Wie du Abofallen auf dem Handy vermeidest und sicher wieder rauskommst

Es genügt das An- oder Wegklicken einer Werbeanzeige oder gar nur einer Website auf deinem Smartphone. Schon hast du, ohne es zu wissen ein Abo abgeschlossen. Damit du darauf nicht hereinfällst, haben wir hier die wichtigsten Tipps.

Eine Frau bezahlt mit ihrem Handy und einer Kreditkarte 1 min
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MDR JUMP Mo 27.04.2020 10:45Uhr 01:01 min

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So funktioniert die Abofalle

Du merken es meist erst, wenn du eine SMS mit dem Hinweis bekommst, dass du für dein neues Abo nun 5,99 Euro pro Woche zahlen musst. Der Betrag wird ganz einfach auf deine Mobilfunkrechnung draufgeschlagen. Sowas passiert jeden Tag hundertfach ohne, dass die Betroffenen tatsächlich ein Abo für Klingeltöne, Musik-Videos oder ähnliches abgeschlossen haben. Dahinter stecken Betrüger, die per sogenanntem Clickjacking Werbung auf deinem Smartphone platzieren, während du damit im Internet surfst. Das Werbebanner ist aber mit einer Kauf-Internetseite hinterlegt. Die spioniert Ihre Mobilfunknummer inklusive Anbieter aus. Willst du nun das vermeintliche Werbebanner wegklicken, löst du tatsächlich eine Abobestellung aus.

Wer daran verdient

Auf der Rechnung des Mobilfunkbetreibers erscheint oft nur der Name einer Abrechnungsfirma. Diese Firma ist quasi der Mittler zwischen Abobetreiber und Mobilfunkanbieter. Traurig aber wahr: Alle drei verdienen an dem Abo-Betrug, also auch dein Mobilfunkanbieter. Von dem bekommst du in der Regel auch eine zweite Bestätigungs-SMS darüber, dass du ein Abo abgeschlossen hast. Positiv: Du kannst anhand der Abo-Betreiber-Daten meist sofort eine Hotline anrufen und das Abo dort widerrufen beziehungsweise kündigen. Das Geschäftsmodell hat sich aber trotz der sofortigen Kündigung in den letzten Jahren für die Betrüger gelohnt. Täglich werden hunderte solcher Abofallen gestellt. Wenn jede/r Betroffene wenigstens einmal 5,99 Euro oder mehr zahlt und den Betrag nicht zurückfordert, kommt eine Menge zusammen.

Besserer Schutz seit Februar 2020

Konnten sich die Mobilfunkanbieter bisher dahinter verstecken, dass sie ja nur der Vermittler von Leistungen sind, müssen sie ihre Kunden jetzt besser schützen. Dazu Stefanie Siegert, Expertin der Verbraucherzentrale Sachsen:

Es ist jetzt verpflichtend für Mobilfunkanbieter, das Redirectingverfahren anzubieten. Dadurch können Verbraucher nicht mehr ungewollt so ein Abo abschließen. Vielmehr muss vor jedem Abschluss auf einer extra Seite klargemacht werden, dass jetzt ein verpflichtender Vertrag eingegangen wird.

Ein einfacher Klick auf einen Button reicht also für den Abschluss eines Abos nicht mehr aus. Dem Kunden muss jetzt klargemacht werden, dass er mit dem nächsten Klick einen bezahlungspflichtigen Vorgang auslöst. Mobilfunkanbieter, die dieses Verfahren nicht einrichten, müssen ihren Kunden einen sogenannte Mobilfunkgarantie bieten. Die sorgt unter anderem dafür, dass Kunden ihr Geld aus einer Abofalle zurückbekommen.

So beugst du vor

Damit niemand ungewollt Geld über deine Mobilfunkabrechnung von dir abzockt, kannst du eine sogenannte Drittanbietersperre einrichten. Oftmals wird aber gewarnt, es sei kompliziert und die Anwendungsmöglichkeiten des Handy würden dadurch eingeschränkt. Unsere Expertin widerspricht dem:

Das geht ja ganz einfach bei Ihrem Mobilfunkanbieter per Anruf, Mail oder auch in Ihrem Nutzerzugang. Und Sie sperren dort ja nur, dass Sie über die Mobilfunkrechnung keine kostenpflichtigen Leistungen Dritter in Anspruch nehmen möchten.

Stefanie Siegert

Außerdem kannst du auch individuelle Teilbereiche sperren, wie Klingeltöne, Ticketdienste oder Streaming-Angebote. Das bezahlen mit dem Smartphone an Tankstelle oder Supermarktkasse bleibt davon völlig unberührt. Auch Einkaufen per Lastschrift oder Kreditkarte ist weiterhin problemlos möglich.

Was tun, wenn's passiert ist?

Zuerst sollten Sie den vermeintlichen Abo-Vertrag sofort kündigen. Dann setzten Sie Ihren Mobilfunkanbieter in Kenntnis, dass Sie so ein Abo nicht abgeschlossen haben. Auf jeden Fall müssen Sie aktiv werden.

Stefanie Siegert

Denn wer nichts macht, läuft Gefahr, immer größere Rechnungssummen anzuhäufen. Gerade wenn die Abo-Betrüger noch Inkassobüros zum Geldeintreiben engagieren. Werde also wie folgt aktiv:

  1. Über Info-SMS oder die Rechnung findest du heraus, wer dir ein Abo aufdrücken will.
  2. Du widerrufst und/oder kündigst dort per Hotline oder besser noch per Einschreiben mit Rückantwort mit sofortiger Wirkung das Abo und den damit vermeintlich vorliegenden Vertrag. Das geht ganz einfach per Musterbrief. Am besten geht der auch gleich noch an deinen Mobilfunkanbieter raus.
  3. Beim Mobilfunkanbieter beanstandest du die Rechnung und forderst den zu viel gezahlten Betrag zurück. Du kannst auch gleich die ganze Rechnung zurückbuchen. Wichtig dabei: Du musst unbedingt den normalen Teil deiner Rechnung sofort begleichen. Sonst könnte dir der Anbieter den Telefonvertrag kündigen.

Sonderfall Streaming-Falle

Besonders in der aktuellen Corona-Virus-Situation, wo aufgrund von Schutzmaßnahmen viele Menschen lange Zeit zuhause verbringen, wird vermehrt auf Streaming Dienste zur Unterhaltung gesetzt. Achtung: Abzocker versprechen dir hier nach einer einfachen Registrierung  zum Beispiel fünf Tage kostenloses Streaming. In der Praxis funktionieren die Angebote dann oft nicht. Dafür gibt’s nach den fünf kostenlosen Tagen dann ein teures Jahresabo, das für den Nutzer so niemals zu erkennen war. Die Betrüger drohen gleich bei Nichtbezahlung mit Inkassodiensten. Lass dich von solchen Drohungen nicht beeindrucken. Melde die Betrüger den Verbraucherzentralen oder/und der Bundesnetzagentur. Denn: Wenn du nicht ausdrücklich ein Abo bestellt hast, musst du es auch nicht bezahlen!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. April 2020 | 02:10 Uhr

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