Was hilft wirklich gegen nächtliches Zähneknirschen?

Gut die Hälfte aller Deutschen knirscht ab und zu mit den Zähnen. Bei acht Millionen Menschen aber geht das Knirschen soweit, dass Zähne, Kiefer und die Muskulatur leiden. Folgen vom sogenannten Schlafbruxismus können Verspannungen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sein. Wann es gefährlich wird und was man dagegen tun kann, das klären wir jetzt.

Junge Frau mit Zahn-Kiefer-Schmerz Ausdruck 1 min
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MDR JUMP Do 04.06.2020 10:45Uhr 00:59 min

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Warum knirschen wir?

Psychologen gehen davon aus, dass beim Zähneknirschen Spannungen, Ängste und Ärger abgebaut werden. Meistens geht es dabei um Probleme, die wir verdrängen und nicht bearbeiten. Zum Beispiel Ärger oder Stress im Beruf oder in der Familie. Manche können dadurch nicht schlafen. Andere beißen im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen und knirschen. Auch Alkohol, Drogen und Medikamente können eine Rolle spielen. Eher selten sind Ursachen wie schiefe Zähne oder eine Erkrankung des Kiefers. Zähneknirschen geschieht fasst immer unbewusst und dann hauptsächlich nachts. In bestimmten Schlafphasen, in denen wir das Geschehene vom Vortag verarbeiten, knirschen wir am meisten.

Woran merkt man, dass man mit den Zähnen knirscht?

Wenn man morgens mit Symptomen aufwacht, wie:

  • Schmerzen in den Kaumuskeln
  • Knackender Kiefer
  • Verspannte Kieferknochen
  • Kopfschmerzen

Auch Partner könnten es nachts mitbekommen. Außerdem zeigen die Zähne über kurz oder lang eindeutige Zeichen von krankhaftem Knirschen. Wirklich sicher diagnostiziert das aber am besten der Zahnarzt.

Wann ist Zähneknirschen ein Problem?

Im Normalfall berühren sich unsere Zahnreihen nur beim Zerkleinern von Speisen und Kauen. Im entspannten Zustand ist dazwischen immer ein wenig Platz. Beim Knirschen pressen oder reiben wir die Zähne mit einer viel größeren Kraft aufeinander als beim Essen.

Geschieht das gelegentlich, halten die Zähne als härtester Baustoff unseres Körpers das aus. Knirschen wir aber regelmäßig, dann kann das schwerwiegende Folgen haben:

  • Die Zähne werden praktisch abgeschmirgelt, mit der Zeit auch kürzer und verlieren ihre äußere Schutzsicht. Es kann zu Entzündungen der Zahnwurzeln und des Zahnfleisches kommen. Im schlimmsten Fall können sich die Kiefernknochen verändern und die Zähne ausfallen
  • Beim Knirschen beißen und reiben unsere Zähne mit einem Druck von bis zu 100 Kilogramm pro Quadratzentimeter aufeinander. Darunter leidet unsere Kaumuskulatur. Krämpfe und Schädigungen am Kiefergelenk können dazu führen, dass wir Schmerzen beim Essen und Probleme beim Sprechen haben.
  • Knirschen kann außerdem zu Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur führen, Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus und Haltungsschäden verursachen.
  • Betroffene schlafen schlecht, fühlen sich müde und abgespannt.

Was kann man dagegen tun?

eine Okklusionsschiene bzw. Knirscherschiene aus durchsichtigem Kunststoff
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Am besten zum Zahnarzt gehen. Der erkennt, ob die Probleme tatsächlich durch Zähneknirschen verursacht werden. Der Zahnarzt lässt dann in der Regel eine so genannte Aufbissschiene anfertigen. Die gibt es für Ober- und Unterkiefer. Diese Schiene verhindert aber nicht das Knirschen und Pressen. Sie schützt lediglich die Zähne und wird an ihrer Stelle abgenutzt. Verspannungen und Kopfschmerzen können dadurch zwar verringert, aber nicht in jedem Fall verhindert werden.

Wird das Knirschen durch eine Fehlstellung des Kiefers verursacht, hilft eine so genannte Okklusionsschiene. Sie korrigiert die Fehlstellung und kann so das Knirschen und die damit verbundenen Schmerzen beseitigen.  

Gegen die Folgen des Knirschens hilft außerdem Physiotherapie, um Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen zu lindern. Kopfschmerzen und Haltungsschäden lassen sich so ebenfalls beheben. Aber auch die Physiotherapie bekämpft nur die Symptome des Knirschens. Um die Ursachen herauszubekommen, kann ein Gespräch beim Psychologen oder einem Verhaltenscoach hilfreich sein. Auch Entspannungsübungen wie Yoga, Tai Chi oder Progressive Muskelentspannung können helfen, innere Spannungszustände abzubauen. Gegen die akuten Muskelschmerzen helfen Wärme, leichte Massagen und Übungen, um den verkrampften Kiefer wieder zu lockern.

Was kostet das und wer zahlt die Behandlung?

Die Anfertigung einer Aufbissschiene kostet bis zu 600€, wird aber komplett von der Krankenkasse übernommen, wenn der Zahnarzt eine entsprechende Diagnose stellt. Es gibt im Internet auch Aufbissschienen unter 20€. Um diese anzupassen werden sie in kochendes Wasser gelegt und dann draufgebissen. Experten raten davon aber ab, weil das Silikon durch das Zubeißen so geformt wird, dass Ober- und Unterkiefer aufeinander fixiert werden. Was einen gegenteiligen Effekt erzeugen würde. Eine vom Fachmann angefertigte Schiene soll eher für Abstand und Bewegungsfreiheit zwischen den Kiefern sorgen. Eine Schiene aus dem Internet könnte also noch mehr Schaden anrichten.

Botox gegen Zähneknirschen?

Eine Spritze mit Kanüle liegt neben einem Fläschchen mit Botox.
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Seit rund 10 Jahren wird in besonders schweren Fällen von manchen Zahnärzten das Nervengift Botox eingesetzt. Es soll die verkrampften Kaumuskeln lockern und so dafür sorgen, dass der Druck beim Knirschen reduziert wird. Diese Methode sollte aber nach Meinung von Experten erst eingesetzt werden, wenn die Aufbissschiene und Physiotherapie nicht helfen und die Beschwerden nicht besser werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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