Welche Medikamente und Hausmittel helfen gegen Sodbrennen?

Ca. 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Sodbrennen. Das Brennen in der Brust ist unangenehm und kann im Laufe der Zeit zu einer ernsthaften Erkrankung führen. Wir erklären, was wirklich gegen das lästige saure Aufstoßen hilft und wie man Sodbrennen vorbeugen kann.

Themenbild Sodbrennen - Ein Mann greift sich röchelnd an die Brust. 1 min
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MDR JUMP Di 09.02.2021 10:45Uhr 01:11 min

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Wie entsteht Sodbrennen?

Nach üppigem Essen, reichlich Alkohol oder auch bei Stress und dem hektisch runtergeschlungenem Mittagessen, kann es zu einem unangenehmen Aufstoßen und saurem Geschmack im Mund kommen. Dazu noch ein Brennen in Hals und Speiseröhre. Auch Kaffee, Rauchen, Zitrusfrüchte, verschiedene Medikamente und Krankheiten  können zu einer vermehrten Säureproduktion im Magen führen. Dieses Säurebad ist auch wichtig, damit wir unser Essen verdauen können. Im Normalfall verhindert ein Schließmuskel am Eingang des Magens, dass die Säure in die Speiseröhre gelangt. Ist der Muskel schwach oder defekt oder wird im Magen ständig zuviel Säure gebildet, dann gelangt diese in die Speiseröhre und es kommt zum Sodbrennen.

Wann wird Sodbrennen gefährlich?

Gelegentliches Sodbrennen ist kein Problem, der Körper kann mit der von ihm produzierten Säure ganz gut umgehen. Allerdings ist nur der Magen mit seiner speziellen Schleimhaut auf Dauerbelastung eingestellt. Kommt die Speiseröhre ständig in Kontakt mit der Säure, weil der Schließmuskel nicht richtig funktioniert, spricht man von einer Refluxkrankheit. Und bei der kann die aufsteigende Säure die Schleimhaut in der Speiseröhre auf Dauer ernsthaft schädigen. Zuerst entzündet sie sich, Ösophagitis genannt. Und wird diese Entzündung wiederum chronisch, können sich Zellen verändern und das kann schließlich sogar zu Krebs führen. Etwa 8000 Menschen bekommen so einen Speiseröhrenkrebs jährlich in Deutschland.

Was untersucht der Arzt?

Wer dauerhaft oder häufig unter Sodbrennen leidet, sollte zum Arzt gehen. Der untersucht die Speiseröhre mit einem Endoskop. Bei dieser Spiegelung kann auch Gewebe entnommen und untersucht werden, wie stark welche Teile Ihrer Speiseröhre vom Sodbrennen betroffen und eventuell schon erkrankt sind. Der Arzt wird auch entscheiden, wie das Sodbrennen zu behandeln ist. Zwar gibt es mittlerweile auch viele frei verkäufliche Medikamente, die das Brennen stoppen oder den „Magen aufräumen. Das ist aber nichts für den Dauergebrauch.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt drei Medikamentengruppen, die freiverkäuflich sind und ganz unterschiedlich helfen:

  • Säureblocker auch Protonenpumpeninhibitoren (PPI) unterdrücken die Bildung von Magensäure. Richtig eingenommen, kann man sie über Jahre verwenden. Allerdings haben sie verschiedene, zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen. Und sie dürfen auf keinen Fall unkontrolliert abgesetzt werden, da es sonst zu einer überschießenden Magensäurebildung kommen kann.
  • H2-Antihistaminika, auch H2-Blocker senken die Säuremenge im Magen und lindern so Beschwerden in Magen und Speiseröhre. Auch hier ist eine kontrollierte und sorgsame Einnahme wichtig.
  • Antazida sind Mittel, welche die Säure im Magen binden und neutralisieren.

Wichtig bei allen Medikamenten: Am besten vorher den Hausarzt kontaktieren und die Einnahme abklären lassen. Nur er kann auf Dauer beurteilen, welche Wirkungen und Nebenwirkungen die Mittel entfalten. Immer öfter werden gerade Säureblocker rein vorsorglich bei üppigen Festtagsessen eingenommen, solch eine Selbstmedikation ist nicht zu empfehlen.

Sollten Medikamente keine Erfolge bringen, gibt es verschiedene OP-Verfahren:

  • Bei der Manschetten-OP wird eine Art Manschettenband um die Speiseröhre gelegt und der Schließmuskel somit verstärkt. Säure aus dem Magen gelangt nicht mehr in die Speiseröhre.
  • Bei der Magnetband-OP wird mit dem gleichen Ziel ein Magnetband um den Schließmuskel gelegt.

Bei der Schrittmacher-OP werden Elektroden an den Schließmuskel des Mageneingangs angeschlossen und ein Schrittmacher eingesetzt. Der hilft dem Schließmuskel, sich zusammenzuziehen.

Welche Hausmittel helfen?

Soda
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Bei gelegentlichem Sodbrennen helfen Mittel, die die Säure im Magen binden, beziehungsweise sie aus der Speiseröhre fernhalten. Dazu zählen Milch, Kamillen-, Fenchel- und Kümmeltee. Auch Haferflocken sind ein gutes Mittel. Die enthaltene Stärke und das Eiweiß binden Magensäure. Kartoffelsaft ist ein natürlicher Säureblocker und ganz einfach durch das Zerreiben einer rohen Kartoffel zu gewinnen. Die Stärke in der Kartoffel geht dann gegen die Säure vor. Heilerde kann ebenso helfen. Wie ein Schwamm soll sie überschüssige Säure binden und abtransportieren. Das wirkt allerdings nicht sofort, sondern nur über einen längeren Behandlungszeitraum. Auch Natron gilt als altbewährtes Mittel gegen Sodbrennen. Aber nicht zu häufig verwenden, das kann den pH-Wert des Körpers durcheinander bringen. Manchmal hilft auch schon ein Glas lauwarmes, stilles Wasser gegen Sodbrennen.

Wie kann man Sodbrennen vorbeugen?

Der beste Rat ist auf die Lebens- und Genussmittel zu verzichten, die Sodbrennen fördern: Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Getränke mit viel Kohlensäure und schließlich auch fettige und süße Speisen. Statt 3 große Mahlzeiten, sollten man lieber 5 kleine zu sich nehmen und 2 Stunden vor dem Schlafengehen gar nichts mehr essen.

Neben der richtigen Ernährung ist vor allem ein gesunder, möglichst entspannter Lebensstil von Vorteil. Grundsätzlich tut Bewegung dem Magen gut, doch häufig wird Sodbrennen von einigen Sportarten begünstigt, z.B. Joggen oder Gewichtheben. Stattdessen lieber Nordic Walking oder Radfahren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Februar 2021 | 10:45 Uhr

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