Sigmund Jähn im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln
Bildrechte: IMAGO

"Der Alexander ist ein kluger Bursche und ein reifer Mann" Weltraumpionier Sigmund Jähn beim Start in Baikonur dabei

06.06.2018 | 15:38 Uhr

Alexander Gerst hat zum Start seiner zweiten ISS-Mission eine Legende nach Kasachstan eingeladen. Sigmund Jähn flog von dort vor 40 Jahren als erster Deutscher in den Kosmos. Für ihn ist sein Nachfolger einer der „besten Raumfahrer“. MDR JUMP hat den DDR-Weltraumpionier getroffen.

Sigmund Jähn im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln
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"Jemanden, der nicht unmittelbar beteiligt ist, dorthin einzuladen. Das bringen nicht viele fertig", sagt Sigmund Jähn (81) über Alexander Gerst (42). Er freut sich hörbar über die Einladung des heutigen Astronauten zur Startrampe in Baikonur in Kasachstan.

Erster Deutscher im All

Von der Plattform auf dem Weltraumbahnhof ist auch schon Raumfahrtpionier Juri Gagarin in den Kosmos gestartet. Auch Sigmund Jähn, Kampfpilot aus Sachsen, begann von Baikonur aus seinen historischen Flug ins All. Der DDR-Kosmonaut startete im August 1978 mit einer Sojus, einem Vorvorgänger der aktuellen Version. Für Sigmund Jähn ist es wenig überraschend, dass der Technikansatz der Russen mit Träger-Rakete und Kapsel immer noch funktioniert. Er sagte im MDR JUMP-Interview:

Es hat sich gezeigt, dass die Russen da richtig lagen: Nicht alles überziehen, nicht alles neu bauen. Von den Shuttles wurden nur ein paar Maschinen gebaut. Zwei sind kaputt gegangen und 14 Menschen sind gestorben.

„Er hat den Anstecker von unser Mission irgendwo in Sibirien gefunden“

In sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten umrundete der Weltraumpionier aus Sachsen 125 Mal die Erde und besuchte die sowjetische Raumstation Saljut 6. Sie gilt als Vorvorgänger der ISS. Schon während der Mission von Sigmund Jähn und seinem sowjetischen Kommandanten Valerij Bykowski zeigte das DDR-Fernsehen Sondersendungen mit Live-Schaltungen ins Weltall. Nach seiner Landung wurde Sigmund Jähn mit Orden und Ehrungen förmlich überhäuft. Gedenkstücke von der Mission gibt es offenbar noch immer zu kaufen, wundert sich Sigmund Jähn:

Auf einer Fahrt nach China hat Alexander Gerst in Sibirien in einem kleinen Laden ein kleines Abzeichen von unserem Flug gekauft. Wo Bykowski und Jähn drauf stand. Das hat er mitgenommen in den Weltraum und unterschrieben und ein Foto gemacht. Das hat er mir auf den Computer geschickt. Das hat mich wirklich bewegt.

Für seinen Nachfolger hat Weltraumpionier Jähn nur lobende Worte. Der erste deutsche ISS-Kommandant sei ein "kluger Bursche und ein reifer Mann".

Enorme Anspannung beim Start

ESA-Astronaut Alexander Gerst im Raumanzug
Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Er sei froh, wenn es endlich losgeht. Das hat Alexander Gerst vor dem Start am 6. Juni immer wieder gesagt. Für das stundenlange Warten auf der Startrampe hat er sich aus Vorschlägen von Twitter-Nutzern extra eine eigene Musik-Playlist zusammengestellt.

So etwas gab es damals bei Sigmund Jähn natürlich nicht. Der 81-jährige erinnert sich aber auch an die enorme Anspannung vor dem Start nach monatelangen Vorbereitungen. Aber die Mühen und Anstrengungen waren es wert. Noch heute erinnert sich der Sachse an die unendlichen Weiten im All, die Schwerelosigkeit und die in leuchtendes Blau gehüllte Erde. Dort oben war alles Unwichtige ganz weit weg, sagt sich der DDR-Kosmonaut:

Ich verwünsche diese Welt, die auf Kriegen aufbaut und sich gegenseitig beschimpft. Die Menschheit müsste endlich mal so weit sein und die Waffen abschaffen. Auf der Erde gibt es doch ganz andere Probleme.

Weltraumpionier aus Morgenröthe-Rautenkranz • Sigmund Jähn wurde am 13. Februar 1937 als Sohn eines Sägewerkarbeiters geboren.
• Der gelernte Buchdrucker wurde bei der Nationalen Volksarmee (NVA) einer der ersten Düsenjägerpiloten der DDR.
• Jähn war einer von 30 Kosmonauten-Kandidaten für ein neues Raumfahrtprogramm der Sowjetunion und machte nach zweijähriger Ausbildung das Rennen.
• Am 26. August 1978 brach der DDR-Bürger ins All auf.
• Bei seiner Rückkehr auf die Erde überschlug sich die Kapsel mehrmals, Sigmund Jähn wurde an der Wirbelsäule verletzt.
• Heute lebt der zweifache Vater mit seiner Frau in Strausberg nahe Berlin.

Mehr zur zweiten ISS-Mission von Alexander Gerst

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 06. Juni 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2018, 15:38 Uhr

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