Schweine-Schutzzaun zu Polen – Was soll der bringen?

Für Menschen ist sie ungefährlich, für sämtliche Schweinerassen hochansteckend und tödlich: Die Afrikanische Schweinepest ist vor allem für die Landwirtschaftsbetriebe bei uns in der Region eine Gefahr. Ein Zaun an der Grenze zu Polen soll nun das Vordringen der Seuche stoppen. Kann das klappen?

19.06.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Kaliss: Wildschweine stehen in einem Wildgatter.
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Ein Europa ohne Mauern und Zäune – das war und ist das Ziel der Europäischen Union. Viel zu lange war der Kontinent ja in Ost und West geteilt. Kaum irgendwo hat man das vor 1989 so intensiv erlebt wie bei uns in der Region. Inzwischen ist das lange her, auch unsere Nachbarn in Polen und Tschechien sind längst Mitglied in der EU und im Schengen-Raum. Und doch entsteht gerade wieder ein Zaun an der deutschen Grenze. Er soll dafür sorgen, dass die Afrikanische Schweinepest nicht weiter nach Deutschland vordringt.

Diese Seuche ist für sämtliche Schweinerassen hochansteckend und tödlich. Der Erreger wird direkt von Tier zu Tier übertragen - oder indirekt über Gegenstände, an denen das Virus anhaftet. "Das Virus ist hochresistent bei niedrigen Temperaturen und kann bis zu sechs Monate in ungekochten Schweinefleischprodukten und mehrere Jahre im Frost überleben", warnt das Sächsische Sozialministerium.

Für Menschen ist die Schweinepest ungefährlich, aber für die Schweinezucht eine drohende Katastrophe. Bereits jetzt haben zahlreiche Länder erklärt, dass sie kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland einführen. Schuld ist der Nachweis der Afrikanischen Schweinepest im September zunächst in Brandenburg, Ende Oktober dann auch in Sachsen.

Auch im Boden vergraben

Übertragen wird die Krankheit von infizierten Wildschweinen. Und die Idee hinter dem Zaun: Bisher ist die Afrikanische Schweinepest vor allem im Osten Europas aufgetreten. Wenn ein Wildschwein mit dem Erreger infiziert ist, kann es leicht von Polen nach Deutschland wandern. Die Tiere kennen ja keine Grenzen. Der Zaun sollte das ändern – und damit das Risiko bei uns senken.

Genau genommen sollten sogar zwei Zäune gebaut werden, auf beiden Seiten der Grenze. Doch zunächst passierte nur wenig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium machte dafür die polnische Seite verantwortlich. Die Zusammenarbeit mit Warschau sei "schwierig“, Polen habe "sich vorerst gegen einen Zaunbau entschieden".

An der deutsch-polnischen Grenze bei Krauschwitz wird ein fester Zaun gebaut, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern.
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Auf deutscher Seite zumindest wurde dennoch gebaut, so etwa 60 Kilometer verzinkter Drahtzaun in Mecklenburg-Vorpommern, 1,50 Meter hoch und 30 Zentimeter in die Erde eingelassen. Das soll dabei helfen, dass sich die Tiere nicht unter der Barriere durchwühlen. Auch Brandenburg und nun Sachsen bauen einen festen Zaun. Die Arbeiten an der Grenze zu Polen haben gerade bei Bad Muskau an Neiße begonnen. Koordiniert werden sie durch das Technischen Hilfswerk (THW), aber auch die Bundeswehr und die Landestalsperrenverwaltung sind beteiligt.

Rehe und Hirsche können drüberspringen

Die etwa einen Meter hohe Barriere soll so konstruiert sein, dass Rehe und Hirsche sie überspringen können. Zuvor hatte es in der betroffenen Region bereits einen Elektrozaun mit Flatterband gegeben. Dieser hatte das Problem aber nicht komplett lösen können, auch weil mobile Zäune dem Druck flüchtender Wildschweine nicht standhalten. Sachsens Sozialministerin Petra Köpping sagt nun:

Ich hoffe, dass wir auch diese Krise schnell und gut in den Griff bekommen.

Oberstes Ziel sei es, dass die Tierseuche nicht weiter nach Sachsen eindringe. Einen Hinweis darauf, dass so ein Zaun tatsächlich funktionieren kann, gibt es schon. Dänemark hat schon Ende 2019 seinen Schutzzaun entlang der deutschen Grenze fertiggestellt. Und bis heute gibt es keinen Fall der Schweinepest in dem skandinavischen Land.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 11. November 2020 | 14:00 Uhr

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