Corona-Pandemie RKI: Bis zu zehn Millionen Infizierte, wenn Maßnahmen nicht greifen

In ganz Deutschland gelten inzwischen umfassende Vorsorgemaßnahmen, die helfen sollen, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Das Robert-Koch-Institut weist nun darauf hin, dass man erst am Anfang der Pandemie stehe. Alle Menschen müssten jetzt dizipliniert sein.

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts
Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, wendet sich mit einem eindringlichen Appell an Politik, Medizin und Bevölkerung. Bildrechte: MDR

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat sich in seinem morgendlichen Briefing zur Corona-Pandemie mit einem eindringlichen Appell an Kommunalpolitiker, Mediziner und die Bevölkerung gerichtet.

Distanz zu anderen Menschen unerlässlich

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, wenn die jetzt getroffenen Maßnahmen nicht eingehalten beziehungsweise umgesetzt würden, könne der exponentielle Anstieg der Fallzahlen nicht gestoppt werden. Wieler sagte mit Blick auf jeden und jede Einzelne: "Wenn wir es nicht schaffen, die Kontakte über einige Wochen erheblich zu reduzieren, dann haben wir bis zu zehn Millionen Infizierte."

Mit Stand Mitternacht hat es in Deutschland den RKI-Zahlen zufolge 8.198 Coronafälle gegeben und damit 1.042 Fälle mehr als am Vortag. Zu den zwölf Todesfällen sei keiner hinzugekommen. Wieler betonte, man befinde sich erst am Anfang der Pandemie, die noch viele Wochen und Monate dauern werde. Alle müssten darauf achten, einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einzuhalten. Das Virus werde nur von Mensch zu Mensch übertragen.

Keine Einschränkungen für zwei Jahre

Seine Aussage vom Vortag zur Dauer der Pandemie sah Wieler medial falsch wiedergegeben und stellte klar, dass er nicht von zwei Jahren Ausnahmezustand gesprochen habe. "Pandemien verlaufen in Wellen und es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis ein Großteil der Bevölkerung immun ist", so der RKI-Präsident.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie müssen nach Einschätzung Wielers immer wieder angepasst werden: "Einige Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung der Pandemie haben können, sind noch unbekannt; etwa mildes Wetter".

Gesundheitsämter und Kliniken besser ausstatten

Wieler richtete sich auch an Bürgermeister und Stadtverwaltungen. Sie müssten den Gesundheitsämtern unbürokratisch zusätzliches Personal zur Verfügung stellen. Es sei entscheidend, dass die Gesundheitsämter genug Personal hätten, um Kontaktpersonen von Infizierten zu finden.

Niedergelassene Ärzte und Kliniken rief Wieler auf, ihre Praxen und Kliniken umzustrukturieren. Es müsse möglich sein, Covid-19-Patienten von anderen zu trennen. Krankenhäuser sollten zudem ihre Intensiv- und Beatmungskapazitäten aufbauen. Wieler sagte: "Wir müssen die Zahl der Beatmungsplätze maximal erhöhen." Studierende und Ärzte im Ruhestand sollten ausgebildet werden, um die Beatmungsgeräte bedienen zu können.

Für alle gelte, so Wieler, dass Vernunft und Solidarität jetzt Vorrang haben müssten. Nur so könne der ein- bis zweiwöchige Vorsprung vor Italien ausgebaut werden.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2020 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2020, 12:04 Uhr

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