Was bringen Körperfettwaagen?

18.03.2019 | 02:10 Uhr

Mann wiegt sich auf einer Waage 1 min
Bildrechte: imago/PhotoAlto

MDR JUMP Mo 18.03.2019 02:10Uhr 01:01 min

Audio herunterladen [MP3 | 960,8 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,9 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/koerperfettwaagen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Die Fastenzeit ist so gut wie geschafft, der nahende Frühling lockt uns in die Sonne und motiviert, das Sofa gegen Laufschuhe, Fahrrad & co. einzutauschen: Jetzt stellt man sich vielleicht sogar gerne auf die Waage und sieht, dass im Vergleich zu Weihnachten doch alles viel besser ist. Allerdings: Nicht immer purzelt nur das Fett, auch die Muskelmasse kann abnehmen. Gerade Sportler wollen es deshalb oft genauer wissen. Körperfettwaagen können für sie deshalb interessant sein. Doch sind die wirklich genau?

Wie funktionieren Körperfettwaagen?

Das Messverfahren, mit dem handelsübliche Körperfettwaagen, oft auch Körperanalysewaagen genannt, arbeiten, nennt sich "bioelektrische Impedanz-Analyse" und basiert auf physikalischen Prinzipien. Elektroden auf der Waagen-Oberfläche schicken Strom durch unseren Körper – der Impuls ist dabei so schwach, dass wir ihn nicht spüren. Unsere Organe, Knochen, Muskeln und Fett: sie alle leiten den Strom unterschiedlich gut. Muskeln etwa, die aus viel Wasser bestehen, leiten den Strom sehr gut, während unser Körperfett mit geringem Wasseranteil nur schlecht leitet. Fett hat also einen höheren Widerstand als Muskeln – mit diesen Werten kalkuliert die Waage.

Kann man sich auf die Messungen von Körperfettwaagen verlassen?

Einen hundertprozentig genauen Wert können Körperfettwaagen, die nur vom nackten Fuß aus messen, nicht liefern. Das geben sogar die Hersteller solcher Körperfettwaagen zu. Es gehe viel mehr darum, eine Orientierung zu bieten. Die physikalischen Gesetze, die sich die Waage nämlich zu Nutze macht, stellen zugleich ein Problem dar. Denn der Strom sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes, manche Gewebe mit hohem Widerstand kommen bei der Messung also zu kurz. Ein weiterer Effekt: Strom sucht sich auch immer den kürzesten Weg. Von den Füßen geht es also nur das Bein hoch bis zur Hüfte und im anderen Bein wieder zurück zum Messpunkt. Der Oberkörper kommt in der Messung also gar nicht vor. Die Stiftung Warentest kam 2014 in zu dem Ergebnis, dass ein Mensch mit dickem Bauch und schlanken Beinen bei Körperfettwaagen tendenziell also ein gutes Messergebnis bekommt, obwohl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegeben ist.

Und es gibt noch ein weiteres Problem, weiß Kuno Hottenrott von der Universität Halle. Der Professor leitet hier den Arbeitsbereich "Sportmedizin und Trainingswissenschaft". Schon ein Schweißfuß auf der Waage kann durch die erhöhte Leitungsfähigkeit den Messwert erheblich verfälschen:

Trockene oder feuchte Füße, kalte oder erwärmte Muskulatur, Sport, Flüssigkeitsaufnahme, Sauna - all diese Faktoren beeinflussen das Messergebnis erheblich.

Professor Kuno Hottenrott, Leiter des Arbeitsbereichs "Sportmedizin und Trainingswissenschaft" an der Universität Halle

Er empfiehlt deshalb, sich immer in einem ähnlichen Zustand beziehungsweise zu einer ähnlichen Zeit auf die Waage zu stellen:

Am besten immer morgens nach dem Aufstehen und nach dem Gang zur Toilette.

Kuno Hottenrott

Was sagt die Wissenschaft zu Körperfettwaagen?

