Geschenk-Umtausch in Corona-Zeiten: Auf diese Regeln kannst du dich berufen

Auch in diesen besonderen Zeiten liegt hinter den Meisten sicherlich ein kleiner Geschenkemarathon. Schließlich sollte niemand in den letzten Tagen leer ausgehen. Doch was tun, mit Geschenken die niemand braucht? Die unliebsamen Präsente könnten immerhin umgetauscht werden. Auf welche Regeln du dich dabei in Pandemie-Zeiten berufen kannst – haben wir für dich recherchiert.

Eine Frau und ein Mann sitzen mit ihren Weihnachtsgeschenken auf dem Sofa und spielen sich Freude vor. Er hält ein paar graue Socken hoch, sie hält auf ihrem Schoß einen Toaster. 1 min
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MDR JUMP Mo 28.12.2020 10:45Uhr 01:01 min

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Im Geschäft: Händler sehr kulant

Viele Kunden haben sich durch das Onlineshopping an eine Art Umtauschrecht gewöhnt. Zahlreiche "herkömmliche" Geschäfte kommen dieser Erwartung auch nach. Das zeigte zuletzt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (kurz: HDE, Umfrage von 2015). Danach waren mehr als 90 Prozent der Befragten zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Reaktion der Händler, wenn ungeliebte Ware umgetauscht werden sollte. Diese Quote wurde im Übrigen auf das ganze Jahr erhoben und gilt daher nicht nur für das Weihnachtsgeschäft. Allerdings gilt auch weiterhin, im stationären Handel gibt es kein automatisches Umtauschrecht, sagt MDR JUMP-Rechtsexperte Thomas Kinschewski:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Da besteht ja der weit verbreitete Irrglaube, ich kann einfach ins Geschäft gehen und sagen, dass mir etwas nicht gefällt. Das stimmt so nicht. Ich bin da auf die Kulanz der Händler angewiesen. Und die großen Kaufhäuser und Anbieter sind ja in der Krise jetzt möglichst großzügig.

Heißt: Wer als Kunde nach dem Lockdown Ware umtauschen lassen will, sollte nachfragen ob das möglich ist. Die meisten Händler haben damit kein Problem. Schließlich bleibt dabei meist das Geld beim Verkäufer. Stichwort: Kulanz. Rechtsexperte Kinschewski:

Der Einzelhandel ist ja auf die Kunden angewiesen. Und da weiß man genau: Wenn man auf Umtauschfristen beharrt, dann kommt der Kunde nicht wieder.

Beim Kauf vor Ort: Nachfragen, nachlesen, zusichern lassen

Ob, für wie lange und auch zu welchen Bedingungen Händler das Umtauschen zulassen, erfahren Kunden über entsprechende Aufdrucke auf dem Kassenbon, Aushänge im Geschäft oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Weisen im Geschäft Schilder darauf hin, dass ein "Umtausch ausgepackter Ware ausgeschlossen" sei, können aus Sicht von Juristen Kunden zumindest originalverpackte Geschenke zurückgeben. Wer ganz sicher gehen will, kann sich das Ganze vom Händler noch einmal schriftlich zusichern lassen, etwa über einen Hinweis auf dem Kassenzettel. Auf eine Art Gewohnheitsrecht sollten sich Kunden besser nicht verlassen.

In der Filiale: "Nur gegen Kassenbon, nur im Tausch gegen Gutschein"

Weil der Umtausch eine freiwillige Leistung der Geschäfte und keine rechtlich bindende Vorgabe ist, dürfen die Händler auch die Bedingungen festlegen. Sie können etwa vorgeben, für wie viele Wochen nach Heiligabend der Umtausch möglich ist und dass die Ware nur mit zugehörigem Kassenbon zurückgenommen wird. Ebenso kann bestimmt werden, dass der Kaufpreis für Pullover, Spielekonsole oder Schmuck nicht in bar, sondern nur als Gutschein für einen weiteren Einkauf erstattet wird.

Außerdem könne etwa eine Warenhauskette regeln, ob ein in Dresden gekauftes Geschenk auch in einer Magdeburger Filiale umgetauscht wird oder nicht. Auch für die Verpackung darf der Händler bei einem Umtausch Vorgaben machen.

Darauf muss dann im Ernstfall an Heiligabend geachtet werden. Werden beim Kauf vom Händler gar keine Vorgaben für den Umtausch gemacht, können diese aus Sicht von Juristen sogar im Moment des Umtauschs noch festgelegt werden. Wer sich davor schützen will, lässt sich zukünftig am besten alles Wichtige auf dem Kassenbon festschreiben, sagen Verbraucherschützer.

Online-Shop: Umtausch gesetzlich geregelt

Ein Geschenk auf einer Tastatur
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Bestellungen im Internet zählen als Fernabsatzgeschäfte. Für diese gelten rechtliche Regelungen zur Rückgabe, weil sich der Kunde nicht wie im Geschäft vor dem Kauf genau über die Beschaffenheit eines Produkts informieren kann. Deshalb gewährt der Gesetzgeber 14 Tage Zeit ab Erhalt des Pakets, um die Ware zu prüfen. Die kann dann ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Viele Versandhändler haben diese Frist während des Lockdowns verlängert, so dass die Produkte auch nach Ablauf dieser gesetzlichen Frist zurückgegeben werden können. Das Widerrufsrecht haben Kunden aber immer nur beim Kauf von einem Händler. Für einen Kauf von "privat" gilt es nicht.

Online-Kauf: Feiertage verlängern Frist in der Regel nicht

Die gesetzlich geregelte 14-Tages-Frist kann in der hektischen Weihnachtszeit schnell verstreichen. Sie wird auch nicht durch Weihnachtsfeiertage und Neujahr automatisch verlängert.

Einzige Ausnahme: Wenn der letzte Tag ausgerechnet auf einen Feiertag fällt. Dann hat man noch einen Tag mehr, die Sache zu testen. Dann muss man aber drauf achten, dass man dann am ersten Tag, der kein Feiertag ist, auch entsprechend den Widerruf erklärt.

Online gekauft: Wer bezahlt die Kosten fürs Rücksenden?

Seit einigen Jahren gelten neue Regeln für das Rücksenden von online gekaufter Ware. Bis Mitte 2014 mussten Händler die Rücksendekosten übernehmen, wenn der Wert der zurückgeschickten Waren 40 Euro überstieg. Nach der Neuregelung dürfen Onlineshops die Rücksendekosten immer vom Kunden einfordern. Darüber und über weitere Folgen des Widerrufs müssen Kunden aber vor dem Kauf ordentlich sichtbar belehrt werden. Unterbleibt das, muss der Onlineshop die Kosten übernehmen. Dafür müssen die Händler den Kunden ein Formular zur Verfügung stellen. Auch ein Widerruf am Telefon ist möglich.

Extra: Gesetzliche Gewährleistung gilt unabhängig von Regelungen für Umtausch

Egal, ob persönlich im Geschäft oder via Internet erworben: Sollte ein Geschenk einen Mangel aufweisen, darf der Käufer den Artikel zurückzugeben. Hier greift das Gewährleistungsrecht. Aber Achtung: Nur wenn ein Mangel in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf auftritt, gilt die Vermutung, dass der Fehler bereits beim Kauf vorgelegen hat. Zeigt sich der Mangel erst innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist, ist es Sache des Käufers, zu beweisen, dass er die Ware bereits fehlerhaft erhalten hat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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