Reiseversicherungen: Welche sind wichtig, welche überflüssig?

04.02.2019 | 15:43 Uhr

Eltern mit einem Kind im Badeurlaub 1 min
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MDR JUMP Di 05.02.2019 10:45Uhr 01:06 min

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Reiseversicherungen sollen einspringen, wenn ein Notfall in der Familie den Urlaub verhindert, ein Kind im Auslandsurlaub krank wird oder die Koffer gestohlen werden. Häufig gibt es gleich mehrere Reiseversicherungen in so genannten "Sorglos-Paketen" oder "Rundum-Versichert-Paketen". Die Pakete enthalten aber oft überflüssige Absicherungen, bei vielen Policen sind Lücken im Kleingedruckten. Wir geben Tipps, welche Versicherungen für den nächsten Urlaub wichtig sind, wo man sie am günstigsten abschließt und worauf man in den Kleingedruckten achten kann.  

Auslandskrankenversicherung

Das ist die wichtigste Reiseversicherung: Sie zahlt für Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte im Ausland. Marie Schlicker von Stiftung Warentest sagte MDR JUMP:

Marie Schlicker, Stiftung Warentest
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Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur einige Arzt- und Krankheitskosten und das auch nur in der EU und in Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. In anderen Ländern zahlt sie gar nichts.

Gute Auslandskrankenversicherungen gebe es für Alleinreisende schon ab zehn Euro im Jahr. Policen für Familien sind nur ein paar Euro teurer.

Die Fallen im Kleingedruckten  

Die Auslandskrankenversicherer kümmern sich im Notfall auch um den Rücktransport von erkrankten oder verunglückten Urlaubern. Bei diesem Punkt sollte man aber genau in den Bedingungen der Versicherung nachlesen. Heißt es dort beim Rücktransport "medizinisch notwendig", dann stehen die Chancen auf einen Ambulanzflieger schlecht.

Diese Transporte werden nur gewährt, wenn ich etwa im Urlaubsland eine OP nicht bekommen kann oder die zu teuer sind.

Besser sollte die Klausel lauten: "medizinisch sinnvoll". Dann werden Patienten schon nach Hause geflogen, weil sie etwa die Landessprache nicht verstehen oder eine Genesung im Ausland außerhalb der gewohnten Umgebung ihnen nicht zugemutet werden kann. Ebenfalls im Kleingedruckten findet sich oft die so genannte Vorerkrankungsklausel. Manchmal schreiben Versicherer dort rein, dass sie im Urlaub anfallende Kosten für Krankheiten, die man schon davor hatte, nicht bezahlen. Gern verwendete Formulierungen sind hier "unvorhergesehen" oder auch "unerwartet". Hier sollten vor allem chronisch Kranke genau nachlesen oder nachfragen.

Außerdem sollte im Ausland der erstmalig notwendige provisorische Zahnersatz mitversichert sein.

Reiserücktrittsversicherung

Die Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen springen ein, wenn man etwa wegen einer Krankheit oder anderen gravierenden Gründen die Reise komplett absagen muss. Dann werden die Stornierungskosten übernommen, die wenige Tage vor Urlaubsbeginn sogar mehr als 75 Prozent des Reisepreises betragen können. Marie Schlicker sagte MDR JUMP:

Die Versicherung ist gerade bei teuren und lang im Voraus gebuchten Reisen zu empfehlen. Und auch dann, wenn Kinder oder Senioren mitreisen. Die sind meist krankheitsanfälliger.

Die Preise der Policen richten sich nach dem Reisepreis, gute Versicherungen gibt es für Reisen schon ab wenigen Euro. Stiftung Warentest empfiehlt, in Kombination mit einer Reiserücktrittsversicherung gleich auch noch eine Reiseabbruchversicherung abzuschließen.

Die übernimmt Umbuchungskosten, beispielsweise bei vorzeitiger Rückreise und die meisten Anbieter erstatten im Ernstfall auch die Mehrkosten für einen eventuell längeren Aufenthalt. Bezahlt werden auch nicht genutzte Reiseleistungen.

Bei Rücktrittsgründen genau nachlesen

Reisende sollten vor Abschluss der Versicherung im Kleingedruckten nachsehen, welche Rücktrittsgründe versichert sind. Die üblichen sind eine unerwartete Krankheit, ein Unfall oder der Tod eines nahen Angehörigen.

Auch Schwangerschaften, ein Arbeitsplatzverlust und –wechsel, Schäden am Eigentum wie ein Brand am Haus sollten abgesichert sein.

Flugangst ist in der Regel kein Rücktrittsgrund, genauso wenig wie ein vergessenes Visum oder schwere Vorerkrankungen, die man der Versicherung verschwiegen hat.

