Ein Formular der Schufa mit dem Titel "Bonitätsauskunft"
Bildrechte: IMAGO

Wie verlässlich sind die Schufa-Scores?

29.11.2018 | 15:31 Uhr

Ohne Schufa-Score gibt es keinen Handyvertrag und keinen Kredit. Doch die Bewertungen scheinen nicht so zuverlässig zu sein, wie es die Schufa vorgibt. Manch einer wird sogar unverschuldet zum Risikofall erklärt.

Ein Formular der Schufa mit dem Titel "Bonitätsauskunft"
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Wie die Schufa zu ihren Bewertungen kommt, ist ihr gut gehütetes Geheimnis. Eine Rechercheverbund von BR, Spiegel und der Open Knowledge Foundation hat sich von Tausenden Menschen die Selbstauskünfte schicken lassen und diese dann ausgewertet. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Unverschuldet zum Risikofall

So fanden die Journalisten heraus, dass einige Personen schlechte Bewertungen bekommen, ohne negative Merkmale aufzuweisen. Der Journalist Arne Semsrott, der an der Recherche beteiligt war erklärt:

Es gibt viele, die haben gar keine Zahlungsausfälle, die haben keine Probleme mit Krediten und trotzdem haben sie einen schlechten Score.

Der Schufa-Algorithmus, mit dem die Scores berechnet werden sei kaputt, schreibt die Open Knowledge Foundation.

Dabei werden die Scores auf bis zu zwei Nachkommastellen angegeben. Oft reiche die Datenbasis aber nicht, um solch genaue Aussagen zu treffen. Über fast ein Viertel der Personen im OpenSchufa-Datensatz hat die Schufa maximal drei Informationen aus dem Wirtschaftsleben gespeichert. Statistische Fehlerbereiche fehlen in den Auskünften.

Diskriminiert die Schufa?

Möglicherweise diskriminiert die Schufa also manche Gruppen. So seien laut der Recherche junge Männer oft schlechter gestellt, erklärt Arne Semsrott.

Wir haben Hinweise darauf, dass vor allem das Alter und das Geschlecht durchaus einen Einfluss haben, also Faktoren auf die man keinen Einfluss hat.

Außerdem gebe es verschiedene Versionen der Bewertungen, die sich teilweise stark unterscheiden.

Experten fordern mehr Transparenz

Die Schufa steht schon lange für ihre Intransparenz in der Kritik. Bisher hat das aber wenig gebracht. Jeder kann zwar bei der Schufa Auskunft über seinen Score anfordern und falsche Angaben berichtigen lassen. Das sei aber ein langwieriger Prozess, meint Arne Semsrott:

Die Schufa untergräbt das auch ein bisschen.

Das Projekt OpenSchufa arbeitet unterdessen weiter daran, den Schufa-Algorithmus zu entschlüsseln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 29. November 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 15:31 Uhr

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