Köthener Senior lebt seit einem Jahr feiwillig ohne Führerschein

09.01.2019 | 12:56 Uhr

Ist man auch im hohen Alter fit genug, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Immer wieder wird diskutiert, ob Senioren ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr sind. Manche fordern deshalb eine zusätzliche Führerscheinprüfung für Senioren. Werner Hödicke aus Köthen wollte so lange nicht warten.

Führerscheine hat der 79-jährige Werner Hödicke aus Köthen eine Menge. "Da habe ich den Internationalen Führerschein, den französischen Führerschein und dann habe ich noch den DDR-Führerschein", erzählt Rentner Hödicke im MDR JUMP-Interview. Doch inzwischen liegen nur noch schwarz-weiß Kopien der Führerscheine vor ihm. Die Originale hat Hödicke vor einem Jahr an die Führerscheinstelle zurück gegeben.

Rentner Hödicke aus Dessau gibt freiwillig seinen Führerschein ab
Bildrechte: MDR JUMP

Was muss den Leuten durch den Kopf gehen wenn sie mitbekommen, dass es Unfälle gibt bei denen einen Familie mit Kindern zu Schaden kommt, nur weil im Alter von vielleicht siebzig Jahren noch einen Führerschein haben muss.

Fast sechzig Jahre hatte Hödicke bis dahin einen Führerschein und ist nach eigenen Angaben sicher gefahren. Punkte in Flensburg oder ein Unfall - für Hödicke angeblich nie ein Thema gewesen. Die Mitarbeiter der Führerscheinstelle staunten nicht schlecht, als er ihnen seine Dokumente präsentiert hat. "So etwas ist da noch nicht vorgekommen", ist sich der Rentner sicher.

"Für den letzten Weg braucht man keinen Führerschein"

"Wenn wir uns die Kilometer-Fahrleistung anschauen und darauf das Unfallgeschehen projizieren dann sehen wir tatsächlich, dass Senioren ab dem 75. Lebensjahr ein gleichhohes Risiko haben in einen tödlichen Unfall oder in einen Unfall mit Verletzten verwickelt zu werden, wie junge Fahranfänger", erläutert Siegfried Brockmann, Geschäftsführer des Verbandes der Versicherungswirtschaft, im MDR JUMP-Interview. Brockmann fordert deshalb verpflichtende Beratungsgespräche für Autofahrer ab 75 Jahren.

Mit den Einwänden zur Unfallstatistik konfrontiert, sagt Verkehrsminister Scheuer: "Wir haben an den Unfallzahlen keine Auffälligkeiten." Er wisse, dass seit Jahrzehnten immer wieder in Wellenbewegungen diskutiert werde, ob Senioren Eignungstests machen sollten, und das am besten verpflichtend.

Und da sage ich: Nein. Ich setze auf die Eigenverantwortung.

Um die eigene Fitness zu testen, könne jeder Ältere zu seinem Hausarzt gehen und sich durchchecken lassen. "Wir empfehlen ja auch diese Fitnesstests." Senior Hödicke aus Köthen hat die Abgabe seiner Führerscheine nicht bereut: "Ich komme auch jetzt überall hin". Mit seiner Aktion wolle er vielmehr ein Vorbild für andere ältere Menschen sein.

Ich stehe auf dem Standpunkt, man braucht den Führerschein nicht bis zum Schluss. Auf dem letzten Weg wird man gefahren, da braucht man keinen Führerschein.

Quellen: mdr/dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 09. Januar 2020 | 15:40 Uhr

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