Aus Sicht der Wissenschaft sind Körperfettwaagen, bei denen nur von den Füßen aus gemessen wird, zu ungenau. Für klinische Anwendungen werden sie deshalb ausdrücklich nicht empfohlen. Für den privaten Gebrauch können sie aber nützlich sein, um die Veränderung über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Wem es also nicht darauf ankommt, den exakten Körperfettanteil zu kennen, sondern zu sehen, ob dieser über einen bestimmten Zeitraum einfach nur zu- oder abnimmt, der kann mit einer solchen Körperfettwaage weiterkommen. Im Handel bekommt man sie schon ab zirka 20 Euro.

Wie kann ich genauer messen?

Fitnesstrainerin und Sportler im Studio
Bildrechte: imago/Panthermedia

Präziser sind die teureren Modelle der Körperfettwaagen, bei denen Elektroden auch an den Händen messen. Dementsprechend wird der Oberkörper mit berücksichtigt, die Messung wird genauer. An der Universität Erlangen-Nürnberg etwa wurde 2011 eine Studie zu Körperfettwaagen, die an Händen und Füßen messen, durchgeführt. Die Wissenschaftler vom Team des Sportökonomen Wolfgang Kemmler kamen zu dem Ergebnis, dass bei verschiedenen Modellen dieser Waagen die Werte jeweils um weniger als zwei Prozent vom korrekten Wert abwichen. Als korrekter Vergleichswert wurden die Resultate der DXA-Messmethode (Dual-Röntgen-Absorptiometrie) herangezogen. Röntgenstrahlen bemessen hier den Körperfettanteil. Wer regelmäßig und mit höherer Genauigkeit zu Hause messen möchte, für den kann sich eine Investition in eine teurere Waage mit Messelektroden an Händen und Füßen lohnen. Diese Modelle gibt es ab zirka 160 Euro. Ein normaler Körperfettanteil liegt den Sportwissenschaftlern der Uni Erlangen zufolge bei Männern übrigens zwischen 15 und 20 Prozent und bei Frauen in etwa bei 23 Prozent.

Und wohin geht der Trend?

Körperfett- beziehungsweise Körperanalysewaagen liegen im Trend: So teilt die Firma Leifheit auf Anfrage etwa mit, dass sich der Absatz von Körperanalysewaagen in Deutschland seit 2010 mehr als verdoppelt habe. Beim Hersteller ADE heißt es, dass Körperfettwaagen vor allem gekoppelt an Apps immer beliebter werden. Lebensgewohnheiten, Bewegungsdaten, individuelle Werte finden also mehr Berücksichtigung und der Körperfettanteil fließt in das sogenannte "Tracking" dieser Kontroll-Apps mit ein. Praktisch für die einen, vielleicht eher nervig für andere, die sich ohne Handy wiegen können wollen. Auch in Sachen Datenschutz gibt man hier möglicherweise sehr persönliche Informationen über sich Preis.

Fazit: Wenn, dann "mit Hand und Fuß"

Für Kuno Hottenrott von der Universität Halle ist trotz der Messfehler klar:

Aus meiner Sicht sollte jeder eine Körperfettwaage zu Hause nutzen.

Kuno Hottenrott

Denn allgemeine Veränderungen könnten die Waagen anzeigen. Und nur das Körpergewicht im Blick zu haben, ist aus Hottenrotts Sicht überholt. Wer regelmäßig über die Zu- oder Abnahme des eigenen Körperfettanteils Bescheid wissen will, für den können Körperfettwaagen also infrage kommen. Dabei kann allerdings nur eine Tendenz aufgezeigt werden und auf den angegebenen Wert verlassen sollte man sich nicht. Wie wichtig einem der genaue Wert ist, oder ob es einem ausreicht zu sehen, ob der Wert über einen Zeitraum tendenziell steigt oder fällt, muss jeder selbst entscheiden. Für wenig Geld gibt es in diesem Fall auch nur unpräzise Messdaten, etwas genauer wird das mit den teureren Waagen, die an Händen und Füßen messen. Klar ist aber: Wer es ganz genau wissen möchte und vor allem, wer aus gesundheitlichen Gründen messen muss oder möchte, der sollte sich auf die "Home"-Messmethoden keinesfalls verlassen. Genaue Auskunft inklusive einer beratenden Einschätzung gibt es nur beim Arzt. Die Bemessung des Körperfettanteils mithilfe von Röntgenstrahlen kostet hier zirka 50 Euro.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 18. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 02:10 Uhr

Noch mehr Umschau-Quicktipps