Update: Mit 417 km/h durch Sachsen-Anhalt: Jetzt ermittelt die Polizei

Gegen den Fahrer eines Super-Sportwagens wird wegen eines illegalen Straßenrennens ermittelt. Der Millionär aus Tschechien war mit seinem Bugatti mit 417 km/h auf der A2 zwischen Ziesar und Theeßen in Richtung Magdeburg gerast.

Ein Fahrzeug rast abends über eine regennasse Autobahn.
Mit 414 km/h ist ein Mann durch Sachsen-Anhalt gerast. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die rasende Fahrt mit einem Bugatti Chiron auf der Autobahn in Sachsen-Anhalt könnte einem Millionär aus Tschechien nachträglich noch Ärger einbringen. Nach intensiven Prüfungen über das Wochenende wird gegen den Fahrer jetzt wegen eines illegalen Straßenrennens ermittelt.

Deutschland - Land ohne Tempolimit

Eine Sprecherin vom Zentralen Verkehrs- und Autobahndienst der Polizeiinspektion Magdeburg sagte MDR JUMP:

Der Straftatbestand gibt auch her, dass gegen einen allein fahrenden Autofahrer wegen eines illegalen Straßenrennens ermittelt wird. Da geht es um die hohe Geschwindigkeit.

Die Polizei bezieht sich bei ihren Ermittlungen auf den §315d des Strafgesetzbuches. Danach drohen Freiheitsstrafen bis zwei Jahren und Geldstrafen, wenn jemand ein „nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen“ durchführt.

Radim Passer, ein Millionär aus Tschechien, wollte seinen teuren Sportwagen auf der Autobahn A2 bei Magdeburg ordentlich ausreizen. In einem Video auf seinem YouTube-Kanal ist zu sehen, wie der Bugatti Chiron mit bis zu 417 Stundenkilometern über die Autobahn A2 schießt. Das Video soll im Juli letzten Jahres gedreht worden sein. Es wurde aber erst Anfang 2022 online gestellt.

Fahrt durch Sachsen-Anhalt

Die rasante Fahrt beginnt in Ziesar. Hier fährt der sportliche Wagen nach eigenen Angaben im Juli 2021 an einem Sonntagmorgen kurz vor vier Uhr auf die Autobahn auf. In Richtung Magdeburg ist die Fahrbahn hier mit drei Spuren in jede Richtung ausgebaut. Dazu kommt: Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung und die Strecke hat nur wenige Kurven. Nach kurzer Zeit, kurz vor Theeßen, erreicht der Wagen eine Geschwindigkeit von 417 km/h. Andere Fahrzeuge, die der Raser überholt, wirken im Video, als würden sie stehen. Das Video hat auf YouTube bereits mehr als fünf Millionen Aufrufe.

Das Video: Raser auf der A2

Ist das überhaupt erlaubt?

Auch wenn es an der Stelle kein Tempolimit gibt: Trotzdem gibt es wichtige Regeln, die eingehalten werden sollen. In der Straßenverkehrsordnung steht, dass niemand durch die eigene Fahrweise gefährdet werden darf. Außerdem muss das Fahrzeug zügig abgebremst werden können. Auf Anfrage von MDR JUMP erklärt eine Sprecherin des ADAC:

Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.

Melanie Mikulla, ADAC

Sollte es zu einem Unfall kommen, haftet jeder Fahrer, der über der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h unterwegs ist, auf jeden Fall mit, erklärt die Sprecherin weiter.

Unfall würde tödlich ausgehen

Dazu kommt, dass diese hohe Geschwindigkeit bei einem möglichen Unfall verheerende Folgen mit sich bringen würde. Schon bei Geschwindigkeiten über 100 km/h ist die Überlebenschance bei einem Crash sehr gering.

Sie können also davon ausgehen, dass bei einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit über 400 km/h niemand überlebt.

Melanie Mikulla, ADAC

Bereits am Freitag hatte sich das Bundesverkehrsministerium zu dem Fall kritisch geäußert. Jegliches Verhalten im Straßenverkehr, das zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern führt oder führen kann, werde abgelehnt, teilte eine Sprecherin mit.

Auf dem MDR JUMP-Facebookprofil wurde die Fahrt des Sportwagens auf der A2 heftig diskutiert. So viele Kommentare wie zu diesem Artikel gibt es dort selten. Marcus findet:

Die Autobahn war unbegrenzt, dreispurig und so gut wie kein Verkehr. Also wo ist das Problem? Er hat weder gedrängelt, genötigt oder sonst was.

Ähnlich sieht das auch Frank und kommentiert:

Ich verstehe die Aufregung nicht. Zum einen ist das Tempolimit aufgehoben und zum anderen hat er sogar ausreichend Platz (eine ganze Spur) beim Überholen gelassen. Was ich sehr vorbildlich halte. Denn wenn man mit so einer Geschwindigkeit überholt wird und selbst „nur“ 130km\h fährt, schüttelt es einen gut durch.

Auch Sabrina fährt offenbar gern schnell, wenn sie damit keine anderen Autofahrer gefährdet. Sie schreibt:

Also ich finde da ist jetzt nichts Verwerfliches dran. Mein Auto fährt auch 300km/h und ja habe es nachts getestet, als keiner unterwegs war, als ich es neu hatte.

Christian sieht die schnelle Fahrt eher von der wirtschaftlichen Seite:

Er hat sicher auch in Deutschland getankt, etwas gegessen etc - also gut, das er für diese Fahrt nach Deutschland kam, so wie z.B. auch zahlreiche asiatische Touristen für eine Fahrt ohne Tempolimit explizit nach Deutschland kommen.

Daniela dagegen findet die schnelle Fahrt nur „krank“ und schreibt:

Braucht er Aufmerksamkeit? Hat er Komplexe?? Was auch immer der Grund ist, von dem Typen sollte man die Fahrerlaubnis auf Lebenszeit einziehen und ab in den Knast!!!

Mandy verweist darauf, dass der Raser andere Autofahrer gefährdet hat:

Die Kontrolle zu behalten, wenn sich plötzlich etwas auf der Spur befindet ...bei dem Tempo...never ever.

Zahlreiche andere Nutzer des MDR JUMP-Facebook-Profils weisen darauf hin, dass es auch andere Strecken für ein „Ausfahren“ eines Sportwagens gibt. Das sind Rennstrecken wie der Nürburgring, der Hockenheimring oder Lausitzring.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 24. Januar 2022 | 13:00 Uhr

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