Großeinsatz der Polizei
Bildrechte: Colourbox

Betrugsmasche: Wie erkennt man falsche Polizisten?

08.03.2019 | 11:03 Uhr

Trickbetrüger geben sich als Polizisten aus und setzen ältere Menschen am Telefon unter Druck, verlangen Geld von Autofahrern und Tankstellenpächtern. Falsche Polizisten erbeuten so zuletzt mehrere zehntausend Euro. Im Zweifel sollte man den Dienstausweis verlangen und bei der Dienststelle nachfragen.

Großeinsatz der Polizei
Bildrechte: Colourbox

Kriminelle haben offenbar erkannt, dass sie mit dem Vertrauen von Menschen in die Polizei große Beute machen können: In Thüringen haben sich drei Männer am Telefon als Polizisten ausgegeben und vor angeblichen Verbrechern in der Nähe der Wohnung gewarnt. Laut Landespolizeidirektion Erfurt wurden die Angerufenen geben, mit Bargeld oder Wertsachen den angeblichen Dieben eine Falle zu stellen. So sollten diese auf frischer Tat ertappt werden. Die Lockmittel sollten auf Treppenabsätzen oder vor der Tür deponiert werden. Die Betrüger konnten so Beute im Wert von 300.000 Euro einsammeln. Spezialkräfte der Polizei konnten die Trickbetrüger Ende Februar festnehmen.

Nicht nur Rentner sind Ziele der Kriminellen

Auch in vielen anderen Bundesländern probierten in den letzten Wochen Betrüger die Polizisten-Masche. In Werder (Brandenburg) klopften falsche Polizisten an die Scheibe eines parkenden Autos und raubten Bargeld in vierstelliger Höhe. In Bremen stoppten Kriminelle mit Polizeikelle und Warnweste den Wagen eines Tankstellenpächters und wollten die Tageseinnahmen sehen. Zum Zählen setzte sich einer der Täter in sein eigenes Auto. Der 34-jährige Tankstellenpächter schöpfte zwar Verdacht, wurde aber mit Reizgas außer Gefecht gesetzt. Die Täter entkamen unerkannt. In München gab es innerhalb von drei Tagen mehr als 300 Fälle von falschen Polizisten. Die hatten vorrangig ältere Menschen am Telefon in Angst versetzt und so Geld und Wertsachen erbeutet. Erster Polizeihauptkommissar Patrick Martin von der Landespolizeidirektion Thüringen sagte MDR JUMP:

Erster Polizeihauptkommissar Patrick Martin von der LPD Thüringen
Bildrechte: Patrick Martin, Pressestelle LPD Thüringen

Da hat man schon den Eindruck, dass man ganz gezielt aus dem Telefonbuch älter klingende Vornamen rausgesucht und möglicherweise eine Liste angelegt hat und die dann computergeneriert anrufen ließ, in einem bestimmten Umkreis.

Ins Visier der Täter könnten aber auch jüngere Menschen geraten, die älter klingende Vornamen tragen und im Telefonbuch stehen.

Anrufen, Druck machen, abkassieren

Die Polizei Hamburg zeigt in einem Video, wie schnell und hart die Betrüger Opfer am Telefon unter Druck setzen und ihnen so gar keine Möglickeit für Nachfragen oder Misstrauen lassen.

Täter sprechen gut deutsch und kommen aus der Nähe

Die drei in Thüringen festgenommenen Trickbetrüger waren Deutsche, so die Landespolizeidirektion des Freistaates. Die Polizei geht davon aus, dass auch die anderen Betrüger mit der Polizistenmasche Deutsche sind oder zumindest einen Bezug nach Deutschland haben. Patrick Martin sagte:

50- und 100-Euro-Scheine aufgereiht
Bildrechte: Landespolizeidirektion Erfurt

Das ist ja auch ein Stück weit notwendig. Wir hatten auch schon Betrugsmaschen, wo selbst Rentner dann erkannt haben: Da ist irgendein Ausländer am Telefon, der spricht so komisch, nicht akzentfrei Deutsch oder spricht nicht unseren heimatlichen Dialekt und sind misstrauisch geworden.

Die Landespolizeidirektion geht zudem davon aus, dass die Betrüger auch auf Nähe zu den potentiellen Opfern achten:

Die Betrügerbanden müssen natürlich in der Lage sein, relativ schnell bei denjenigen zu sein, der sich am Telefon dazu eingelassen hat ihnen Geld zu übergeben. Das heißt die sind entweder hier ansässig oder quartieren sich hier irgendwo ein und haben Abholer hier vor Ort, wie wir das nennen.

Der Sprecher der Landespolizeidirektion rät, bei Anrufen mit der 110 im Display grundsätzlich misstrauisch zu sein. Offenbar verschleiern Betrüger mit Hilfe von Computersoftware ihre Telefonnummer und setzen auf die bekannte Notrufnummer.

Wir rufen nicht mit der 110 an. Die 110 ist bei uns ein anderer Apparat und der dient nicht zum rauswählen. Wenn die Polizei Sie anruft, wird höchstwahrscheinlich nicht die 110 im Display stehen.

Das rät die Polizei

Misstrauisch bleiben: Die Polizei erkundigt sich nicht nach Wertsachen, Bargeld oder Schmuck. Sie lässt sich all das auch nicht aushändigen.

Dienstausweis der Polizei in Sachsen-Anhalt (Stand 2013)
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Nach dem Ausweis fragen: Auf Bitte sind Polizisten verpflichtet, den Dienstausweis vorzuzeigen. Die Dienstausweise der Polizeibeamten sehen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen allerdings leicht unterschiedlich aus.

Rückversichern: Die zuständige Dienststelle vor Ort kennt ihre Kollegen und meist auch deren Einsätze. Die Nummer der Dienststelle findet man im Internet auf der offiziellen Seite der Behörde und speichert man am besten ins Handy. Die 110 sollte man für die Rückfragen aber nicht benutzen. So werden Notrufe blockiert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 08. März 2019 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 11:03 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP