Erste Hilfe bei Zahnschmerzen

Zahnschmerzen zählen zu den wohl unangenehmsten Schmerzen überhaupt. Wir geben Tipps, wie sich die Beschwerden mit verschiedenen Hausmitteln lindern lassen.

Eine junge Frau hält sich die Wange 1 min
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MDR JUMP Do 22.04.2021 10:45Uhr 01:05 min

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Er kommt als qualvolles Pochen, Ziehen oder Stechen und lässt den ganzen Kopf dröhnen. In den Top Ten der größten Schmerzen würde der Zahnschmerz mit Sicherheit einen der vorderen Plätze einnehmen. Besonders unglücklich ist es, tritt er nachts oder am Wochenende auf, wenn die Praxen geschlossen sind und nur der Notdienst zur Verfügung steht. Um die Zeit bis zum nächstmöglichen Termin einigermaßen schmerzfrei und ohne chemische Keule zu überbrücken, kannst du es mit einer Auswahl an Hausmitteln versuchen. Allerdings: Nicht alle Hausmittel helfen bei jedem gleich. Es empfiehlt sich, ein wenig zu experimentieren. Vor allem für Dentalphobiker gilt jedoch: Hausmittel ersetzen nie den Zahnarztbesuch. Am besten schützt man sich vor Schmerzen durch den regelmäßigen halbjährlichen Vorsorgetermin in der Praxis des Vertrauens.

Tee, Lösung und Spülung

Baldrian, eine Glas Tee und ein Wecker stehen auf einen Tisch.
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Um schnelle Abhilfe zu schaffen, bist du gut beraten, es mit einer Mundspülung zu probieren. Aus drei Teilen Pfefferminze, jeweils vier Teilen Johanniskraut und Melisse, einem Teil Quendel und fünf Teilen Baldrian kannst du eine Mischung herstellen, von der du drei Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser übergießt und den Aufguss 14 min ziehen lässt. Ein bis zwei Tassen sollen dann schon gegen die Schmerzen wirken. In der Apotheke kann man sich diese spezielle Mischung auch anfertigen lassen oder in der Notapotheke vorbereitete Teemischungen kaufen. Mit entzündungshemmenden Spülungen aus Salbei- oder Kamillentee kannst du gute Erfolge erzielen. Alternativ werden Kamillenblüten, in etwas Verbandsmull gewickelt und mit heißem Wasser getränkt, nach dem Abkühlen direkt auf die betreffende Stelle im Mund gelegt (mehrmals wiederholen). In jedem Falle ist zu warmes Wasser nicht hilfreich, da sich die Bakterien sonst noch besser vermehren können.

Öl

Speiseöl läuft auf einen Esslöffel
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Mit verdünntem Teebaumöl den Mundraum auszuspülen oder das Öl bei punktuellem Schmerz auf den Herd zu tupfen, kann helfen, den Schmerz zu lindern. Ebenso tupfen kannst du ätherisches Nelkenöl. Wichtig beim direkten Aufbringen ist, dass nur Öl mit einem hohen Reinheitsgrad und in homöopathischen Mengen verwendet werden soll, weil es im Zweifel die Entzündung verschlimmern oder eine Allergie oder Übelkeit hervorrufen könnte. Bei offenen Stellen im Mundraum lässt du besser die Finger von Ölen, um eine Verunreinigung von Wunden auszuschließen. Besser ist da nur die Mundspülung. Die ayurvedische Lehre beschreibt das sogenannte Ölziehen. Dabei wird der Mundraum mit einem Esslöffel kaltgepresstem Sonnenblumen- oder Sesamöl hoher Qualität gespült. Allerdings ist Geduld gefragt: Eine Dauer von 20 min gilt es nicht zu unterschreiten, da die Flüssigkeit diese Zeit braucht, bis sie in die Zahnfleischtaschen eingesickert ist und dort sitzende Bakterien außer Gefecht gesetzt hat. Die Reste danach am besten in Zellstoff spucken, damit der Abfluss nicht verstopft, und niemals hinunterschlucken, um die Keime vollständig aus dem Körper zu entfernen.

Gemüse

Zwiebeln
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Es kann helfen, nahe am Schmerzherd eine Gewürznelke zu zerbeißen. Vorsicht ist geboten, dass dies nicht an der schmerzenden Stelle geschieht. Ein Tuch gefüllt mir zerkleinerten Zwiebeln auf die Wange zu pressen, hat gute Erfolgsaussichten, auch auf die Gefahr hin, dass dies dir noch mehr die Tränen ins Gesicht treibt. Wahlweise kannst du dir die anti-entzündliche Wirkung der Zwiebel auch dadurch zunutze machen, dass du eine Scheibe direkt zwischen Zahn und Zahnfleisch positionierst. Rosmarinblätter zu kauen, jedoch keinesfalls dort wo der Schmerz sitzt, kann auch schmerzlindernd wirken, genauso wie eine halbe Knoblauchzehe, direkt auf den schmerzenden Zahn gedrückt.

Akupressur

Ganz bestimmte Punkte am Körper zu stimulieren, kann ebenfalls Zahnschmerzen lindern. Hier eine Auswahl leicht zu lokalisierender Körperstellen: Einen Punkt findest du direkt neben dem Fingernagel des Zeigefingers in Richtung des Daumens. Dort mit dem Daumennagel kräftig pressen und zwar so, dass es wehtut. Verbesserung verspricht auch die Stimulation der Schmerzpunkte am Schädel vor den Ohrläppchen oder der Kuhle zwischen Mund und Nase. Behandle diese Punkte bei akutem Schmerz nach Bedarf. Bei andauernden Beschwerden wiederhol das bis zu drei Mal täglich. Drücke oder massiere nur leicht für 30s, wenn der jeweilige Punkt sich als empfindlich herausstellt. Andernfalls beschränke dich auf die Hälfte der Zeit, drücke dabei jedoch kräftiger.

Kälte

Mit einem Kühl-Akku oder einer Plastiktüte Eiswürfel kommst du gut gegen Zahnweh an. Diese Maßnahme drosselt den Blutfluss im betroffenen Gebiet, hilft gegen Schwellungen und kann bis viermal am Tag angewandt werden (jeweils nicht länger als 15 min). Generell gilt es, zu viel Wärme im Falle von Entzündungen zu vermeiden. Probiere auch Folgendes: Zusätzlich zur Mundkühlung für mindestens fünf Minuten Eis auf die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger platzieren. Hintergrund: Die dort verlaufenden Nerven dienen der Schmerzweiterleitung werden durch die Kälte betäubt.

Ein Baby mit einem Beißring
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Bei Kleinkindern, deren Zähne gerade durchbrechen, kann ein kühler Waschlappen helfen. Sowohl das Kauen als auch die Kühle kann hier das Leid mildern. Apotheken halten zudem Gel-Beißringe für den Zahndurchbruch bereit.

Zahnpasta

Entsteht der Schmerz am Zahn nicht als Ursache einer Entzündung, sondern aufgrund freiliegender Dentinkanäle hilft das Aufbringen von etwas fluoridhaltiger Zahnpasta, die eine Schutzschicht gegen die Nervenreizung durch Heißes oder Kaltes bildet.

Schmerzmittel

Gegen Schmerztabletten als Übergangslösung ist in den meisten Fällen nichts einzuwenden. Dabei gilt Ibuprofen nach wie vor als Mittel der Wahl. Paracetamol kann bei leichten Schmerzen helfen. Nicht so geeignet ist ASS. Am besten lässt du dich in der Apotheke beraten. Grundsätzlich sollten Schmerzmittel nie über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. April 2021 | 10:45 Uhr

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