Smalltalk? Es geht auch besser!

Fernsehprogramm, Wetter, Urlaubstipps – wenn wir mit Fremden sprechen, bleibt es meist bei eher belanglosen Themen. Doch das ist keine gute Idee, sagen Forscher jetzt.

Freunde sind im Gespräch
Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Gut, wenn man eine beste Freundin hat, oder einen besten Freund. Da kann man sich, wenn nötig, mal so richtig - sorry für die Ausdrucksweise - auskotzen. Das ist ja manchmal einfach nötig. Statistisch gesehen ziehen die Deutschen persönliche Gespräche solchen am Telefon vor. Fakt ist aber auch: Tiefgehende Gespräche führen wir normalerweise mit nur wenigen, ausgewählten Leuten.

Wenn wir uns dagegen mit Menschen unterhalten, die wir nicht gut oder gar nicht kennen, bleibt es normalerweise beim klassischen Small-Talk: das letzte Spiel der Roten Bullen, der kommende Urlaub im Harz, das Wochenendwetter im Eichsfeld. So etwas in der Art.

Wissenschaftler um den US-Verhaltensforscher Nicholas Epley von der  University of Chicago haben nun aber etwas Interessantes herausgefunden: Tiefsinnige und persönliche Gespräche, wenn man will kann man das Deep Talk nennen, machen uns glücklicher – und die Idee ist gar nicht so absurd, diese Gespräche auch mit wildfremden Menschen zu führen. Auch wenn man sich an speziell diesen Gedanken sicher erst einmal gewöhnen muss. 

Tests mit 1800 Probanden

In der Fachzeitschrift „Journal of Personality and Social Psychology“ berichtet die Gruppe von rund einem Dutzend Tests mit insgesamt 1800 freiwilligen Probanden. Diese wurden erst in Zweierteams eingeteilt – und diese dann wiederum in zwei Gruppen.

Die Hälfte der Leute sollte daraufhin mit ihrem Gegenüber zu eher oberflächlichen Themen diskutieren: „Was ist die beste Fernsehsendung, die Sie im letzten Monat gesehen haben?“ oder „Was denken Sie über das Wetter heute?“. Die andere Hälfte hatte wiederum deutlich dickere Bretter zu bohren: „Wofür sind Sie in Ihrem Leben am dankbarsten?“ oder „Können Sie beschreiben, wann Sie einmal vor einer anderen Person geweint haben?“ Teils konnten sich die Teams auch ihre eigenen tiefgründigen Fragen ausdenken.

Bei der Auswertung der gesammelten Daten zeigte sich nun ein faszinierender Effekt: Die Teilnehmer mit den gehaltvolleren Gesprächen empfanden diese als „weniger unangenehm“ und fühlten sich sogar „glücklicher“ und mit dem Gesprächspartner „verbundener“ als sie vorher vermutet hatten. Nun könnte man sagen: Ja gut, die haben halt einfach erwartet, dass es maximal schlimm wird. Aber das scheint bestenfalls ein Teil der Erklärung zu sein. Denn es stellte sich auch heraus, dass die Probanden eine tiefgründige Unterhaltung einer oberflächlichen vorzogen, nachdem sie beide Formen erlebt hatten.

Wir sind soziale Wesen

Bleibt die Frage: Warum neigen wir dann eigentlich zum Smalltalk, wenn Gehaltvolleres uns doch irgendwie viel besser tun würde? Die Sache hat sicherlich einen kulturellen Aspekt, das gilt auch für die aktuellen Forschungsergebnisse. Und dann ist es offenbar auch so, dass wir andere Leute als Gesprächspartner tendenziell unterschätzen: „Die Menschen glauben offenbar, dass sie mit leeren Blicken und Schweigen konfrontiert würden, wenn sie in einem Gespräch etwas Bedeutungsvolles und Wichtiges über sich preisgeben“, sagt Epley.

Sein Fazit jedenfalls können wir uns merken: „Tiefgründige Kontakte zu anderen machen die Menschen glücklicher.“ Wir sind einfach soziale Wesen. Und ein Ausdruck dafür sind unsere Gespräche. Wenn wir anderen eine Chance dazu geben, überraschen sie uns vielleicht. Das Ergebnis wären „wesentlich bessere Gespräche“, so der Forscher. Und wir würden Unterhaltung zufriedener und glücklicher aus der Unterhaltung gehen.

"Jetzt wo die Pandemie abklingt und wir alle wieder miteinander reden, könnte das Bewusstsein, dass andere auch gerne sinnvolle Gespräche führen, dazu führen, dass man weniger Zeit mit Smalltalk verbringt und dadurch angenehmere Interaktionen hat.“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 09. Oktober 2021 | 06:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP