Ein Airbus A320 des Reisebüros Thomas Cook Retail Limited befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen.
Bildrechte: dpa

Reisedienstleister Thomas Cook ist pleite - was nun?

Zuletzt aktualisiert: 24.09.2019 | 13:42 Uhr

Der Reisedienstleister Thomas Cook hat Konkurs angemeldet. Die noch ausstehenden Flüge wurden gestrichen, eine Rückholaktion für festsitzende Urlauber ist geplant. Doch was bedeut das für die Tochterfirmen der Thomas Cook Gruppe? Und welche Rechte haben Urlauber jetzt, die schon unterwegs sind oder erst noch losfliegen wollten? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Ein Airbus A320 des Reisebüros Thomas Cook Retail Limited befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen.
Bildrechte: dpa

Letzten Freitag sah es schon nicht mehr so gut aus für Thomas Cook. Da hatte das Unternehmen angekündigt, zu den 900 Millionen Pfund (rund 1 Milliarde Euro) weitere 200 Millionen Pfund zu benötigen, um die Pleite abzuwenden. Das hat offenbar nicht geklappt. In der Nacht auf Montag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die Gespräche mit Gläubigern und Banken gescheitert seien.

Wie geht es für die Urlauber weiter?

Von der Pleite sind weltweit 600.000 Urlauber betroffen, die derzeit mit Thomas Cook im Urlaub sind, darunter 140.000 Deutsche. Die britische Regierung hat eine Rückholaktion für die Urlauber angekündigt. Da in Großbritannien nicht die Versicherungen einspringen, wenn der Reisedienstleister insolvent wird, muss die Regierung handeln. Bereits am Sonntag hatte die Luftfahrtbehörde CAA zahlreiche Flüge für den Notfall bereitgestellt. So sollen rund 150.000 britische Urlauber nach Hause geholt werden, die ersten Flüge gingen bereits in der Nacht. Um die Urlauber im Ausland zu informieren, wurde die Webseite thomascook.caa.co.uk geschaltet.

Solche Rückholaktionen sind innerhalb der EU Standard.

Kay Görner, Verbraucherzentrale Sachsen

Indes vermelden mehrere Medien, dass Hotelbetreiber Gäste festsetzen sowie diese zu Doppelzahlungen der Reisekosten zwingen wollen. Der Deutsche Reiseverband bestätigte diese Berichte mittlerweile. Gehäuft kämen die Beschwerden derzeit aus Mallorca.

Was deutsche Urlauber jetzt wissen müssen, haben wir mit Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen geklärt.

Ich bin gerade über Thomas Cook im Urlaub - wie komme ich wieder nach Hause?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, das heißt mehrere Teile der Reise bei einem Anbieter - wie Hotel, Flug und Mietwagen, kommt auf jeden Fall wieder nach Hause. In der EU sind solche Rückholaktionen, wie sie die Britische Regierung angekündigt hat, Standard. Da kümmert sich aber der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, darum, dass die Urlauber wieder zurückfliegen können - kostenlos.

Muss ich meine Reise jetzt abbrechen?

Wenn der Reiseveranstalter pleite geht, können Urlauber auf Geheiß des Versicherers dazu verpflichtet sein, die Reise abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Nur dann wäre diese auch kostenlos. Wer aber länger bleibt und den Urlaub wie geplant fortsetzt, muss auf eigene Kosten nach Hause fliegen und verwirkt den Anspruch auf Erstattung.

Wie komme ich vor Ort an einen Rückflug?

Vor Ort gibt es immer Vertretungen der Reiseveranstalter. Dort müssen Reisende sich melden, das Problem schildern und auf Ersatz plädieren. Die Vertretung muss sich dann darum kümmern, dass die Urlauber einen Rückflug bekommen und ggf. in einem anderen Hotel unterkommen. Das gilt allerdings auch nur für Pauschalreisende.

Ich habe über Thomas Cook oder ein Tochterunternehmen einen Urlaub gebucht - was bedeutet das?

