Darum sollte man Schokolade nicht im Kühlschrank lagern

Bei Käse und Rotwein killt Kälte die Aromen – und bei Schokolade ist es ganz ähnlich. Also, überlegt gut, wie ihr Eure Naschereien am besten aufbewahrt.

Zwei Hände brechen Schokolade von einer Tafel ab
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Lee S. Berk ist sich sicher: Schokolade ist gesund. Und das liegt nicht daran, dass er besonders gern welche isst – das wissen wir nicht – oder etwa verkauft. Berk ist Gesundheitswissenschaftler an der Loma Linda University im US-Bundesstaat Kalifornien. Und dort hat er den Effekt von Schokoladenkonsum streng wissenschaftlich erforscht.

Dabei kam er zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen zu dem Schluss, dass zumindest dunkle Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao-Anteil tatsächlich dabei hilft, Stress zu reduzieren. Positive Auswirkungen der Nascherei gibt es demnach auch auf Entzündungen, das Gedächtnis und die Abwehrkräfte. Hintergrund sind die im Kakao enthaltenen Flavonoide, die als extrem starke Antioxidantien und damit entzündungshemmende Mittel wirken.

Und weil wir hier in Deutschland uns ja gern gesund halten, liegen wir europaweit immerhin auf Platz zwei beim Schokoladenverbrauch, direkt hinter – ihr habt es geahnt – der Schweiz. Pro Jahr und Bundesbürgerin oder -bürger werden demnach satte 9,2 Kilogramm verputzt. Das sind statistisch also fast zwei Tafeln die Woche. In der Pandemie stieg der Verbrauch sogar noch mal.

Aromen sind sensibel

Wo das jetzt alles geklärt ist, stellt sich eine Frage: Wie bewahrt man die Schätze am besten auf, bevor man sie isst? Auf jeden Fall besser nicht im Kühlschrank, sagen Experten wie der neuseeländische Schokoladenkenner Luke Owen Smith. Der Grund: Das schadet dem Aroma der Schokolade. Dieses kann sich nämlich, so sagt Smith, am besten bei 15 Grad entfalten. Man kennt das Prinzip von Käse oder Rotwein – auch hier lassen zu niedrige Temperaturen die Aromen nicht zur Geltung kommen und versauen so den Genuss.

„Aber keine Sorge, auch wenn es bei euch daheim ein paar Grad wärmer oder kälter ist, das nimmt euch die Schoki nicht gleich übel. Sie lässt sich auch an etwas kühleren oder kuschligeren Orten aufbewahren“, erklärt der Schokoladenhersteller Ritter Sport. Er warnt vor allem vor Temperaturschwankungen. Wenn eine Schokolade schmilzt und wieder abkühlt, bildet sich nämlich eine leicht weißliche Verfärbung auf der Oberfläche, „Fettreif“ genannt. Die ist zwar gesundheitlich unbedenklich, aber nicht besonders schön anzusehen. Wenn die Schokolade den Prozess mehrfach durchmache, altere sie schneller: „Stark wechselnde Temperaturen solltet ihr also dringend vermeiden, denn sonst schmeckt selbst die beste Schokolade irgendwann nicht mehr.“

Beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) heißt es, die optimale Wohlfühltemperatur für Schokolade liege zwischen 12 und 18 Grad. Im Kühlschrank bröckele die Süßigkeit nämlich und verliere ihren Glanz. Bei der Aufbewahrung sei zudem darauf zu achten, dass die Nascherei trocken und geruchsneutral gelagert werden muss. In der Nähe stark riechender Lebensmittel nehme sie sonst deren Gerüche an. Das gelte vor allem für weiße Schokolade.

Schnell weg damit!

Der Kühlschrankhersteller Liebherr sieht die Dinge etwas differenzierter. Hier heißt es: „Wird Schokolade in der Verpackung aufbewahrt, kann sie bei jeder Temperatur und Feuchtigkeit im Kühlgerät ohne Einbußen an Geruch und Geschmack – auch über Monate – problemlos gelagert werden.“ Wenn die Verpackung offen ist, wird allerdings auch hier die Nutzung eines luftdichten Behältnisses empfohlen, „um keine Fremdgerüche aufzunehmen“.

Die Firma berichtet von Tests. Diese hätten ergeben, dass bei einem Vergleich zwischen der Lagerung bei Raum- und Kühlschranktemperaturen frühestens nach drei Monaten, bei empfindlicher Schokolade wie Trüffel und frühestens nach sechs Monaten bei „normaler“ Schokolade wie Vollmilch Veränderungen erkennbar geworden seien. Am besten sei es freilich, heißt es augenzwinkernd weiter, die Schokolade nicht allzu lange zu lagern - sondern bald nach dem Einkauf zu essen.

Das gilt vor allem im Sommer. Denn an hitzetauglicher Schokolade beißen sich Forscher seit Jahrzehnten im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne aus. Das liegt daran, dass dann die Schokolade nicht mehr im Mund schmilzt, sondern zerkaut werden muss wie Brot – und das mag ja auch keiner.

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