Das richtige Festessen fürs Haustier: So kann man seinem Liebling wirklich was Gutes tun

Gans mit Rotkohl, leckerer Braten mit Klößen, Stollen und selbstgemachte Plätzchen: Leckeres Essen gehört zum Weihnachtsfest einfach dazu. Viele Haustierbesitzer wollen ihrem Liebling dann auch ein paar Köstlichkeiten gönnen.

Schwarzer Hund mit Weihnachtsknochen 1 min
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MDR JUMP Mi 23.12.2020 10:45Uhr 01:06 min

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Viele Weihnachtsköstlichkeiten der Menschen verursachen Haustieren Probleme

Was uns zum Fest besonders gut schmeckt, kann für unsere Katzen oder Hunde unverträglich oder sogar lebensbedrohlich sein. Der Leipziger Tierarzt Mirco Stemann rät daher davon ab, Haustieren mit Resten vom Weihnachtsmahl zu füttern:

Tierarzt Mirco Stemann
Der Leipziger Tierarzt Mirco Stemann kümmert sich in seinem Beruf nicht nur um Haustiere. Bildrechte: Mirco Stemann/Privat

Nüsse etwa führen bei Tieren recht häufig zu Allergien, haben viel Phosphor, Schimmelsporen sind oft drin. Bei den Plätzchen kann wie bei uns Menschen auch roher Teig zu Magen-Darm-Unverträglichkeiten führen. In den Rosinen im Stollen oder im Rotkohl ist viel Oxalsäure drin, die zu starken Blähungen und Krämpfen im Magen und Darm des Tieres führen kann.

Die Weihnachtsgans sei oft sehr stark gewürzt und salzig. Auch das sei nicht gut für die Haustiere. Die Knochen des Vogels splittern zudem und können dann zu lebensbedrohlichen Verletzungen im Verdauungstrakt der Tiere führen. Zartbitter-Schokolade wiederum enthält Theobromin: Der anregende Stoff ist für Menschen völlig harmlos, kann aber bei Hunden und Katzen zu Vergiftungen und Herzproblemen führen.

Man muss jetzt nicht in Panik geraten, wenn das Tier was stibitzt, was vom Tisch gefallen ist. Eine Rosine zum Beispiel. Oder wenn der Hund den Vollmilchschokoladen-Nikolaus plündert. Das bringt den nicht um. Aber bei Tieren mit Vorerkrankungen oder mit wenig Körpergewicht, bei Katzen, kleinen Hunden, Welpen – da sollte man schon vorsichtig sein.

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aus dem Tierheim Plauen

Wie beim Menschen: Auch Tieren schlägt Essen und Feiertagsstress auf den Magen

Tierarzt Mirco Stemann arbeitet in Leipzig in der Praxis Fabritius. Dorthin kämen über die Festtage verstärkt Tierbesitzer mit ihren Lieblingen: Entweder, weil diese den Stress der Weihnachtstage nicht gut verkraften oder etwas Falsches gefressen haben.

Da kann man als Tierarzt dann sehen, ob man dem Tier Infusionen geben muss, das Tier erbrechen lassen muss. Grade bei der Zartbitterschokolade.

Der Tierarzt hat einen Tipp für die Zeiten, in denen es aus der Küche besonders gut duftet:

Wenn das Tier dann bettelt, muss man wirklich hart bleiben und eher versuchen, es abzulenken. Mit einem größeren Spaziergang mit dem Hund, das Tier etwas müde machen, viel mit ihm spielen. Ich würde auch immer die normalen Fresszeiten einhalten und nicht zwischendurch was vom Backofen aus der Küche abgeben.

Am besten mit den gut getesteten Leckerlis glücklich machen

Wer seinem Tier zum Fest ein Weihnachtsmenü gönnen möchte, kann das aus Sicht von Tierarzt Stemann gern zubereiten:

Dann würde ich aber die Zutaten, Inhaltsstoffe und Lebensmittel verwenden, die mein Hund, meine Katze oder mein Haustier das ganze Jahr über bekommt. Von denen ich weiß: Die vertragen sie gut. Ich würde zu Weihnachten keine großen Experimente machen.

Das heißt auch: Wer Leckerlis für die Lieblinge kaufen will, sollte besser auf Bewährtes zurückgreifen. Wellensittichen etwa können deren Besitzer eine Freude mit etwas frischem Grün machen. Das findet man zumindest in den Jahren ohne Schnee auch zum Fest noch am Wegesrand. Vogelmiere beispielsweise kann man auch im Dezember noch ernten.

Ein Labrador freut sich auch über eine Karotte. Und der Katze kann ich vielleicht alternativ eine Spielzeugmaus besorgen. Das Spielzeug kann ich dann noch mit Katzenminze bestreuen. Das schadet dem Tier nicht und regt es einfach auch zu höheren Spielverhalten. Katzen stehen wirklich auf den Geruch von der Minze.

Besonders bei exotischen Haustieren würde Mirco Stemann von allem abraten, was im Futternapf nicht schon "gut getestet" ist.

Exoten sind tatsächlich ganz schön große Futterspezialisten und man kann da mit dem Futter ordentlich Probleme hervorrufen.

Wer dann wirklich Geld ausgeben wolle, könne das besser in eine neue UV-Lampe investieren.

Besonders bei den Reptilien ist der Hauptvorstellungsgrund in den Praxen, dass zu wenig UV-Licht abgegeben wurde. Und das kann zu starken Haltungsveränderungen führen.

"Etwas ganz Besonders zum Fest für Ihren Liebling"

Die Betreiber von Zoohandlungen, Shops für Tierfutter oder auch Supermärkte wissen, dass viele Haustierbesitzer ihren Tieren zu Weihnachten etwas Gutes tun wollen. Dann gibt es kleine, festlich aufbereitete Menüs für die Katze oder aufwendig verpackte Leckereien für den Hund.

Bei diesen Waren fällt auf, dass die vor allem für den Menschen attraktiv gemacht werden. Also einfach schöner verpackt werden. Vielleicht ist dann ein Hund mit einer Weihnachtsmütze drauf. Das ist dem Tier selbst aber ziemlich egal. Oft ist dasselbe Leckerli, was man sonst auch überall das ganze Jahr über bekommt. Einfach nur anders verpackt!

Das Geld dafür müssen Haustierbesitzer also nicht unbedingt ausgeben. Auch nicht für spezielle Hundeschokolade oder "tiergerechte" Weihnachtskekse, die vor dem Fest angeboten werden.

Diese Schokolade ist besser für die Tiere als unsere normale Schokolade. Da ist weniger Theobromin drin, aber da ist immer noch was drin. Plus Zucker, Milchprodukte und Fett Das sollte daher nicht als tägliches Leckerli verwendet werden.

Wer seinem Haustier zum Fest wirklich etwas Gutes tun möchte, kann ihm etwas ganz Wichtiges schenken: Zeit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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