Dürfen Lehrer störende Schüler aus dem Unterricht werfen?

21.06.2019 | 09:00 Uhr

Ab wann gibt es Hitzefrei? Dürfen Lehrer ihre Schüler einfach so vor die Tür schicken? Hat man ein Recht darauf, sich die Schule aussuchen zu dürfen? Ein Experte für Schulrecht klärt auf.

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
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Habe ich Anspruch auf eine Wunschschule?

Schulrechtsexperte Dr. Thomas Böhm sagt ganz klar: "nein". Es gibt einen Anspruch auf die Schulart. Also wenn du dein Kind (mit entsprechenden Noten) auf ein Gymnasium schicken willst, dann hat es auch einen Anspruch auf einem Platz an einem Gymnasium. Auf ein bestimmtes Gymnasium gibt es allerdings keinen Anspruch.

Aber da gibt es auch kleine Schlupflöcher. Wenn die Wunschschule die Kapazität hat, dein Kind aufzunehmen, dann wird sie das auch tun, erklärt Dr. Thomas Böhm. Die Frage nach dem Anspruch stellt sich vor allem, wenn die Wunschschule eigentlich keine freien Kapazitäten hat. Und da sagt der Experte: Es besteht ein Recht auf die Schulform, aber nicht auf die Schule.

Wann gibt es Hitzefrei?

Das ist in den unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlich geklärt. Unter anderem wird da nach Jahrgangsstufen differenziert. Schüler in der Sekundarstufe II müssen teilweise sogar ganz ohne Hitzefrei auskommen. In der Grundschule richtet es meistens nach den Temperaturen, ob es Hitzefrei gibt, oder nicht. Einige Regelungen sähen auch vor, erklärt Schulrechtsexperte Böhm, dass Schulleiter entscheiden, ob der Unterricht noch zumutbar ist oder nicht.

Darf ein Lehrer während der Klassenarbeit Schülern den Gang zur Toilette verwehren?

Kurzum, ja. Der Lehrer, der die Klassenarbeit beaufsichtigt muss entscheiden, ob er dem Schüler, der auf Toilette will glaubt, dass der auch wirklich muss und nicht nur seinen Spickzettel aus der Socke holen will.

Wenn ein Schüler gleich zwei- oder dreimal zur Toilette will, dann wird der Lehrer das sicher unterbinden, weil er geradezu fühlen kann, dass andere Motive vorliegen.

Und wie ist es während des normalen Unterrichts?

Auch da darf der Lehrer dem Schüler den Toilettengang verwehren. Rechtlich geht das, weil Schüler sich nicht selbst von der Anwesenheitspflicht im Unterricht entbinden können.

Einfach aufstehen und aus dem Klassenzimmer gehen, geht nicht.

erklärt Schulrechtsexperte Thomas Böhm. Der Lehrer müsse einschätzen, wie oft der Wunsch geäußert wird, ob der Schüler glaubwürdig erscheint, ob der Unterricht gestört wird und welche Situationen entstehen könnten. Auf dieser Basis entscheidet er dann, ob der dem Schüler erlaubt, auf Toilette zu gehen oder nicht.

Darf ein Lehrer störende Schüler vor die Tür setzen?

Das ist eine zulässige erzieherische Maßnahme.

erklärt Thomas Böhm. Der Lehrer muss den reibungslosen Ablauf des Unterrichts gewährleisten, weil die anderen Schüler da einen Rechtsanspruch drauf hätten. Dabei muss er als Lehrer aber auch bedenken, wie sich der "Rauswurf" eines Schülers auf den Unterricht auswirkt. Außerdem muss sichergestellt sein, dass der rausgeworfene Schüler beaufsichtigt wird.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 22. Juni 2019 | 08:10 Uhr

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