RS-Virus: Kinderkliniken stoßen an ihre Grenzen

Das RS-Virus sorgt gerade dafür, dass sich viele Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen. Eigentlich treten die Viren in jedem Jahr auf. In diesem Jahr ist die Welle aber früher und stärker als sonst. Eltern können ihre Kinder aber mit einfachen Hygienemaßnahmen schützen.

ILLUSTRATION - Eine Kinderärztin begrüßt in einer Kinderarztpraxis eine Mutter und ihren kleinen Sohn (gestellte Szene).
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Viele Kinder sind gerade mit dem sogenannten RS-Virus infiziert. Dass diese Viren aktuell auftreten, wäre allein kein Grund zur Sorge. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres infiziert sich eigentlich fast jedes Kind mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), so das Robert-Koch-Institut. Doch seitdem die Corona-Schutzmaßnahmen immer weiter gelockert wurden, häufen sich auch die Fälle. Nun kursiert das Virus deutlich früher als sonst. Diese vermehrten Ansteckungen führen nun dazu, dass viele Kinderkliniken an ihre Grenzen stoßen, erklärt uns Professor Wolfgang Schütte, Präsident des Krankenhausverbandes Sachsen-Anhalt.

Das RS-Virus ist üblicherweise nicht besonders gefährlich bei Kleinkindern. Bei Säuglingen kann es aber durchaus zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die dann eine stationäre Aufnahme erforderlich machen. Diese Situation haben wir zum Beispiel im südlichen Sachsen-Anhalt, dass viele kleine Patienten in Krankenhäuser müssen.

Nicht so gefährlich wie Coronavirus

Der Chefarzt der Klinik für Kinder-und Jugendmedizin in Dessau, Stefan Fest, erklärte am Mittwoch, dass seit September im Schnitt 25 Prozent der Betten mit RS-Virus-Fällen belegt sei. Das seien deutlich mehr Fälle als im Vergleich zu den Vorjahren. Der Arzt gab jedoch auch Entwarnung und beschrieb das Virus als weniger gefährlich im Vergleich zum Coronavirus. Eine Infektion mit dem RS-Virus lasse sich laut ihm gut behandeln, nach einer Woche hätten die Kinder die Krankheit meist überstanden.

Grundimmunität fehlt

Sicherheitsabstand, das Tragen von Masken und das Einhalten von Sicherheitsabständen haben viele Infektionswellen stark verringert. Durch die Maßnahmen gab es so auch deutlich weniger Grippe- und Norovirus-Infektionen. Davon könnte auch die aktuelle RS-Virus-Welle beeinflusst worden sein. Laut Professor Schütte könnte das vermehrte Auftreten der Atemwegserkrankungen an der fehlenden Grundimmunität liegen.

Es könnte sein, dass durch die Kontaktbeschränkungen durch Corona doch die Infektionsrate, die sonst immer da ist, zurückgedrängt wurde und, dass jetzt ein sogenannter Rebound-Effekt kommt. So kriegen die nicht-erkrankten Kinder die Krankheit schneller und intensiver, weil keine Immunität vorliegt.

Wie kann ich mein Kind schützen?

Eine Infektion mit RS-Virus komplett zu verhindern, ist laut dem RKI eher schwierig. Wichtig seien jetzt vor allem die üblichen Hygienemaßnahmen, um eine Weiterverbreitung zu minimieren. Also, das, was wir ohnehin schon kennen: Hände waschen, Reinigung von Spielzeug oder Abstand zu kranken Kindern. Einigen Dingen könne man aber nicht immer aus dem Weg gehen, so Professor Schütte.

Das ist ähnlich wie bei jeder Erkrankung. Kontakt minimieren, also vielleicht auf einen Kindergeburtstag verzichten, wo schon drei Kinder krank sind. Aber im Alltag lässt sich natürlich nicht alles vermeiden.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, sein Kleinkind mit einer RSV-Prophylaxe vorbeugend zu schützen. Diese Spritze wird vor allem für gesundheitlich gefährdete Säuglinge und Kleinkinder empfohlen, erklärt Dr. Tanja Brunnert, Kinder- und Jugendärztin, im Gespräch mit der Apotheken-Umschau. Das sogenannte „Immunglobulin“ verhindere die Infektion zwar nicht hundertprozentig, könne aber die Dauer des Krankenhausaufenthaltes signifikant senken – für die Ärztin sei das ein wichtiger Erfolg.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 29. Oktober 2021 | 19:10 Uhr

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