Wer Urlaub gebucht hat, aber noch nicht losgeflogen ist, kommt ebenfalls in den Urlaub - als Pauschalreisender. Auch da müssen sich die Reiseveranstalter um Ersatz kümmern. Demnach ist auch die Anzahlung nicht verloren. Die Thomas Cook Gruppe kann gerade allerdings nicht gewährleisten, dass Reisende, die am 23. oder 24. September in den Urlaub fliegen wollten, so schnell Ersatz bekommen. In diesem Fall kann es sein, dass die Reise nicht stattfindet, der Preis muss allerdings erstattet werden. Update vom 24.09.2019:  Leider können Kunden mit Abreisetermin 24., 25. oder 26. September ihre Reise nicht antreten, da sie weder von Airline noch Hotel als Gast akzeptiert werden. Jeglicher Verkauf von Reisen ist gestoppt.

Ich habe nur einen Flug gebucht - was bedeutet die Pleite für mich?

Direktreisende, also Kunden, die nur einen Flug gebucht haben, sind nicht so gut gestellt wie Pauschalreisende. Haben sie den Urlaub noch nicht angetreten, müssen sich sie selbst um einen Flug kümmern. Wer eine Reiseversicherung hat, kann darüber sein Geld für den eigentlichen Flug zurück bekommen. Wer seinen Flug über die Kreditkarte (z.B. Visa oder Mastercard) gebucht hat, kann sein Geld mit dem sog. "Charge Back-Verfahren" zurückfordern. Allerdings muss der Reisende nachweisen, dass die Reise nicht stattfindet. Deshalb sollte man sich jetzt schnell die Bestätigung vom Reiseveranstalter besorgen.

Ich bin Direktreisender und schon im Urlaub - welche Möglichkeiten habe ich?

Auch da sind Direktreisende schlechter gestellt als Pauschalurlauber. Direktreisende müssen sich dann vor Ort selbst um einen Ersatzflug oder ein Ersatzhotel kümmern - und erst mal selbst bezahlen. Das Geld kann dann über das Insolvenzverfahren zurückgefordert werden, was aber dauern kann. Hier kann auch über das Charge Back-Verfahren Geld zurückgefordert werden, allerdings auch nur mit der Bestätigung über die Insolvenz. Die müssen Urlauber dann aber bei der Bank vorlegen, nicht bei der Kreditkartenfirma.

Condor fliegt weiter

Von der Pleite betroffen sind auch die Tochterunternehmen von Thomas Cook. Der Ferienflieger Condor will den Flugbetrieb aufrechterhalten. Um weiter zahlungsfähig zu bleiben, hat das Unternehmen bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. Der Antrag werde derzeit von der Bundesregierung geprüft. Wie hoch der Kredit sein soll, ist nicht bekannt.

Diese Unternehmen sind von der Pleite betroffen

Unter anderem betroffen sind die Reiseveranstalter Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature, die ebenfalls zur Thomas Cook Gruppe gehören, haben den Verkauf von weiteren Reisen gestoppt und auf eine Notgeschäftsführung umgestellt. Kunden, die ihren Urlaub am 23. und 24. September antreten wollen, kann keine Reise gewährleistet werden, schreibt Thomas Cook auf der Unternehmenswebseite. Die Kunden sollen aber so schnell wie möglich kontaktiert und informiert werden.

Viele Reiseveranstalter nicht betroffen

Die folgenden Reiseveranstalter sind laut Unternehmen ebenfalls nicht von der Insolvenz betroffen, weil sie nicht zur Thomas Cook-Gruppe gehören. Das hat Dertour auf Anfrage von MDR JUMP auch bestätigt. Kunden sollen sich mit Fragen zu ihren Reisen in diesen Fällen an die jeweiligen Veranstalter wenden.

  • Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN), gehört zur REWE Group
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA, gehört zur DB Fernverkehr AG
  • Alltours (inkl Byebye)
  • ETI Reisen
  • LTUR, gehört seit 2016 zur TUI Gruppe
  • Tropo
  • Olimar
  • HLX

Der Reiseveranstalter Aldiana, der teilweise zur Thomas Cook Gruppe gehört, ist laut Unternehmen nicht von der Insolvenz betroffen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. September 2019 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 11:52 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP