Was ist auf Balkon und Terrasse erlaubt?

17.04.2020 | 02:10 Uhr

Wenn die Temperaturen wieder steigen, locken Garten, die heimische Terrasse oder der Balkon: Es werden Sonnenschirm, Tische und Stühle rausgeholt und oft auch der Grill aufgestellt. Des einen Freud, des anderen Leid: Toleranzgrenzen der Nachbarn können eng bemessen sein. Auf Balkon und Terrasse erlaubt das Mietrecht allerdings mehr, als so mancher so denkt. Welche Rechte habe ich als Mieter, welche Beeinträchtigungen muss ich als Nachbar hinnehmen?

Ein Mann sitzt auf dem Balkon uns liest 1 min
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MDR JUMP Fr 17.04.2020 02:10Uhr 01:12 min

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Grundsätzlich gilt, der Mieter darf über seinen Balkon oder Terrasse im üblichen Rahmen frei verfügen. Nach Belieben können dort Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirm bzw. Sichtschutz aufgestellt werden. Allerdings sollte nichts, was draußen steht, über die Brüstung hinausragen. Damit von seinem Balkon oder seiner Terrasse keine Gefahr für Andere ausgeht.

Die Grenze der freien Verfügung ist erreicht bei Verletzung der Rechte des Hauseigentümers, etwa wenn in die Bausubstanz eingegriffen wird, oder bei massiver Störung der Nachbarschaft.

Darf ich bauliche Veränderungen vornehmen?

Das Anbringen einer Markise, eines Rankgitters oder einer festen Wäschetrockenvorrichtung muss vom Vermieter genehmigt werden. Dies gilt auch für die Installation eines großen Katzennetzes, das fest mit dem Gebäude verbunden ist. All dies bedeutet nämlich einen Eingriff in die Bausubstanz.

Über den ganzen Balkon einen Vorhang oder eine Verglasung anzubringen ist in der Regel auch nicht möglich. Das feste Installieren einer Satellitenschüssel gehört ebenfalls zu den genehmigungspflichtigen Veränderungen.

Was gilt für Blumen und Pflanzen auf dem Balkon?

Nichts spricht gegen die Begrünung des eigenen kleinen Reiches. Wer Blumenkästen aufhängen will, muss diese sorgfältig befestigen und darauf achten, dass die Bepflanzung keine Gefahr für Passanten oder Nachbarn darstellt, beispielsweise bei Sturm. Um an der Außenfassade ein einheitliches Bild zu erreichen, kann bspw. eine Eigentümergemeinschaft beschließen, dass Blumenkästen im Inneren des Balkons angebracht werden müssen. Dies ist dann für alle Mieter bindend.

Aus Rücksicht sollten der Balkon unter ihnen nicht mit Gießwasser überschwemmt werden und keine Pflanzenteile herabregnen. Außerdem sollte der Bewuchs nicht zu sehr über die Brüstung hinauswachsen. Dulden muss der Nachbar jedoch, wenn von oben ein paar Blüten oder Blätter herunterfallen oder manchmal etwas Gießwasser verschüttet wird.

Darf ich auf dem Balkon….

  • …  feiern?

Ein Recht auf Lärm kann niemand für sich in Anspruch nehmen. Hier gelten ausnahmslos die Landesimmissionsschutzgesetze. Wird der Beginn der Nachtruhe überschritten, darf nur noch ganz leise gefeiert werden. Im Zweifel muss die Feier nach innen verlegt und dort bei geschlossenen Fenstern und Türen die Zimmerlautstärke eingehalten werden.

Das gilt auch, wenn du draußen Musik hörst oder Fernsehen schauen willst.

  • … grillen?

Grillen wie die Profis
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Mietvertrag oder Hausordnung können ein generelles Grillverbot regeln. Ein wiederholter Verstoß trotz Abmahnung kann dann zur fristlosen Kündigung führen. Nach Abschluss des Mietvertrags kann der Vermieter aber kein nachträgliches Grillverbot aussprechen, da eine Vertragsänderung nur mit Zustimmung des Mieters zu erfolgen hat.

Liegt kein Verbot vor, kann gegrillt werden, so lange der Rauch vom Grill nicht in die Nachbarwohnung zieht.

Bislang haben deutsche Gerichte Grill-Konflikte sehr unterschiedlich behandelt. Zeitliche Vorgaben, die das Grillvergnügen auf wenige Stunden pro Monat einschränken, sind Einzelfallentscheidungen.

Generell empfiehlt es sich, so rücksichtsvoll wie möglich zu Grillen, um Ärger aus dem Weg zu gehen. Durch die Verwendung eines Elektrogrills, Aluschalen und Folien kann eine Belästigung weitestgehend verhindert werden.

  • … rauchen?

Geschäftmann blickt mit verzerrtem Gesicht auf Zigarette in seiner Hand
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Auch wenn die Luft ohne den rauchenden Nachbar frischer sein könnte, andere Mieter haben keinen grundsätzlichen Anspruch darauf, dass das Rauchen auf Balkonen oder Terrassen unterlassen wird.

Immerhin macht ein Bundesgerichtshofurteil folgende Einschränkung:

Sollte der genervte Nachbar eine wesentliche Beeinträchtigung durch den Zigarettenqualm nachweisen, kann ein zeitlich befristetes Rauchverbot ausgesprochen werden.

Üblicherweise hängen gerichtliche Entscheidungen vom Einzelfall ab. Können sich die Streitbeteiligten nicht einigen, kann im individuellen Falle auch eine Mietminderung in Frage kommen. Bezüglich der Höhe gibt es aber keine allgemeinen Reglungen.

  • … Wäsche trocknen?

Das Trocknen von „kleiner Wäsche“ und das Aufstellen eines Wäscheständers sind selbstverständlich erlaubt. Allerdings gehört der Ständer so gesichert, dass keine Gefährdung von ihm ausgeht.

Probleme entstehen dann, wenn große Wäscheteile wie etwa Laken über die Brüstung hinaus hängen bzw. wehen.

  • … nackt herumlaufen?

Ein Paar beim Kuscheln.
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Als Mieter darf man sich auf Balkon und Terrasse so bewegen oder liegen, wie es einem beliebt. Will man sich den Nachbarn aber nicht zum Feind machen, ist ein kleiner Sichtschutz vielleicht von Vorteil.

  • … Haustiere halten

Haustierhaltung ist nur sehr eingeschränkt möglich. Hunden und Katzen darf kein dauerhaftes Domizil auf Balkonen oder Terrassen zugewiesen werden. Hasen, Hamster oder Meerschweinchen dürfen nur draußen leben, wenn ihr Geruch keine Belästigung für die Nachbarschaft darstellt. Großes Konfliktpotential geht auch von Singvögeln und Sittichen aus. Für deren Gezwitscher muss sich kein Nachbar erwärmen. Kommt es zu Beschwerden, muss Bubi leider drin bleiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. April 2020 | 10:45 Uhr

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