Rauch von US-Waldbränden über Mitteldeutschland

Am Sonntagabend sah die untergehende Sonne an vielen Orten bei uns in der Region milchig aus und schien nicht so hell wie sonst. Schuld daran waren wohl die Waldbrände in Kalifornien – denn deren Asche hat uns mittlerweile erreicht.

Waldbrand Kalifornien
Waldbrand in Shaver Lake, Kalifornien Bildrechte: imago images / UPI Photo

Der Soundtrack ist aus dem Science-Fiction-Film, die Bilder sind es nicht. Leider. Obwohl sie so aussehen. In der vergangenen Woche ging ein Video aus der US-Metropole San Francisco viral. Es zeigt Drohnenaufnahmen der Häuserschluchten und der Golden Gate Bridge. Und es sieht so aus, als sei das Ende der Welt angebrochen: Der Himmel ist düster und orangerot gefärbt, die Sicht ist schlecht. Zu hören ist düstere Musik aus dem Soundtrack des Films „Blade Runner“, komponiert von Vangelis.

#NoFilter – das steht gerade an vielen Bildern der Region in den sozialen Netzwerken. Weil es so aussieht, als seien sie bearbeitet worden. Dabei liegt über ganz Kalifornien gerade ein Filter. – und ein bisschen auch über uns, wie wir gleich sehen werden.  

Die Luft ist so schlecht, dass der Index zum Messen nicht ausreicht

In vielen Orten ist die Luftqualität durch den Smog katastrophal. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Stadt Salem in Oregon. Dort erreichte der Luftverschmutzungs-Index dieser Tage den Rekordwert von 512 – dabei geht die Skala normalerweise eigentlich nur von 0 bis 500. Doch auch hier bei uns sind die Folgen der Waldbrände derzeit zu spüren, auch wenn sie - im wahrsten Sinne des Wortes – auf der anderen Seite der Erde stattfinden.

Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenmessung (TROPOS) in Leipzig hatten bereits am Freitag hoch in der Atmosphäre eine Staubschicht entdeckt, die von Kalifornien bis zu uns gezogen ist. Zunächst hatten Messgeräte sie in 10 bis 12 Kilometern Höhe nachweisen können, später sank sie dann auf 5 bis 10 Kilometer ab.

Dass die Ruß- und Aschepartikel es bis zu uns geschafft haben, hatte auch mit der großen Hitze der Feuer zu tun. Diese riss die Partikel bis hoch hinauf in die Atmosphäre. Dahinter steckt das Phänomen der so genannten Pyrocumulonimbus-Wolken, kurz PyroCb. Das sind sehr hoch reichende Gewitterwolken, die sich bei sehr großen Waldbränden mit sehr hohen Temperaturen bilden können. Und diese Wolken wirken wie ein Fahrstuhl in höhere Schichten der Lufthülle unserer Erde.

Ein Löschflugzeug lässt Löschpulver über einem brennenden Waldstück über der 'Lower Chiles Valley Road'.
Bildrechte: dpa

Teilchen können nicht mehr vom Regen ausgewaschen werden

„In der oberen Troposphäre und Stratosphäre können diese Partikel dann ähnlich der Asche von Vulkanausbrüchen lange unterwegs sein und mit den Höhenwinden große Entfernungen über die Kontinente hinweg überwinden“, so Holger Baars vom TROPOS. Der Grund: Die Teilchen fliegen dann oberhalb der Regenwolken - und werden dadurch nicht vom Regen wieder aus der Atmosphäre ausgewaschen.

Die Forschenden haben ihre Entdeckungen mit einem Lasersystem gemacht. Es ist Teil von PollyNet, einem weltweiten Netzwerk von Lichtradaren zur Atmosphärenforschung vom Boden aus. Koordiniert wird es von Leipzig aus.

Allerdings konnte man das Phänomen am Sonntag auch ganz ohne Hightech beobachten, wenn man zum Beispiel gegen Abend in Richtung der Sonne geschaut hat. Da sah der Himmel ziemlich milchig aus und nicht so klar, wie wir das von warmen Sommertagen normalerweise kennen.

In der Fachsprache der Forscher hieß das: Die so genannte optische Dicke war sehr hoch. Dadurch kam der Sonnenschein nur abgeschwächt bei uns an. „Normalerweise beträgt die optische Dicke bei solchen Brandereignissen in Übersee nur rund ein Zehntel oder weniger“, so Tropos-Forscher Albert Ansmann. Diesmal lag der Wert aber nicht bei 0,1 wie sonst bei anderen Feuern – die Leipziger hatten mit ihrem Netzwerk etwa im Frühjahr die Folgen der australischen Waldbrände im mehr als 10.000 Kilometer entfernten Chile nachweisen können. Stattdessen war die optische Dicke diesmal bei 0,4 bis 0,5. „Dies ist also ein außerordentlich starkes Ereignis“, so Ansmann.

Die Leipziger Forschenden untersuchen gerade, wie stark große Waldbrände die Atmosphäre und damit das Klima beeinflussen. Das Probenmaterial wird ihnen dabei wohl im Fall von Kalifornien so schnell nicht ausgehen. Experten rechnen damit, dass die Feuer noch viele Wochen weiter brennen werden. Entspannung kommt traditionell erst gegen Dezember, wenn die Region vom Pazifik her feuchte Luft bekommt, was zu starken Regenfällen führt.

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