"Schlafbaustellen": Warum Baustellen oft menschenleer wirken

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, kommt um Baustellen nicht herum. Oft entdeckt man beim Vorbeifahren aber niemanden, der tatsächlich dort arbeitet. Wir haben nachgefragt, wie die sogenannten Schlafbaustellen entstehen.

Warnhinweis Spurwechsel an einem Fahrzeug der Autobahnmeisterei auf der Autobahn A4 bei Regen
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Viele Staus entstehen durch Baustellen. Doch während des stockenden Verkehrs entdeckt man oft weit und breit keinen Bauarbeiter, der auch an ihnen arbeitet. Unsere Hörerin Maria erzählt uns, dass sie auf ihrem Weg zur Arbeit an insgesamt acht Baustellen vorbeifährt. Im Dresdner Stadtteil Dobritz sei das für sie dabei am unverständlichsten.

Ich verstehe nicht, warum die dort eine Baustelle hingesetzt haben. Da sehe ich weit und breit keinen Bauarbeiter.

Vielzahl von Gründen, warum Baustellen oft leer wirken

Doch das liegt nicht an faulen Arbeitern, sondern hat oft technische oder betriebliche Gründe, wie uns Thorsten Rietbrock, der stellvertretende Sprecher von der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Ost, erklärt. Es gäbe Phasen, in denen auf den Baustellen insgesamt einfach wenig passiere.

Wenn zum Beispiel eine Betondecke gerade frisch gegossen wurde, benötigt sie mehrere Wochen, um vollständig auszuhärten und richtig belastbar zu sein.

Außerdem ist die Arbeit auf einer Autobahnbaustelle stark vom Wetter abhängig. Starkregen, zu hohe oder zu niedrige Temperaturen können die Arbeit hier verzögern. Frischer Asphalt kann zum Beispiel bei Nässe nicht verlegt werden – dann werden die Arbeiter oft zu anderen Baustellen geschickt, auf denen wetterunabhängigere Arbeiten anstehen. Ist der Asphalt einmal verlegt, muss er erstmal aushärten. Bei Fahrbahndecken aus Beton steht der Betrieb sogar noch deutlich länger still.

Meldestelle für sogenannte "Schlafbaustellen"

Gegen die sogenannten Schlafbaustellen wollte der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vor einigen Jahren schon etwas unternehmen: Autofahrer sollten seinem Ministerium Baustellen melden, auf denen nichts passiere. Daraufhin lieferten die Länder eine Vielzahl von Gründen, warum die Bauarbeiten stockten – darunter auch Terminprobleme mit Baufirmen oder schlechte Baustellenorganisation. Ramsauers Ministerium räumte aber schließlich ein, dass es bei bestehenden Baustellen eigentlich gar keine Möglichkeit gäbe noch nachträglich einzugreifen.

Ein sogenanntes "Bonus-Malus-System" kann aber Abhilfe schaffen: Wenn eine Baufirma schneller als ursprünglich im Vertrag festgelegt mit den Arbeiten fertig wird, winkt ihnen eine Zulage. Brauchen sie länger als vereinbart, wird ihr Honorar gekürzt. Laut dem ADAC kann es so möglich sein, Stau an Baustellen zu reduzieren.

Es gibt also oft gute Gründe dafür, dass auf Baustellen wenig Betrieb herrscht. Ganz ohne Baustellen wird es aber wohl nie gehen. Daher bleibt nur abzuwarten und darauf zu hoffen, dass bald wieder freie Fahrt möglich ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 18. August 2021 | 06:20 Uhr

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