Rauchverbot: Verbieten Unternehmen in Mitteldeutschland den Glimmstängel?

Der Automobilhersteller Škoda hat ein Rauchverbot auf allen Betriebsgeländen eingeführt. Damit wandelt sich die Marke in Tschechien zum Nichtraucher-Unternehmen. Gibt es bei Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ähnliche Bestrebungen?

Raucher stehen vor einem Gebäude
Rauchen auf dem Betriebsgelände: Bei vielen Firmen ist das nur in gekennzeichneten Flächen möglich. Bildrechte: colourbox

Der tschechische Automobilhersteller Škoda hat eine große Veränderung für seine Mitarbeitenden durchgesetzt. Seit September ist auf allen Werksgeländen und Betriebsbereichen das Rauchen vollständig untersagt. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, sich um die Gesundheit der Angestellten zu kümmern. Alle Raucherecken und -plätze seien abgeschafft worden, heißt es. Außerdem soll den Mitarbeitenden geholfen werden, mit dem Rauchen aufzuhören.

Rauchverbot: Ein richtiger Schritt?

Wir haben auf unserer MDR JUMP-Facebookseite nachgefragt: Findet ihr das sinnvoll? Und wie wird das mit dem Rauchen in eurem Job gehandhabt?

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Renate Ruddy empfindet das Rauchverbot als "Eingriff in die persönliche Freiheit". Denny Graichen findet die Regelung der Firma zwar falsch, sagt aber: "Škoda gehört das Gelände, Škoda macht die Spielregeln". Sebastian Köhler empfindet das generelle Rauchverbot als einen richtigen Schritt: "Es müsste in jedem Betrieb verboten werden", schreibt er. Daniela Müller bezeichnet sich selbst als ehemalige Raucherin. Sie würde lieber etwas für die Personen unternehmen, die nicht rauchen:

Ich würde fünf Tage mehr Urlaub im Jahr gerecht finden. Damit hat man die Pausen mindestens aufgewogen, in denen man arbeitet, während der Raucher schwätzt und sich jenseits der Pausen Ruhe gönnt.

Facebook-Userin Daniela Müller

Welche Regelungen gelten bei Unternehmen in Mitteldeutschland?

Wir haben stichprobenartig nachgefragt: Welche Regelungen gelten in Betrieben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Luftbildaufnahme des Bosch-Werks in Eisenach
Bei Bosch in Eisenach gilt kein absolutes Rauchverbot. Bildrechte: Bosch

Am Thüringer Bosch-Standort in Eisenach werden Sensoren und Getriebesteuerungen für die Automobilindustrie gefertigt. In dem Werk arbeiten etwa 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für sie gelten ganz klare Regeln. Diese erklärt eine Sprecherin auf Anfrage von MDR JUMP:

Rauchen ist auf dem Werksgelände grundsätzlich verboten – mit Ausnahme der gekennzeichneten Raucherinseln außerhalb des Gebäudes.

Sprecherin Bosch Eisenach
Gläserne Manufaktur von VW Transparente Fertigung in der Gläsernen Manufaktur.
Auch bei Volkswagen in Dresden darf in bestimmten Bereichen geraucht werden. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Diese Regelung gilt auch bei Volkswagen in Sachsen. An den Standorten in Chemnitz, Dresden und Zwickau sind etwa 11.000 Menschen beschäftigt. Für sie gibt es auf dem Werksgelände gekennzeichnete Raucherinseln. In den Fertigungsgebäuden sind spezielle Bereiche mit Luftabzug installiert. Das erklärt der Unternehmenssprecher auf Anfrage von MDR JUMP.

Ein generelles Rauchverbot ist bisher nicht im Gespräch.

Volkswagen Sachsen auf Anfrage von MDR JUMP

Allerdings gibt es in dem Unternehmen unterstützende Angebote, wenn eine beschäftigte Person mit dem Rauchen aufhören will.

Ähnliches erklärt ein Sprecher des BMW-Werkes in Leipzig. Ein Rauchverbot sei nicht geplant. Allerdings ist es nur auf bestimmten Flächen im Außenbereich gestattet, die Zigarette anzuzünden.

Mehr Urlaub für Menschen, die nicht rauchen?

So manch ein Nichtraucher schaut jedoch neidisch auf die vielen Pausen, die sich die rauchenden Kollegen offenbar gönnen können. Gastwirt Helmut Glas aus Rheinland-Pfalz wurde das zu viel. Er hat kurzerhand seinen Mitarbeitern, die nicht rauchen, fünf Tage mehr Urlaub gegeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 06. September 2021 | 22:00 Uhr

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