten Metalfan vom Wacken ab. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Vier Festivalbesucher sitzen auf klappstühlen vor einem Wohnwagen. Auf einem Schild vor ihnen steht: Trinkkurort Bad Promille, Landkreis Absturz.
Die professionelle Ausschilderung eines Festivals. So wichtig. Bildrechte: IMAGO / Eibner / Dirk Jacobs
Drei Festivalbesucher planschen in einer umgebauten, mit Holz verzierten Wanne auf dem Campingplatz. Sie ziegen die Pommesgabel und haben ein Bier in der Hand.
Festival und Körperhygiene schließen sich bei den zivilisierten Besuchern des Wacken Open Airs nicht aus. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Drei Männer springen in einen grünen Behälter voller Wasser. Ein Mann steht an der rechten Seite. Alle tragen Badesachen.
Am Donnerstag drückt noch die Hitze, ab Feitag folgen schon Unwetterwarnungen. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Drei Metalfans stehen vor dem Eingang des Wacken-Festival-Geländes. Sie tragen übergroße Sombreros.
Wacken 2019 - es ist angerichtet. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Ein Mann trägt ein regenbogenfarbenes Einhornkostüm zum Wacken-Festival.
Deathmetal hat viele Gesichter. Bildrechte: IMAGO / Eibner
Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes zeigt die Pommesgabel, trägt Helm und Ausrüstung. Er lacht in die Kamera.
Das Deutsche Rote Kreuz ist vorschriftsmäßig mit Helm und Pommesgabel ausgerüstet. Bildrechte: IMAGO / Eibner
Zwei Polizisten sitzen auf Quads und zeigen die Pommesgabel. Ein Fotograf steht vor Ihnen.
Pommesgabel ist hier Vorschrift! Bildrechte: IMAGO / Eibner
Ein Mann trinkt ein Getränk aus einer Metalldose.
Auch beim W:O:A gilt: Finger weg vom Alkohol! Bildrechte: IMAGO / Eibner
Eine Therapeutin massiert einer  Festivalbesucherin den Rücken. Diese sitzt auf einem Massagestuhl.
Die richtige Vorbereitung vor dem Moshpit. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Ein Mann mit Cowboystiefeln, Nietengürteln und langen blonden Haaren liegt auf einer Hantelbank und stemmt Gewichte.
Sport mit Style kannten Metallfans schon vor allen Influencern. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Ein Rettungssanitäter steht mit sienem Fahrrad im Bild links. rehcts sitzt Günter Jacob in seinem Rollstuhl.
Opa Günter Jacobs (70) ist ein Urgestein des W:O:A. Jetzt ist er auf besonderer Mission. Mit dem Rollstuhl und mit Hilfe seines Rettungssanitäters legt er die 483 km vom Festival "Rock am Stück" in Fritzlar (Nordhessen) bis zum Wacken zurück. Damit sammelt er Spenden für den Kampf gegen Krebs. Bildrechte: IMAGO / Eiber
Das Camp der Rendsburger Wacken Fans. Ein blauer großer Truck. Darum ein weißer Zaun. Auf Öltonnen ist ein Pappmachee Sarg mit zwei unechten Skelletten dahin.
Nicht alle der bekannten "Rendsburger Wacken Fans" haben die letzten Jahre unbeschadet überstanden. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
Eine Festivalbesucher mit Hut küsst einen anderen Mann mit weißem Bart und Sonnenbrille auf die rechte Wange.
Wahre liebe gibt es eben nur unter Metalfans Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
ein Mann kuschelt mit einem Kunststoffskelett.
Schon vor Festivalbeginn werden die ersten zarten Liebesbande geknüpft. Mögen sie für ewig halten. Bildrechte: IMAGO / T.Skupin Future Image
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 31. Juli 2019 | 19:10 Uhr

Kurioses

Den inoffiziellen Startschuss des Wacken Open Airs geben seit dem Jahr 2000 die kultigen Wacken Firefighters.

Sie sind der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wacken. Songs wie „Rosamunde“ oder der Costa-Cordalis-Hit „Anita“ werden von den Metalfans regelmäßig mit Moshpits gefeiert. 2019 ist der Auftritt auf Donnerstag, den 31. Juli, 17.30 Uhr gelegt.

Neben einer Metalchurch gibt es seit 2018 auch ein Gaming-Zelt. Dazu eine Supermarktkette, die eigens einen 2000 Quadratmeter großen „Metal Markt“ aus dem Boden stampft.

Auch der Ort Wacken hat sich verändert. Von findigen Einwohnern können die Festivalbesucher Gummistiefel oder selbstangesetzten Likör erwerben. Aber auch eine eigene Brauerei hat sich in Wacken angesiedelt. Was uns zum Bierverbrauch bringt...

Der liegt in Wacken weit über dem Durchschnitt der anderen deutschen Festivals. 5,1 Liter trinkt so ein Metalfan über die Zeit des Festivals. Daher gibt es seit 2017 eine ganz spezielle Versorgung mit dem Gerstensaft: Für das Wacken wird nun jedes Jahr eine eigene Bierpipeline verlegt.

Die perfekte Grundlage dafür bietet seit 2016 ein findiger Brotsommelier aus Unterfranken. In Zusammenarbeit mit den Machern des Festivals hat der „Wacken-Bäcker“ ein Brot aus Chips, Bratwurst und Bier im Angebot.

Rettungsdienste und die Polizei – eine besondere "Wackengeschichte"

Damit auf dem Festival alles in bester Ordnung ist, gibt es statt der sonst angesiedelten 3 Beamten knapp 300. Und die haben offensichtlich neben all dem Ernst und Anspruch, den ihre Aufgabe verlangt, immer den Blick für etwas Spaß. Das zeigen sie auch in ihrer eigenen Youtube-Serie.

Neben der Polizei arbeiten natürlich auch die Sanitäter ab Anfang des Aufbaus eng mit den Verantwortlichen zusammen, knapp 900 Einsatzkräfte waren es 2018.

Wunden der Metalheads, die sich nicht einfach nur mit einem Pflaster heilen lassen, werden von einem geschulten Seelsorge-Team betreut.

Kuriose Auftritte beim W:O:A

Die Auftritte der großen Stars sowie von Kultbands der Szene wie Rammstein, Motörhead, Volbeat, In Extremo oder Heaven Shall Burn werden gefeiert - echten Kultstatus und Aufsehen erregte das Wacken aber gern auch durch extrem kuriose Teilnehmer.

Seit 2004 gehört Mambo Kurt in diese Liste. Der selbsternannte Heimorgel-König nennt viele Festivals sein Zuhause. Seine lustigste Erinnerung jedoch ist die an seinen ersten Wacken-Auftritt. Von der Eskalation berichtet er auf der Homepage des Festivals.

2013 gab es viel Trubel um den Auftritt von Schlagerstar Heino. Er hatte auf einer CD den Song „Sonne“ von Rammstein gecovert. Und die Band rund um Sänger Till Lindemann, nie um einen Tabubruch verlegen, lud Heino kurzerhand zu ihrem Auftritt beim Wacken auf die Bühne ein. Er nahm an, die Fans waren zweigespalten, die Schlagzeilen sicher.

Im vergangenen Jahr rockte der damals 70-jährige Friesenkomiker Otto die Bühne. Highlight der Show: Zu „Zehn kleine Ottifanten“ flogen Plüschelefanten in die Menge. Aber auch Rock coverte der Comedian: Nach AC/DC hatte er auch die letzten Zweifler überzeugt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 31. Juli 2019 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2019, 16:38 Uhr

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