Winterreifen oder Ganzjahresreifen - welche Wahl ist die bessere?

Jedes Jahr um diese Zeit steht der Reifenwechsel am Auto an. Und jedes Mal die Frage: Tun es die alten Winterreifen noch einmal? Und wäre vielleicht ein Ganzjahresreifen sogar die bessere Alternative, wo doch die Winter immer wärmer werden? Wir klären jetzt, wo welcher Reifen sein Grenzen hat und wie du den richtigen für dein Auto findest.

Wechsel auf Sommerreifen in Werkstatt 1 min
Bildrechte: imago/Westend61

MDR JUMP Fr 02.10.2020 10:45Uhr 01:03 min

Audio herunterladen [MP3 | 986,2 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,9 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/winterreifen-ganzjahresreifen-reifenwechsel-oktober-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Was einen Allwetter- oder Ganzjahresreifen von anderen unterscheidet

Zwei Dinge sind für einen Reifen sicherheitsrelevant: Die Gummimischung und die Art des Profils. Winterreifen brauchen einen möglichst weichen Gummi, viele Lamellen und Querrillen. Das sorgt bei tiefen Temperaturen ab +7 Grad Celsius für richtigen Griff auf der Straße. Sommerreifen sollten hingegen möglichst gut auf nasser Straße haften, brauchen also viele Längsrillen, um Wasser ablaufen zu lassen. Außerdem sollten sie möglichst hart sein, damit sie bei hohen Temperaturen nicht ins Schwimmen kommen.

Allwetter- oder Ganzjahresreifen (ist das Gleiche) sind ein Kompromiss an beide Anforderungen und kommen unter Normalbelastung mit allen Temperaturen zurecht.

Winterreifenpflicht - Was der Gesetzgeber sagt

Im Sommer gibt es keine Vorgaben, mit welcher Reifenart du unterwegs bist. Im Winter gilt die sogenannte situative Pflicht. Das heißt, du musst Winterreifen immer dann drauf haben, wenn die Witterungsverhältnisse es erfordern. Ansonsten gibt es bis zu 120 Euro Strafe und Punkte in Flensburg.

Allwetterreifen erfüllen die Winterreifenkriterien. Das erkennst du bei älteren Modellen an dem M+S Symbol (für Matsch und Schnee). Neue Modelle haben das sogenannte Alpine-Symbol, das ist ab 2024 Pflicht. Wichtig ist noch: dein Winter- oder auch ein Allwetterreifen muss noch 1,6 Millimeter Profiltiefe haben, Experten empfehlen dringend vier Millimeter.

Wo Allwetterreifen ihre Grenzen haben

Allwetterreifen sind, wie erwähnt, ein Kompromiss. "Der Reifen kommt eben immer bei extremen Bedingungen an seine Grenzen. In einem milden Winter ist das nicht so spürbar. Aber wir haben ja auch Sommer mit bis zu 40 Grad und da werden solche Reifen dann wegen der weicheren Gummimischung viel schwammiger und nutzen sich auch schneller ab", so Kfz-Meister Eric Apitz aus Wurzen.

Die Reifen bremsen im Sommer schlechter als reine Sommerreifen und im Winter haben sie weniger Griff als richtige Winterreifen, fürs Gebirge mit richtig Eis und Schnee sind sie nicht geeignet. Weitere Nachteile: Sie verursachen einen höheren Benzinverbrauch und nutzen sich schneller ab.

Wo Ganzjahresreifen unter Umständen verboten sind

Bevor du mit deinen Allwetterreifen ins Europäische Ausland fährst, informiere dich, wo Ganzjahresreifen unter Umständen im Sommer verboten sind. Klingt paradox, ist aber so. Manche Regionen mögen von Mai bis Oktober diese Pneus mit der etwas weicheren Mischung nämlich nicht auf ihren Straßen sehen und wenn, dann nur mit einer bestimmten maximal möglichen Höchstgeschwindigkeit. Hintergrund: Die erwähnte Schwäche der Reifen bei sehr großer Hitze.

Für wen der Allwetterreifen in Frage kommt

Die Winter werden immer wärmer, immer seltener gibt’s richtig Schnee. Deshalb sind Allwetterreifen im Kommen. Das bestätigt auch Experte Eric Apitz: "Der Trend geht dahin, viele unserer Kunden fragen nach Allwetter-Reifen und verweisen auf den letzten milden Winter. Und es gibt auch immer mehr Autohersteller, die ihre Neuwagen gleich mit Allwetterreifen ausliefern." Und tatsächlich sind Allwetterreifen für dich eine Alternative, wenn du in einer schneearmen Region wohnst und im Winter eher seltener unterwegs bist, beziehungsweise auch mal auf Bus oder Bahn umsteigen kannst. Ganz allgemein sind Allwetterreifen für Klein- und Kompaktwagen mit eher wenigen PS geeignet. Einen schweren Kombi oder einen dicken SUV solltest du damit nicht ausstatten. Auch wenn du oft lange Strecken mit hohen Geschwindigkeiten fährst, bist du mit reinen Sommer- oder Winterreifen sicherer unterwegs.

Mit welchen Reifen du mehr sparst

Für 60 bis 70 Euro bekommst du einen ordentlichen Winter- oder Sommerreifen. "Im Vergleich dazu sind die Allwetterreifen vom gleichen Hersteller immer ein bisschen teurer. Aber das holen sie eben durch den gesparten zweiten Reifensatz und den Reifenwechsel zweimal im Jahr schnell wieder rein", erklärt der Experte. Du sparst also erstens ab 240 Euro für einen zweiten Reifensatz und zwischen rund 20 und 100 Euro für Reifenwechsel und Einlagerung in der Werkstatt. Allwetterreifen nutzen sich zwar schneller ab. Im Endeffekt kommst du damit aber günstiger.

Warum der Allwetterreifen die Sicherheit anderer Autoteile beeinflusst

Hast du Sommer- und Winterreifen, solltest du sie jeweils von O bis O (Ostern bis Oktober oder umgekehrt) fahren - so die Faustregel. So ein halbes Jahr ist schnell rum. Wieder Arbeit oder/und Kosten für den Reifentausch. Da sind Allwetterreifen natürlich viel bequemer. Aber: Beim halbjährlichen Reifenwechsel haben du oder die Profis die Chance, sich sicherheitsrelevante Bauteile anzusehen. "Da können Sie gleich einen Blick auf die Bremsen werfen. Sie die Beläge noch dick genug, ist die Bremsscheibe okay oder tropft vielleicht irgendwas", so unser Experte. Auch die Reifen und Felgen selbst werden so zwangsweise mit gecheckt. Stimmt die Profiltiefe noch, muss das Rad eventuell ausgewuchtet werden, was ist mit dem Reifendruck? All das kann bei der Dauernutzung des Allwetterreifens schnell unter den Tisch fallen. 

Und das ganze Jahr einfach Winterreifen fahren?

Das ist vom Gesetzgeber her nicht verboten, macht aber keinen Sinn und ist schon gar nicht sicher. Nach einem Bremstest des ADAC aus 100km/h, brauchten Winterreifen im Sommer bis zu 16 Meter mehr Bremsweg. Außerdem schwimmen Winterreifen bei einem starken Sommerregen viel schneller auf.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps