So bleibt der Wollpullover auch nach der Wäsche noch schön flauschig

Wollpullover halten mollig warm und sind damit die perfekten Begleiter für kalte Wintertage. Dennoch scheuen sich viele, Kleidung aus reiner Wolle zu kaufen – zu aufwändig erscheint die Pflege. Tatsächlich kann es passieren, dass der Pulli nach dem falschen Waschprogramm als verfilztes Etwas aus der Waschmaschine gezogen wird, das höchstens noch einer Puppe passt. Dabei ist Wollpflege leichter als gedacht, wenn man ein paar Tipps beherzigt.

Eine junge Frau hat sich den Kragen ihres Rollkragenpullovers bis über die Nase gezogen 1 min
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MDR JUMP Di 12.01.2021 10:45Uhr 00:59 min

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Wolle ist im Prinzip nichts anderes als Tierhaar. Je nach Art stammt sie vom Schaf (Schurwolle oder Merino), der Ziege (Kaschmir oder Mohair), dem Kaninchen (Angora) oder dem Kamel (Alpaca). Die Haare sind, wie beim Menschen auch, von einer Schuppenschicht umgeben und die sorgt für die Probleme, wenn wir Wolle falsch pflegen: Wird Wolle im nassen Zustand zu stark gerieben, verhaken sich die Schuppen ineinander und verfilzen. Durch zu hohe Temperatur beim Waschen kann die Wolle auch einlaufen und ihre Form verlieren.

Wichtigster Tipp: Möglichst selten waschen

Pflegehinweis in einem Wolltextil
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Neben dem Vorteil, dass Wolle die Körpertemperatur besonders gut hält, gilt Wolle als besonders schmutzabweisend. Außerdem sorgt die Schuppenschicht dafür, dass Gerüche nicht so leicht in die Fasern eindringen und sich festsetzen, wie es bei anderen Materialien der Fall ist. Es genügt also, den Wollpullover regelmäßig im Freien auszulüften. Am besten auf einem Bügel, damit die Form bestehen bleibt. Dabei nimmt die Wolle Feuchtigkeit aus der Luft auf, ohne sich feucht anzufühlen. Gerüche und Falten verschwinden so auch. Erst nach jedem vierten Tragen oder wenn der Stoff wirklich schmutzig ist, sollte Wolle gewaschen werden, denn sonst strapaziert es die Fasern unnötig.

Richtiges Waschmittel wählen

Voll- und Colorwaschmittel enthalten verschiedene Enzyme, die dafür sorgen, dass Baumwolle, Leinen und Kunstfasern wieder richtig sauber werden. Für Wolle sind diese Enzyme Gift: Sie zerstören Eiweißverbindungen – nicht nur die der Verschmutzungen, sondern auch der Wollfasern. Spezielle Wollwaschmittel sind schonend zu den Fasern. Als Alternative ist auch mildes Haarshampoo geeignet, um Wolle zu waschen. Für den letzten Spülgang kann man auch ein bisschen Haarspülung dazu geben oder Essig. Essig sorgt für den richtigen pH-Wert, den Wolle mag und gleichzeitig wird die Farbe aufgefrischt. Haarspülung wirkt rückfettend. Bleichmittel, Aufheller oder Weichspüler sind bei der Wollwäsche Tabu.

Richtige Waschtechnik: Waschmaschine oder Handwäsche?

Wie bei allen Textilien gibt das eingenähte Pflegeetikett mit seinen kleinen Symbolen darüber Auskunft, ob die Wollsachen in die Waschmaschine dürfen, oder nicht. Viele Hersteller empfehlen Handwäsche, auch, um sich abzusichern, dass in der Maschine wirklich nichts schief geht mit dem Produkt. Dabei kann auch bei der Handwäsche eine Menge schief gehen: Das Wasser darf maximal 30 Grad warm sein, für die meisten Wollsorten, vor allem aber für Kaschmir, reicht kaltes Wasser völlig aus. Zudem muss beim Waschen behutsam vorgegangen werden: Zunächst muss eine Lauge aus Wasser und Wollwaschmittel hergestellt werden. Es muss so viel Wasser sein, dass das Kleidungsstück locker darin bewegt werden kann. Bevor es in die Lauge kommt, sollte es mit klarem Wasser durchnässt sein und anschließend vorsichtig darin bewegt werden. Zu viel Kneten oder Wringen könnte die Fasern schädigen. Nach dem Spülen mit klarem Wasser darf das Kleidungsstück nur vorsichtig ausgedrückt werden. Überschüssiges Wasser entfernt sich am besten, wenn das Wollprodukt auf ein Handtuch gelegt wird, das dann langsam eingerollt wird.

Das Bedienpanel einer Waschmaschine
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Für das Waschen in der Maschine muss unbedingt das Wollprogramm gewählt werden. Dabei wird die Kleidung nur bei kühlen Temperaturen sanft bewegt und nur kurz bei maximal 600 Umdrehungen pro Minute geschleudert. Wichtig ist, dass die Sachen auf links gedreht werden und dass die Maschine nur zu einem Viertel oder maximal zur Hälfte gefüllt wird, damit die Wollstücke sich nicht gegenseitig zu stark reiben und verfilzen.

Flecken schnell und sanft entfernen

Wenn Flecken auf den Wollpulli kommen, sollten diese so schnell es geht entfernt werden, damit sie nicht so tief in die Fasern eindringen und dort antrocknen können. Auch dabei gilt: So wenig wie möglich reiben oder bürsten, sondern lieber einweichen und versuchen, mit Haarshampoo oder Vollwaschmittel den Fleck herauszulösen. Wenn das nicht zur Hand ist, gibt es einen Trick: Spucke! Spucke ist ein richtig guter Fleckenlöser. Die Enzyme darin lösen die Flecken, ohne die Wollfasern anzugreifen, wie das beispielsweise die Enzyme aus den Waschmitteln machen.

Im Liegen trocknen

Moderne Wäschetrockner haben auch Wollprogramme, die schonend und kalt trocknen. Allerdings sollten sicherheitshalber auch nur die Wollsachen in den Trockner, deren Pflegeetikett es ausdrücklich erlaubt. Ansonsten sollte Wolle am besten im Liegen getrocknet werden, flach ausgebreitet auf dem Wäscheständer zum Beispiel. Dabei behält das gute Stück seine Form. Auf der Heizung oder in der direkten Sonne sollte Wolle nicht trocknen, denn die Wärme könnte zum Einlaufen des Stoffs führen.

Nicht zu vermeiden: Knötchenbildung bei Wolle

Durch Reibung beim Tragen sind die kleinen Knötchen, die sich auf dem Pullover bilden, nicht zu vermeiden. Dieses Pilling ist absolut typisch für Wolle und sogar ein Anzeichen für besondere Qualität und Reinheit des Stoffs. Tipp: Einfach versuchen,  das Pilling weg zu zupfen. Einige Experten empfehlen auch spezielle Wollkämme, mit denen die Oberfläche der Wollsachen vorsichtig bearbeitet werden kann. Sie kosten etwa drei bis fünf Euro.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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