Versichert sein sollten neben den Angehörigen, dem Lebenspartner möglichst auch Mitreisende. Stiftung Warentest rät, bei Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherung jeweils Policen ohne Selbstbeteiligung zu wählen. Die kann bis zu 20 Prozent der Stornokosten betragen. Grundsätzlich sollten Reisende die Versicherungen nicht gleich mit der Reise buchen, sondern zu Hause das Kleingedruckte in Ruhe lesen. Die Policen können direkt beim Versicherer angefordert und dort auch gebucht werden. Dafür sei häufig bis 30 Tage vor Abreise Zeit. Man sollte sich aber vorab informieren, ob nur ein bestimmter Abstand zwischen der Unterschrift im Reisebüro oder dem Häkchen online und dem Abschluss der Versicherung liegen darf. Manche Anbieter erlauben hier nur maximal 14 Tage "Bedenkzeit", andere erlauben bis zu 42 Tage.

Reisegepäckversicherung

Diese Versicherung ist vergleichsweise teuer und leistet gleichzeitig nur unter strengen Auflagen.

Zum Beispiel muss ich Wertgegenstände manchmal direkt am Körper tragen.

Kofferpacken mit der Familie. Immer ein Traum!
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Stiftung Warentest sieht die Versicherung auch deshalb nicht als notwendig an. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch das unabhängige Verbrauchermagazin Finanztip. Zudem sind in manchen Hausratversicherungen auch schon auf Reisen gestohlene Koffer und Wertgegenstände abgesichert. Nach dieser so genannten "Außenversicherung" kann man in den Bedingungen der Hausratversicherung suchen. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter haften auch für verlorenes und beschädigtes Gepäck.

Die Versicherung kann aber sinnvoll bei einigen Bus- oder Schiffsreisen sein. Da ist die Haftung nicht so klar geregelt wie bei Flügen.

Überflüssige Versicherungen

Unter dem Label "Reiseversicherung" wird oft gleich noch ein ganzer Strauß von Policen für den Urlaub angeboten. Dazu gehört ein Umbuchungsgebühren-Schutz, der aber meist schon in den umfangreicheren Reiseabbruchversicherungen enthalten ist. Zudem wollen einige Anbieter Urlauber vor finanziellen Risiken schützen, wenn diese auf Reisen andere verletzen oder deren Eigentum beschädigen (Reisehaftpflicht). Auch bei Unfällen im Urlaub mit dauerhaften Folgen sollen die Versicherten vor großen Kosten geschützt sein (Reiseunfallversicherung).

Eine Unfallversicherung oder eine Haftpflicht kann ich aber auch generell abschließen und die gilt dann nicht nur für den Urlaub sondern immer und weltweit.

Mietwagenversicherungen wiederum können sinnvoll sein, wenn im Auslandsurlaub ein Auto benötigt wird. Die sollten Urlauber in Deutschland abschließen und darauf achten, dass kein Selbstbehalt fällig wird und die Deckungssumme bei der Haftpflicht mindestens eine Millionen Euro beträgt.

Rundum-Sorglos-Pakete

Viele Urlaubs- und Flugportale im Internet bieten Rundum-Sorglos-Pakete mit einer ganzen Reihe von Reiseversicherungen an. Stiftung Warentest rät von diesen Pakete ab, weil sie zum einen oft überflüssige Versicherungen wie eine Haftpflicht für den Urlaub oder eine Reisegepäckabsicherung enthalten. Stiftung Warentest Expertin Schlicker sagt:

Zum anderen kann sich die Qualität der einzelnen Versicherungen sehr stark unterscheiden und meine Auswahl- und Vergleichsmöglichkeiten, die sind meist nur auf einen Tarif beschränkt.

Sie rät daher, Reise und Versicherungen separat zu buchen und das Häkchen nicht bei den Sorglos-Paketen zu setzen.

Häufig sind das auch Jahresverträge und das merkt man als Kunde oft gar nicht. Dann gilt der Schutz für ein Jahr und nicht nur für die Reise und das wird dann auch automatisch verlängert, wenn ich nicht kündige.

Reiseschutz über die Kreditkarte

Bei vielen Kreditkarten mit einer Jahresgebühr sind bei den Extras häufig auch Reiseversicherungen enthalten. Diese Angebote konnten im aktuellen Test von Stiftung Warentest nicht überzeugen.

Die Versicherungen für die Reise bieten zum Beispiel keinen umfassenden Schutz. Zudem gilt der in der Regel nur, wenn ich die Reise vollständig mit meiner Kreditkarte bezahlt habe. Eine Anzahlung reicht da oft nicht.

Reisende müssten zudem vorher nachlesen, ob der Reiseschutz der Kreditkartenanbieter nur für den Karteninhaber oder auch die Familie oder Mitreisende gilt. Häufig wird zudem auch eine Selbstbeteiligung im Versicherungsfall fällig. Stiftung Warentest rät daher, auf eine günstige Standart-Kreditkarte ohne Reiseextras zu setzen und parallel gute Reiseversicherungen abzuschließen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 15:43 Uhr

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